Pensionskassen: Digitalisierungslücke wird zur Kostenfalle
08.01.2026 - 07:52:13Die digitale Transformation der Schweizer Sozialversicherungen stockt. Ein Prüfbericht offenbart schwere Mängel – und setzt die Pensionskassen unter Druck.
Bern – Für die Schweizer Pensionskassen wird das Jahr 2026 zur digitalen Nagelprobe. Ein aktueller Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) deckt gravierende strukturelle Defizite bei der Digitalisierung der ersten Säule, der AHV, auf. Gleichzeitig stehen die privaten Vorsorgeeinrichtungen vor der Mammutaufgabe, die neue staatliche E-ID zu integrieren und verschärfte Datenschutzregeln umzusetzen. Die Kombination aus internen Schwächen und externen Vorgaben droht den „Digital Gap“ zur teuren Compliance-Falle werden zu lassen.
EFK-Bericht als Warnschuss für die gesamte Branche
Am Mittwoch veröffentlichte die Finanzkontrolle einen vernichtenden Prüfbericht zur Digitalisierung der Alters- und Hinterlassenenversicherung. Die Prüfer bemängeln „strukturelle Defizite“ und eine mangelnde Abstimmung zwischen den Akteuren. Besonders kritisch sehen sie das fehlende Vertrauen zwischen dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und den Durchführungsstellen.
Was hat das mit den privaten Pensionskassen zu tun? Sehr viel. Die reibungslose digitale Zusammenarbeit zwischen erster und zweiter Säule ist für eine effiziente Vorsorgeverwaltung unerlässlich. Stockt die Modernisierung bei der AHV, entstehen für die Pensionskassen massive Reibungsverluste. Experten sprechen bereits von einer Governance-Krise im gesamten Ökosystem der Sozialversicherungen, die den sicheren Datenaustausch behindert.
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Doppelbelastung: E-ID und Datenschutz
Parallel zur internen Kritik wartet eine externe Herausforderung: die Integration der neuen staatlichen elektronischen Identität (E-ID). Deren Einführung bis Ende 2026 zwingt die Kassen, ihre Versichertenportale und Kommunikationskanäle komplett anzupassen.
Die Hürde liegt im Detail. Die E-ID verspricht zwar eine einfache Online-Identifikation. Die technischen Anforderungen an die Schnittstellen sind jedoch hoch. Die Systeme der Pensionskassen müssen nicht nur die E-ID akzeptieren, sondern auch die strengen Datenschutzvorgaben für diese sensiblen Daten erfüllen. Für viele Institute, die noch auf veralteten IT-Systemen basieren, bedeutet das Investitionen in Millionenhöhe – und das unter erheblichem Zeitdruck.
Regulatorischer Dauerregen bindet Ressourcen
Die IT-Abteilungen der Pensionskassen kommen nicht zur Ruhe. Seit Jahresbeginn gelten mehrere neue regulatorische Vorgaben, die implementiert werden müssen:
- Teuerungsausgleich bei Renten: Erstmals seit 2022 werden laufende Renten der beruflichen Vorsorge um 2,7 Prozent angehoben. Diese Anpassung muss für Hunderttausende Bezüger systemseitig korrekt umgesetzt werden.
- 13. AHV-Rente: Die ab Dezember fließenden Zusatzzahlungen müssen in den Informationssystemen und Rentenberechnungen der Pensionskassen korrekt dargestellt werden.
- Stabiler Mindestzinssatz: Der Bundesrat hält den BVG-Mindestzinssatz bei 1,25 Prozent. Die Kassen müssen ihre individuellen Verzinsungsstrategien im Überobligatorium dennoch transparent kommunizieren.
Datenschutz: Die unterschätzte Rechtsfalle
Eine besondere Hürde ist der datenschutzrechtliche Status. Viele Pensionskassen gelten bei der Durchführung der obligatorischen Vorsorge als „Bundesorgane“. Das revidierte Datenschutzgesetz (nDSG) bringt für sie strengere Pflichten mit sich als für private Unternehmen.
Die Konsequenz: Sie müssen zwingend einen Datenschutzberater ernennen und bei neuen digitalen Projekten aufwendige Datenschutz-Folgenabschätzungen (DSFA) durchführen. Der EFK-Bericht unterstreicht die Dringlichkeit. Wo, wie bei der AHV, das Datenmanagement schlecht organisiert ist, sind Datenschutzpannen fast vorprogrammiert.
Konsolidierungsdruck steigt
Branchenbeobachter sehen die Pensionskassen in der Zwickmühle. Versicherte erwarten moderne Apps und Echtzeit-Einblick in ihre Guthaben. Gleichzeitig binden staatliche Vorgaben und die marode nationale Dateninfrastruktur immense Ressourcen.
Die Folge: Der Druck zur Konsolidierung wächst. Kleinere Kassen, die die Kosten für hochsichere IT und spezialisiertes Compliance-Personal nicht mehr stemmen können, werden vermehrt den Anschluss an größere Sammelstiftungen suchen. Die Botschaft zu Beginn des Jahres ist eindeutig. Die Digitalisierung ist für Pensionskassen keine freiwillige Verbesserung mehr, sondern eine harte Pflicht. Wer sie vernachlässigt, gefährdet seine eigene Zukunft.
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