Personalchefs, Alarmmodus

Personalchefs im Alarmmodus: Doppelkrise trifft Arbeitsmarkt

17.01.2026 - 09:46:12

Der Anteil von Frauen in Spitzengremien stagniert, während politische Vorhaben wie die Familienstartzeit gestoppt werden. Unternehmen stehen im Wettbewerb um Talente zunehmend allein da.

Die deutsche Wirtschaft steuert auf einen Personalnotstand zu – doch ausgerechnet jetzt stockt der Aufstieg von Frauen und fällt der Staat als Partner aus. Neue Daten und politische Kehrtwenden zwingen Personalabteilungen zum schnellen Umdenken.

DIW-Studie: Frauenanteil in Vorständen stagniert

Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) liefert eine ernüchternde Bilanz. Der Anteil von Frauen in den Vorständen der 200 größten nicht-finanziellen Unternehmen ist erstmals gesunken – von 19,1 auf 18,6 Prozent. Besonders im DAX-40 bewegt sich die Quote seit einem Jahr kaum noch und liegt bei 25,3 Prozent.

Für Personalverantwortliche ist das mehr als eine Imagefrage. Eine begleitende DIW-Studie zeigt: Weibliche Führungskräfte reduzieren spürbar den wahrgenommenen Gender Pay Gap und brechen starre Rollenbilder auf. „Unternehmen, die jetzt nicht gegensteuern, riskieren, hochqualifizierte Frauen an dynamischere Branchen zu verlieren“, warnt eine Expertin. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft scheint an ihre Grenzen gestoßen.

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Familienstartzeit: Gesetz geplatzt, Druck auf Unternehmen wächst

Parallel zur Führungsfalle kommt die politische Enttäuschung. Die geplante „Familienstartzeit“ – zehn Tage bezahlte Freistellung für Partner nach der Geburt – wurde von der neuen Koalition überraschend gestoppt. Das Gesetz galt als wichtiger Baustein, um die Rückkehr von Müttern in den Job zu erleichtern.

Jetzt lastet die Verantwortung ganz auf den Unternehmen. Wer künftig freiwillig eine bezahlte „Väterzeit“ anbietet, gewinnt im Wettbewerb um junge Talente entscheidende Punkte. Ohne diese Unterstützung droht vielen Frauen weiterhin die „Teilzeitfalle“ – und der Wirtschaft fehlt dringend benötigtes Arbeitsvolumen.

Aktivrente als Chance gegen den Fachkräftemangel

Ein Lichtblick kommt aus der Rentenpolitik. Seit Januar 2026 können Ruheständler mit der neuen Aktivrente bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Für Personalchefs eröffnet das eine strategische Möglichkeit: Erfahrene Mitarbeiterinnen, besonders mit geringeren Alterseinkünften, könnten für flexible „Silver Work“-Modelle gewonnen werden.

Bundesministerin Karin Prien betonte kürzlich die Bereitschaft älterer Menschen, sich digital einzubringen. Unternehmen sind nun gefordert, rollierende Mentorenprogramme oder Projektarbeit für diese Generation zu entwickeln. So bleibt wertvolles Wissen im Haus.

TV-L-Verhandlungen: Öffentlicher Dienst setzt Maßstäbe

Die angespannte Lage wird durch die laufenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) verschärft. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro. Sollte es zu Streiks im Februar kommen, wären besonders Frauen betroffen – etwa durch wegfallende Kita-Betreuung.

Für die Privatwirtschaft wirken diese Verhandlungen wie ein Frühwarnsystem. Deutliche Verbesserungen bei Gehalt oder Arbeitszeiten im öffentlichen Sektor erhöhen den Druck, vergleichbare Konditionen zu bieten. Besonders in Verwaltung, Bildung und Pflege konkurrieren beide Seiten um dieselben Fachkräfte.

Demografische Zange: Doppelter Druck auf den Arbeitsmarkt

Die Entwicklungen bilden eine gefährliche Zange: Während die Babyboomer in Rente gehen, stockt der geplante Gegenstrom – mehr und besser positionierte Frauen im Job. Die Politik zieht sich aus der Verantwortung zurück, die Wirtschaft kommt allein nicht voran.

Die Lösung liegt nun bei den Unternehmen. Wer in diesem Jahr überzeugende „Care & Career“-Pakete schnürt – mit freiwilliger Partnerzeit, Kinderbetreuung und Aktivrente-Modellen – wird im Kampf um Talente die Nase vorn haben. Der demografische Wandel wird so zum Innovationstreiber. Oder zur Existenzfrage.

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