PFAS-Verbot, Einsatzhygiene

PFAS-Verbot und Einsatzhygiene: Feuerwehren vor tiefgreifendem Wandel

05.01.2026 - 05:33:12

Ab April 2026 sind PFAS-haltige Löschschäume verboten, was Feuerwehren vor enorme operative, technische und finanzielle Herausforderungen stellt. Neue Hygienestandards wie 'Clean Cab' werden Pflicht.

Neue EU-Chemikalienverbote und verschärfte Hygieneregeln zwingen Deutschlands Feuerwehren zu einem grundlegenden Sicherheitsumbruch. Ab April 2026 sind fluorhaltige Löschschäume tabu.

Ab dem 10. April 2026 tritt ein EU-weites Verbot für bestimmte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Löschschäumen in Kraft. Für öffentliche Feuerwehren bedeutet das: Sämtliche Übungen, Tests und Einsätze müssen ab dann mit fluorfreien Alternativen (F3-Schäumen) absolviert werden. Diese „ewigen Chemikalien“ stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und sich in Umwelt und Körper anzureichern. Der Schritt ist eine direkte Antwort auf die hohe Krebsrate unter Einsatzkräften, oft als „Feuerwehrkrebs“ bezeichnet.

Doch der Wechsel ist mehr als nur ein Austausch der Chemikalie. „Es ist eine fundamentale operative Wende“, erklärt ein Branchenexperte gegenüber Ingenieur.de. Fluorfreie Schäume benötigen oft andere Ausbringtechniken und höhere Mengen, um dieselbe Löschleistung zu erzielen. Die Feuerwehren stehen damit vor der doppelten Herausforderung, nicht nur neue Mittel zu beschaffen, sondern auch ihre Taktiken und Schulungen anzupassen.

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Einsatzhygiene wird zur Pflichtaufgabe

Parallel zum Chemikalienausstieg gewinnt das Konzept der Einsatzhygiene an entscheidender Bedeutung. Der Fokus verschiebt sich von der akuten Unfallvermeidung hin zum langfristigen Gesundheitsschutz. Das Prinzip der „Schwarz-Weiß-Trennung“ – die strikte räumliche Trennung von kontaminierter und sauberer Ausrüstung – wird zum verbindlichen Standard.

Konsequenz daraus: Das „Clean Cab“-Konzept setzt sich durch. Bei neuen Einsatzfahrzeugen wird die mit Schadstoffen belastete Schutzkleidung nicht mehr in die Mannschaftskabine mitgenommen, sondern in separaten Außenbehältern verstaut. So soll eine Verseuchung der Crew auf der Rückfahrt vom Einsatz verhindert werden. Ein weiteres Problem ist die Altlast: Fahrzeuge, Schläuche und Pumpen, die jahrelang mit PFAS-haltigen Schäumen in Kontakt waren, müssen aufwändig gereinigt oder ausgetauscht werden, um Rückkontaminationen zu vermeiden.

Gesetze modernisieren die Gefahrenabwehr

Die regulatorischen Änderungen beschränken sich nicht auf die EU-Ebene. Auch in den Bundesländern werden die Rechtsrahmen modernisiert. In Baden-Württemberg trat zum 1. Januar 2026 eine Novelle des Feuerwehrgesetzes in Kraft. Sie treibt die Digitalisierung der Alarmierung und den Abschied vom analogen Funk voran.

Gleichzeitig sind die Leitstellen seit Jahresbeginn verpflichtet, die europäischen Barrierefreiheitsstandards umzusetzen. Notrufsysteme müssen nun für Menschen mit Behinderungen zugänglich sein. Die Compliance-Anforderungen an die Feuerwehren werden damit 2026 multidimensional: ökologisch, technisch und sozial.

Hohe Kosten und logistische Hürden

Der Umbruch ist teuer. Kommunen müssen Budgets für die Entsorgung alter Schaumvorräte als Sondermüll bereitstellen. Die Beschaffung der neuen, oft teureren F3-Schäume und kompatibler Technik belastet die Haushalte zusätzlich. Branchenbeobachter prognostizieren für 2026 einen Boom bei Dienstleistern für „Dekontaminationslogistik“ – mobile Reinigungsdienste, die bereits am Einsatzort die erste Grobreinigung der Ausrüstung übernehmen.

Was kommt nach April? Der regulatorische Druck bleibt hoch. Für Oktober 2026 sind weitere PFAS-Beschränkungen in anderen Produktbereichen geplant. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird ein nahezu vollständiges Verbot in der Brandbekämpfung erwartet. Nur für spezielle Hochrisiko-Szenarien in der Industrie soll es Ausnahmen geben.

Für die Feuerwehren heißt die Devise im ersten Quartal 2026: Üben, umstellen, schützen. Die Definition einer „sicheren“ Einsatzlage wird sich nachhaltig verändern. Sie hängt künftig genauso von unsichtbaren Faktoren wie chemischer Reinheit und Hygiene ab wie von der offensichtlichen physischen Sicherheit.

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