Postbank, Papier-Schecks

Postbank beendet Papier-Schecks für Sozialleistungen

12.01.2026 - 18:43:12

Die Postbank beendet als letzte große Bank die Ausgabe von Papierzahlungsanweisungen, was Tausende Empfänger von Sozialleistungen zum Umstieg auf digitale Konten zwingt. Die IT-Integration in die Deutsche Bank macht den Schritt unvermeidlich.

Tausende Bürger müssen auf digitale Zahlungen umsteigen, da die Postbank die letzte große Bank ist, die Papier-Zahlungsanweisungen einstellt. Der Schritt ist eine direkte Folge der IT-Integration in die Deutsche Bank.

Seit Januar 2026 erhalten Empfänger von Sozialleistungen wie Bürgergeld keine Papier-Schecks mehr von der Postbank. Die Einstellung der sogenannten „Zahlungsanweisung zur Verrechnung“ markiert das Ende einer jahrzehntealten Praxis und zwingt Tausende, insbesondere Menschen ohne Girokonto, zum digitalen Bezahlverkehr. Hintergrund ist die vollständige Übernahme der Postbank-IT durch die Muttergesellschaft Deutsche Bank, deren Systeme die Bearbeitung der Papieranweisungen nicht mehr unterstützen.

IT-Konsolidierung erzwingt Systemwechsel

Die Abschaffung ist keine freiwillige Entscheidung, sondern eine technische Notwendigkeit. Wie die Deutsche Bank bereits 2025 der Bundesagentur für Arbeit mitteilte, ist die Verarbeitung der speziellen Schecks in der neuen gemeinsamen IT-Infrastruktur nicht mehr möglich. Einige Filialen stellten den Service bereits im dritten Quartal 2025 ein. Die Postbank war die letzte große Bank in Deutschland, die diesen Service anbot. Mit ihrem Ausstieg verschwindet die Papierzahlungsanweisung als landesweite Option für den Sozialleistungsbezug. Jobcenter haben die Betroffenen seit dem vergangenen Jahr über die Änderung informiert und zur Umstellung aufgedrängt.

Herausforderung für bankenferne Menschen

Die größte Hürde betrifft Menschen ohne Bankkonto. Dazu gehören oft besonders vulnerable Gruppen wie Wohnungslose oder Personen in prekären finanziellen Verhältnissen. Sozialverbände warnen vor Zugangshürden zu den lebenswichtigen Leistungen. Als Lösung verweisen Behörden auf das „Basiskonto“. Dieses einfache Girokonto steht jedem EU-Bürger mit rechtmäßigem Aufenthalt zu – unabhängig von der Bonität. Es ermöglicht Einzahlungen, Abhebungen und Überweisungen und ist zum zentralen Instrument geworden, um einen Zahlungsstopp zu verhindern. Die praktische Einrichtung und Nutzung bleibt für viele jedoch eine große Hürde.

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Deutschland treibt Digitalisierung der Sozialhilfe voran

Die Maßnahme der Postbank passt in eine bundesweite Strategie. Die Bundesregierung will die Verwaltung verschlanken und die Abhängigkeit von Bargeld und Papier reduzieren. Das Ziel: mehr Effizienz, Sicherheit und weniger Betrug. Die direkte Überweisung auf ein Konto soll einen zuverlässigeren und nachvollziehbareren Geldfluss garantieren. Der Abschied vom Papierscheck ist ein zentraler Baustein dieser Reform, die das System der sozialen Absicherung in den komm Jahren grundlegend verändern wird.

Zwischen Effizienz und Teilhabe

Der digitale Zwang ist ein klassischer Zielkonflikt. Für Banken und Behörden überwiegen die Vorteile: geringere Kosten, schnellere Abwicklung und weniger Diebstahl- und Betrugsrisiken. Die Umstellung spiegelt den digitalen Wandel in der europäischen Finanzbranche wider, der veraltete Systeme verdrängt.

Doch der Fortschritt hat eine Kehrseite. Sozialverbände und Analysten befürchten eine Vertiefung der digitalen Spaltung. Selbst mit Basiskonto bleiben Hürden: Die Kontoeröffnung, die Verwaltung und die reine Digitalität überfordern viele Ältere, Menschen mit geringer Digitalkompetenz oder mit gesundheitlichen Einschränkungen. Der Erfolg der Umstellung hängt maßgeblich davon ab, wie effektiv Jobcenter und soziale Einrichtungen bei der Unterstützung der letzten Betroffenen sind.

Was kommt nach dem Scheck?

Da die Ära des Papierschecks endgültig vorbei ist, rücken alternative Lösungen in den Blick. Neben dem Basiskonto diskutieren Sozialverbände niedrigschwellige Modelle. Eine Idee ist ein Barcode-System: Empfänger könnten einen Code auf dem Handy oder Ausdruck erhalten, der an Supermarktkassen gescannt wird, um Bargeld auszuzahlen. Ein solches, anderswo bereits erprobtes Modell könnte eine bankenunabhängige, sichere Barauszahlung ermöglichen. Die zentrale Frage der kommenden Jahre bleibt: Wie kann digitaler Fortschritt erreicht werden, ohne die Schwächsten der Gesellschaft abzuhängen?

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