PKV, Einkommensgrenze

PKV: Neue Einkommensgrenze von 77.400 Euro tritt in Kraft

05.01.2026 - 14:30:12

Ab sofort müssen Arbeitnehmer in Deutschland deutlich mehr verdienen, um in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln zu können. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) ist zum Jahreswechsel auf ein Rekordniveau von 77.400 Euro gestiegen. Für Tausende Berufstätige bedeutet das eine Zwangsprüfung ihres Versicherungsstatus.

Die Anhebung um 3.600 Euro gegenüber 2025 stellt viele vor existenzielle Fragen. Besonders betroffen sind Angestellte, die im vergangenen Jahr mit einem Bruttoeinkommen zwischen 73.800 und 77.400 Euro gerade noch privat versichert waren. Sie rutschen mit dem neuen Jahr unter die magische Grenze – und unterliegen damit automatisch der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV).

Was bedeutet das konkret? Wer nicht aktiv wird, riskiert den unfreiwilligen Rückkehr in das Solidarsystem. Die Konsequenz: Wertvolle Altersrückstellungen in der privaten Police könnten verloren gehen. Betroffene haben nur ein schmales Zeitfenster zum Handeln.

„Die Situation ist heikel“, kommentiert ein Versicherungsmakler aus Frankfurt. „Viele merken erst jetzt, dass sie in eine Grauzone gerutscht sind.“

Drei Monate für die Entscheidung

Es bleiben zwei Wege, um in der PKV zu bleiben. Der erste: eine Gehaltsanpassung auf mindestens 77.400 Euro – rückwirkend zum 1. Januar. Der zweite: ein formeller Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht bei der zuständigen gesetzlichen Kasse.

Doch Vorsicht! Diese Entscheidung ist unwiderruflich und muss bis spätestens 31. März 2026 getroffen werden. Personalabteilungen sind gefordert, ihre Gehaltslisten umgehend zu prüfen. Denn die Frist läuft.

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Auch GKV wird teurer

Doch nicht nur die PKV-Einstiegshürde ist gestiegen. Auch für alle, die in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, wird es teurer. Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) kletterte auf 69.750 Euro jährlich.

Für freiwillig Versicherte mit hohem Einkommen hat das spürbare Folgen. Zusammen mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von rund 1,6 Prozent erreichen die monatlichen Gesamtbeiträge für Gesundheit und Pflege bei Spitzenverdienern nun leicht die 1.000-Euro-Marke. Ein neuer Rekord.

Trend setzt sich fort

Experten sehen in der kräftigen Anpassung keine Überraschung. Sie folgt dem starken Lohnwachstum des Jahres 2024. Der PKV-Verband kritisiert diesen Automatismus seit langem. Er verkleinere systematisch den Kreis potenzieller Neukunden.

Die Prognose ist eindeutig: Der Aufwärtstrend dürfte anhalten. Schon für 2027 zeichnet sich eine weitere kräftige Erhöhung ab. Die Einstiegsschwelle für die private Vorsorge könnte dann in Richtung 80.000 Euro wandern.

Für junge Aufsteiger wird der Wechsel in die PKV damit immer später möglich. Der Markt für Neueintritte dürfte sich vorerst abkühlen. Die ersten Monate des Jahres werden vor allem von Beratungsgesprächen zur „Rückkehr in die GKV“ geprägt sein.

Die Botschaft ist klar: In der deutschen Krankenversicherung wird die Trennung zwischen den Systemen immer schärfer – und teurer.

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