Pflegeberufe, Schwerarbeit

Pflegeberufe in Österreich gelten jetzt als Schwerarbeit

16.01.2026 - 19:54:12

Die Anerkennung von Pflegeberufen als Schwerarbeit tritt in Kraft und ermöglicht tausenden Beschäftigten einen früheren Pensionsantritt unter bestimmten Bedingungen.

Pflegekräfte in Österreich können ab sofort früher in Rente gehen. Die lang geforderte Anerkennung von Pflegeberufen als Schwerarbeit ist heute in Kraft getreten. Tausende Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialsystem profitieren von der Reform, die auf die extremen physischen und psychischen Belastungen des Berufsalltags reagiert.

Das ändert sich konkret für Pflegekräfte

Die Neuregelung nimmt anerkannte Pflegeberufe in die Schwerarbeitsverordnung auf. Betroffen sind:
* Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen
* Pflegefachassistenten und Pflegeassistenten

Für einen früheren Pensionsantritt müssen sie mehrere Kriterien erfüllen. Das Mindestalter liegt bei 60 Jahren. Zudem sind 45 Versicherungsjahre nötig, davon mindestens zehn Jahre Schwerarbeit in den letzten zwei Jahrzehnten vor der Rente.

Die Reform erleichtert die Anerkennung deutlich. Sie berücksichtigt nun stärker psychische Belastungen und lockert die Anforderungen für Schichtdienste. Verwaltungstätigkeiten dürfen nicht den Hauptteil der Arbeit ausmachen.

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Ein Erfolg nach langem Kampf

Der heutige Tag ist ein Sieg für Gewerkschaften und Berufsverbände. Organisationen wie der ÖGB und die Arbeiterkammer hatten jahrelang für diese Anerkennung gekämpft. Bislang schafften es die meisten Pflegekräfte kaum, die strengen Kriterien für die Schwerarbeitspension zu erfüllen.

Die Bundesregierung einigte sich 2025 auf die Reform. Sie soll die Pflege attraktiver machen und dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken. Experten sehen darin einen wichtigen Schritt zur besseren Wertschätzung.

Wer profitiert – und wer kritisiert?

Das Sozialministerium schätzt, dass jährlich rund 1.000 zusätzliche Personen, vor allem Frauen, Anspruch auf die frühere Rente erhalten werden. Ein Fortschritt: Auch Teilzeitkräfte ab 50 Prozent Beschäftigungsumfang sind erfasst.

Die Reaktionen fallen überwiegend positiv aus. Gewerkschaften feiern einen „Meilenstein“. Doch es gibt auch Kritik. Die Hürde von 45 Versicherungsjahren bleibt für viele, besonders für Frauen mit unterbrochenen Karrieren, hoch. Nicht alle im Pflegeumfeld, etwa in der mobilen Pflege ohne Schichtdienst, profitieren automatisch.

Das müssen Betroffene jetzt tun

Die Anerkennung erfolgt nicht von selbst. Pflegekräfte müssen aktiv einen Antrag bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) stellen, um ihre Schwerarbeitszeiten nachweisen zu lassen. Wer in der Vergangenheit bereits abgelehnt wurde, kann eine Neubewertung beantragen.

Bleibt die Frage: Wird die Reform den Personalmangel kurzfristig verschärfen, weil mehr Menschen früher gehen? Krankenhausverbände zeigen sich hier gelassen – die Voraussetzungen seien nach wie vor anspruchsvoll. Langfristig hofft die Branche, erfahrenes Personal länger halten zu können. Die Auswirkungen auf das Pensionssystem und die Pflegequalität werden sich erst zeigen.

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