Personalräte, Teams

Personalräte erhalten neue Macht für hybride Teams

25.12.2025 - 01:21:12

Die Führung verteilter Teams im öffentlichen Dienst wird 2026 strenger reguliert. Ein Bündel aus neuen Gerichtsurteilen, Tarifverhandlungen und der KI-Einfluss stattet Personalräte mit ungekannten Kontrollrechten aus.

Kurz vor Weihnachten hat der dbb beamtenbund und tarifunion eine wegweisende Rechtsauskunft veröffentlicht. Sie basiert auf einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Aktenzeichen 2 VR 5.24) vom Mai 2025. Der Kern: Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht allein aufgrund ungeklärter Zweifel an deren gesundheitlicher Eignung ablehnen.

Für die Praxis hybrider Teams ist das ein Paukenschlag. Denn wo „Führung auf Distanz“ herrscht, entstehen schnell voreilige Schlüsse über die Leistungsfähigkeit oder Verfügbarkeit von Mitarbeitern. Das Gericht verpflichtet Vorgesetzte nun, gesundheitliche Bedenken aktiv zu klären, bevor eine Entscheidung fällt. Personalräte müssen diesen Prozess streng überwachen, um „Proximity Bias“ – die Bevorzugung physisch anwesender Mitarbeiter – zu verhindern.

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Matrix-Strukturen: Wahlrecht wird komplexer

Eine zweite, entscheidende Neuerung kommt vom Bundesarbeitsgericht (BAG, 7 ABR 28/24). Es bestätigte das Wahlrecht von Beschäftigten in Matrix-Organisationen. Mitarbeiter, die mehreren Betriebsteilen angehören, dürfen in allen diesen Betrieben wählen.

Für Personalräte bedeutet das erheblichen Mehraufwand:
* Wählerlisten müssen akribisch geprüft werden, damit hybride Mitarbeiter nicht ihr Stimmrecht verlieren.
* Führungskräfte müssen künftig mit mehreren Personalräten kommunizieren, wenn ihre Teams verteilt sind.
Der Erfolgsfaktor liegt in der proaktiven Abstimmung zwischen den Gremien, um einheitliche Betriebsvereinbarungen sicherzustellen.

TV-L-Verhandlungen setzen materielle Rahmen

Während die Gerichte den rechtlichen Rahmen abstecken, verhandeln Gewerkschaften und Arbeitgeber aktuell die konkreten Bedingungen. Die TV-L-Runde 2025 begann am 3. Dezember. Ver.di und der dbb fordern 7 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro.

Die Arbeitgeberseite (TdL) verweist auf leere Kassen. Beobachter rechnen jedoch damit, dass qualitative Forderungen in den Fokus rücken – etwa klare Regeln für mobiles Arbeitsgerät oder ein „Recht auf Abschalten“.

Für Personalräte wird die Durchsetzung der Arbeitszeitregeln zur Kernaufgabe. Sie müssen verhindern, dass die Flexibilität des Hybridmodells in unbezahlte Überstunden oder ständige Erreichbarkeit mündet. Ein Abschluss der Verhandlungen wird für Anfang 2026 erwartet.

KI-Ära verlangt digitale Kompetenz

Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Nachdem „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025 gekürt wurde, drängen immer mehr KI-Tools in das Personalmanagement. Sie sollen oft die „Vertrauenslücke“ in hybriden Teams schließen.

Doch diese Systeme unterliegen der mitbestimmungspflichtigen Betriebsänderung. Personalräte müssen daher digitale Kompetenz aufbauen. Sie müssen die Algorithmen verstehen, um automatisierte Diskriminierung zu verhindern und sicherzustellen, dass die hybride Führung menschlich bleibt.

Ausblick: Die Ära des „Laissez-faire“ ist vorbei

Die Kombination aus schärferer Rechtsprechung, erweiterten Mitbestimmungsrechten und grundlegenden Tarifverhandlungen markiert eine Zeitenwende. „Die Ära des improvisierten Hybridmanagements ist beendet“, kommentieren Branchenkenner. Personalräte haben jetzt die Werkzeuge, um professionelle und gesundheitsbewusste Führung für alle Mitarbeiter einzufordern.

Die nächste TV-L-Verhandlungsrunde ist für Januar 2026 angesetzt. Sollten die Arbeitgeber kein Entgegenzeichen zeigen, sind Warnstreiks wahrscheinlich. Parallel sollten die neuen Richtlinien zur Gesundheitsprüfung ganz oben auf der Tagesordnung der ersten Personalratssitzungen des neuen Jahres stehen.

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