Meilenstein, Kampf

pcTattletale-Gründer bekennt sich schuldig: Meilenstein im Kampf gegen Stalkerware

07.01.2026 - 20:22:12

Der Entwickler der Spionage-App pcTattletale hat sich vor einem US-Gericht schuldig bekannt. Das Urteil markiert einen Wendepunkt im Kampf gegen digitale Stalkerware.

In einem Präzedenzfall für den digitalen Datenschutz hat sich der Gründer der berüchtigten Spionage-App pcTattletale vor einem US-Bundesgericht schuldig bekannt. Das Urteil sendet ein klares Signal an die Schattenindustrie der Überwachungssoftware.

Bryan Fleming, Entwickler der als Stalkerware vermarkteten Software, gestand am Dienstag vor dem Bundesbezirksgericht in San Diego Computer-Hacking und den illegalen Vertrieb von Abhörgeräten. Es ist die erste erfolgreiche Bundesverfolgung eines Stalkerware-Betreibers seit über einem Jahrzehnt. Das US-Justizministerium wertet den Fall als Wendepunkt im Umgang mit nicht einvernehmlicher digitaler Überwachung.

Wie pcTattletale systematisch Spionage ermöglichte

Laut Anklageschrift vermarktete Fleming seine Software aus Michigan gezielt als Werkzeug zur heimlichen Überwachung von Partnern. Unter dem Deckmantel legitimer Kindersicherungs- oder Mitarbeiterüberwachungssoftware ermöglichte pcTattletale den heimlichen Zugriff auf Smartphones und Computer.

Die App arbeitete im Verborgenen und erfasste Textnachrichten, Standortverläufe und Bildschirmaufnahmen der Opfer. Die gestohlenen Daten wurden auf Flemings Server übertragen, wo der jeweilige Käufer sie abrufen konnte. Ermittler des Ministeriums für Innere Sicherheit (HSI) legten Beweise vor, dass Fleming Kunden in Chats aktiv dabei beriet, die Software vor den Ausspähten zu verstecken.

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Der spektakuläre Zusammenbruch 2024

Der Schuldspruch kommt fast zwei Jahre nach dem spektakulären Ende von pcTattletale. Im Mai 2024 erlitt das Unternehmen einen massiven Datenleck, der sensible Informationen zehntausender Kunden und ihrer Opfer preisgab. Die Website wurde gehackt, interne Datenbanken landeten im Netz.

Sicherheitsforscher hatten lange vor den schwachen Sicherheitsvorkehrungen der Plattform gewarnt. Der Leck bestätigte diese Bedenken auf dramatische Weise: Die Software verletzte nicht nur privat durch ihre Funktion, sondern schützte auch die gestohlenen Daten nicht. Vor der Schließung hatte der Dienst etwa 138.000 registrierte Nutzer angezogen.

Ein Wendepunkt für die gesamte Branche

Datenschutzexperten begrüßen das Urteil als entscheidenden Sieg. Eva Galperin, Cybersicherheitsdirektorin der Electronic Frontier Foundation (EFF), sieht darin eine notwendige Warnung an die gesamte Schattenindustrie. “Dieser Fall zeigt, dass Strafverfolgungsbehörden bereit sind, den Corporate Veil zu lüften, wenn Beweise für die Absicht zur illegalen Spionage vorliegen”, so Galperin.

Die Lücke von über zehn Jahren seit der letzten großen Verurteilung eines Stalkerware-Anbieters (StealthGenie, 2014) habe dem Markt ungehindertes Wachstum ermöglicht. Die erfolgreiche Verfolgung Flemings deutet nun auf einen verschärften Fokus der US-Behörden hin. Juristen erwarten, dass der Fall die Behandlung ähnlicher “Dual-Use”-Apps unter dem Abhör- und Computerbetrugsgesetz neu definieren könnte.

Was kommt jetzt?

Bryan Fleming erwartet die Urteilsverkündung später in diesem Jahr. Die Vorwürfe können mit erheblichen Haftstrafen und Geldbußen geahndet werden.

Der Fall dürfte weitere Kreise ziehen: Andere Anbieter von Überwachungssoftware, die ihre Produkte ähnlich zweideutig vermarkten, könnten ihre Strategien überdenken. Die beschlagnahmten Daten aus der HSI-Untersuchung könnten zudem Ermittlungen gegen Partner und Vermarkter von pcTattletale nach sich ziehen.

Für Betroffene von Stalkerware bietet der Schuldspruch Genugtuung. Experten raten Verdächtigen weiterhin, sich an spezialisierte Hilfsorganisationen zu wenden, statt die Software selbst zu entfernen – dies könnte den Täter warnen oder Beweise vernichten.

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