PayPal, Krise

PayPal setzt in der Krise auf KI-Reiseplattform

13.02.2026 - 21:41:12

PayPal reagiert auf schwache Quartalszahlen und Führungswechsel mit einer strategischen KI-Partnerschaft für Reisebuchungen, während die Aktie auf Tiefststände fällt.

Das angeschlagene Fintech-Unternehmen sucht mit einer neuen Partnerschaft dringend nach Wachstum – während die Aktie auf Tiefststände fällt und der Vorstand die Führung auswechselt.

PayPal steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Jetzt kündigt der Zahlungsriese eine überraschende strategische Wende an: eine KI-gestützte Reisebuchungsplattform. Die Partnerschaft mit dem Reise-Technologieanbieter Sabre und der KI-Plattform Mindtrip soll im zweiten Quartal 2026 starten. Für PayPal ist es ein verzweifelter Versuch, sein Bezahlsystem in neue Märkte zu integrieren, während das Kerngeschäft schwächelt.

Der Vorstoß kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte PayPal verheerende Quartalszahlen und musste den abrupten Wechsel an der Konzernspitze bekanntgeben.

Finanzdesaster löst Börsensturz aus

Die Zahlen für das vierte Quartal 2025 schockierten die Anleger. Der Umsatz von 8,68 Milliarden US-Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie von 1,23 Dollar lagen unter den Erwartungen. Das eigentliche Damoklesschwert ist jedoch die düstere Prognose für 2026: Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem stagnierenden oder leicht rückläufigen Gewinn. Die zuvor ausgegebenen langfristigen Ziele für 2027 hat der Vorstand komplett zurückgezogen.

Die Ursache liegt im Kernbereich. Das profitable „Branded Checkout“-Geschäft, bei dem Händler den PayPal-Button anbieten, wuchs zuletzt nur noch um magere 1 Prozent. Schwacher Einzelhandelsumsatz in den USA, internationale Widerstände und schärferer Wettbewerb setzen dem Geschäftsmodell zu.

Führungswechsel und Anleger-Frust

Die Konsequenz folgte umgehend. CEO Alex Chriss, der das Unternehmen seit September 2023 führte, muss seinen Posten räumen. Ab dem 1. März 2026 übernimmt Enrique Lores, derzeit Chef beim Technologiekonzern HP. Der Aufsichtsrat begründete den Schritt mit der unzureichenden „Geschwindigkeit des Wandels und der Umsetzung“.

Die Börse bestraft das Unternehmen gnadenlos. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um über 30 Prozent eingebrochen und erreichte mit 38,49 US-Dollar einen neuen 52-Wochen-Tiefststand. Analysten wie von Rothschild & Co Redburn senkten ihre Kursziele massiv. Die Stimmung unter Privatanlegern in Foren wie Reddit ist auf dem Tiefpunkt.

Wettbewerbsdruck und rechtliche Prüfung

Die Probleme gehen über die Bilanz hinaus. Die Anwaltskanzlei Levi & Korsinsky kündigte am 11. Februar eine Untersuchung an. Geprüft wird, ob PayPal Anleger rechtzeitig über die sich verschlechternden Geschäftsbedingungen informiert hat. Auch von innen kommt Kritik: David Marcus, ehemaliger PayPal-Präsident, warf dem Unternehmen kürzlich Missmanagement vor.

Der Wettbewerbsdruck wächst stetig. Konkurrenten wie Apple Pay, Google Pay und Ratenzahlungsdienste wie Affirm und Klarna greifen PayPals Marktanteile an. Das einstige Vorzeige-Fintech wirkt wie ein träger Riese, der den Anschluss zu verlieren droht.

Kann die KI-Reiseplattform retten?

Vor diesem Hintergrund ist die angekündigte Reise-KI mehr als nur ein neues Produkt. Sie ist ein Symbol für den dringend benötigten Neuanfang. Die Plattform soll Nutzern ermöglichen, Reisepläne in natürlicher Sprache zu beschreiben. Ein KI-Assistent schlägt dann personalisierte Optionen vor, die in einem einzigen Vorgang gebucht und bezahlt werden können – natürlich mit PayPal.

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Für das Unternehmen geht es darum, seine Zahlungsdienste und die „Pay Later“-Funktion in den wachsenden Markt für konversationsgestützten Handel zu integrieren. Ob diese Wette aufgeht, ist jedoch völlig offen.

Alle Blicke richten sich nun auf den neuen CEO Enrique Lores. Seine Aufgabe wird es sein, das angeschlagene Kerngeschäft zu stabilisieren und gleichzeitig strategische Neuerungen wie die KI-Plattform voranzutreiben. Für PayPal beginnt ein entscheidendes Jahr, in dem das Unternehmen beweisen muss, dass es noch eine Zukunft hat. Die Geduld der Anleger ist bereits jetzt erschöpft.

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