PostNord stellt Briefzustellung ein – Dänemark wird digital
03.01.2026 - 07:23:12Dänemark hat die physische Briefzustellung beendet, was viele Bürger vor digitale Hürden stellt. Freiwillige helfen in Cafés bei der Einrichtung von Pflicht-Apps wie MitID und eBoks.
Seit dem 1. Januar stellt PostNord keine Briefe mehr zu. Die historische Zäsur zwingt Tausende Dänen in die digitale Welt – und überfordert viele. In sogenannten Smartphone-Sicherheits-Cafés herrscht deshalb der Ausnahmezustand. Die freiwilligen Helfer sind für zahlreiche Bürger, vor allem Senioren, die letzte Brücke zu digitalen Behördendiensten.
Briefkästen verschwinden, der digitale Druck wächst
Mit dem Jahreswechsel hat Dänemark die klassische Briefzustellung faktisch beendet. PostNord reagiert damit auf einen Einbruch des Briefvolumens um über 90 Prozent seit der Jahrtausendwende. Die Konsequenz ist radikal: Behördenschreiben, Bankpost und Vertragsunterlagen landen jetzt ausschließlich im digitalen Postfach eBoks.
Der private Anbieter Dao übernimmt Teile der physischen Zustellung. Das System ist jedoch umständlicher – Briefe müssen oft in Shops abgegeben oder abgeholt werden. Für viele ist der gewohnte rote Briefkasten damit Geschichte. Analysten sprechen von einem „Managed Decline“ analoger Systeme, der Ressourcen spart, aber von jedem Bürger sofort digitale Kompetenz verlangt.
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MitID und eBoks: Gesetze gelten – ob man einloggt oder nicht
Im Zentrum der Hilfscafés stehen zwei Apps: die digitale Identität MitID und das Postfach eBoks. Seit Jahresbeginn gilt eine verschärfte Rechtsdoktrin. Dokumente in der eBoks gelten als zugestellt und gelesen – unabhängig davon, ob der Nutzer sie tatsächlich abruft. Diese „Vermutung der Kenntnisnahme“ setzt die Bürger unter enormen Druck, ihre Zugänge stets funktionsfähig zu halten.
Technische Hürden verschärfen die Situation. Der Support für die MitID-App auf älteren Android-Geräten (Version 9 und älter) wurde bereits im August 2025 eingestellt. Viele Hilfesuchende erscheinen mit veralteten Smartphones, die keinen Zugang mehr zu den lebenswichtigen Apps gewähren. Ohne funktionierende MitID sind Bankgeschäfte oder der Blick in die Krankenakte unmöglich.
Freiwillige kämpfen gegen die digitale Spaltung
Die Stimmung in den Sicherheits-Cafés ist angespannt, aber solidarisch. Organisationen wie der Seniorenverband Ældre Sagen haben ihre Kapazitäten massiv hochgefahren. Die Arbeit der Freiwilligen geht über technischen Support weit hinaus: Es geht um Betrugsprävention.
Mit der totalen Digitalisierung steigt die Gefahr durch Phishing und Identitätsdiebstahl. In den Cafés lernen Besucher, echte Behördennachrichten von betrügerischen SMS zu unterscheiden. Die Nachfrage ist so groß, dass vielerorts Termine vergeben werden müssen. Diese „analogen Rettungsboote“ sind zum notwendigen Puffer zwischen staatlicher Digitalstrategie und Lebensrealität geworden.
Ein Modell für Europa – mit Risiken?
Dänemarks radikaler Weg wird international genau beobachtet. Während andere Länder wie Deutschland noch diskutieren, schafft Dänemark Fakten. Branchenbeobachter sehen die Effizienz, warnen aber vor einer digitalen Zweiklassengesellschaft.
Die Abhängigkeit von privaten Smartphones für staatsbürgerliche Rechte wirft grundsätzliche Fragen auf. Wird technische Bildung zur neuen demokratischen Pflicht? Die kommenden Wochen gelten als kritische Probe. Mit den ersten digitalen Steuerbescheiden und Gerichtsdokumenten wird der Druck auf das System weiter steigen. Bis sich die neue Realität eingespielt hat, bleiben die Sicherheits-Cafés die wichtigsten Treffpunkte für gesellschaftliche Teilhabe.
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