Pax, Silica

Pax Silica: Neun Nationen bündeln Kräfte für sichere KI-Zulieferung

19.01.2026 - 04:31:12

Die US-geführte Technologieallianz Pax Silica erweitert sich um Golfstaaten, um KI-Lieferketten unabhängig von China zu sichern. Die EU ist aufgrund regulatorischer Differenzen nicht Teil des Bündnisses.

Die USA führen eine Technologie-Allianz an, um die globalen Lieferketten für Künstliche Intelligenz neu zu ordnen. Mit den Golfstaaten wächst der Einfluss des Bündnisses – doch Europa bleibt außen vor.

Washington D.C. – Die strategische Technologieallianz Pax Silica unter US-Führung hat sich auf neun Nationen ausgedehnt. Die jüngsten Beitritte der Vereinigten Arabischen Emirate und Katars Mitte Januar 2026 markieren einen wichtigen Schritt im Wettlauf um die Kontrolle der KI-Versorgungsketten. Das Bündnis will ein vertrauenswürdiges Ökosystem für Entwicklung und Einsatz von KI schaffen.

Neue Doktrin der „Silikon-Staatskunst“

Im Kern verkörpert Pax Silica eine neue Form der „Silikon-Staatskunst“. Das US-Außenministerium koordiniert seit Dezember 2025 Politik und Investitionen der Mitglieder, um die Versorgung mit kritischen KI-Komponenten abzusichern. Dazu gehören seltene Erden, Energie, Halbleiter, Dateninfrastruktur und Fertigungskapazitäten.

Der Name kombiniert das lateinische Wort für Frieden („Pax“) mit dem Grundstoff für Computerchips („Silica“). Analog zu historischen Friedensordnungen soll so Stabilität im digitalen Zeitalter geschaffen werden. Erstmals werden Rechenleistung, Silizium, Mineralien und Energie als gemeinsame strategische Ressourcen behandelt.

Anzeige

Die Debatte um KI-Regeln beeinflusst inzwischen nicht nur Forschung, sondern auch Handels- und Entwicklungsstrategien. Wer die Pflichten und Übergangsfristen der EU‑KI‑Verordnung (AI‑Act) kennt, kann Risiken besser einschätzen: Von Kennzeichnungspflichten über Risikoklassen bis zu Dokumentationsanforderungen. Ein kompakter Umsetzungsleitfaden erklärt praxisnah, was Unternehmen und Entwickler jetzt beachten müssen — ideal für Entscheidende, die Compliance‑Fallen vermeiden wollen. Jetzt KI‑Umsetzungsleitfaden herunterladen

Golfstaaten als strategische Partner

Das Bündnis startete mit sieben Nationen: USA, Großbritannien, Japan, Südkorea, Singapur, Israel und Australien. Die Aufnahme Katars am 12. Januar und der VAE um den 15. Januar verleihen der Allianz neues Gewicht.

Warum sind diese Beitritte so bedeutend? Die riesigen Energie-Reserven und Staatsfonds der Golfstaaten werden als unverzichtbar angesehen, um die nächste Generation von KI-Infrastruktur zu finanzieren und mit Energie zu versorgen. Besonders die für moderne KI-Modelle benötigten Mega-Rechenzentren sind extrem energieintensiv. Die VAE und Katar steigen damit von Technologie-Konsumenten zu Schlüsselpartnern in der globalen KI-Entwicklung auf.

Geopolitisches Manöver mit klarem Fokus

Pax Silica nennt zwar kein Land explizit, doch das Ziel ist klar: Lieferketten unabhängig von China und anderen geopolitischen Rivalen aufzubauen. Ein zentrales Konzept ist die US-Politik der „18-Monats-Lücke“. Sie soll einen permanenten technologischen Vorsprung vor Wettbewerbern sichern.

Mitgliedschaft bedeutet privilegierten Zugang zu Spitzentechnologie wie modernsten Halbleitern, KI-Systemen der Grenzklasse und Hochpräzisions-Fertigungsanlagen. Für Außenstehende wird der Zugang durch striktere Exportkontrollen erschwert. Die Allianz-Mitgliedschaft wird so zum wirtschaftlichen und strategischen Wettbewerbsvorteil.

Europa am Scheideweg – Transatlantischer Riss?

Auffällig ist die Abwesenheit der Europäischen Union als Block. US-Beamte verweisen auf „substanzielle politische und philosophische Unterschiede“ bei der Regulierung von Spitzentechnologien, insbesondere KI. Während Brüssel mit dem umfassenden KI-Gesetz auf strenge Regulierung setzt, favorisiert Washington einen innovationsfreundlicheren Ansatz.

Dieser Ausschluss ist brisant, denn das EU-Mitglied Niederlande beherbergt ASML – den weltweit einzigen Hersteller der Hochpräzisions-Lithografiemaschinen für modernste Halbleiter. Obwohl niederländische und EU-Vertreter beim Start anwesend waren, unterzeichneten sie nicht. Die Frage, wie Innovation, Regulierung und Sicherheit in der KI auszubalancieren sind, spaltet den Westen.

Indien als nächster Schlüsselpartner

Die Expansion von Pax Silica geht weiter. Indien wurde offiziell zum Beitritt eingeladen und könnte die Erklärung bereits im Februar 2026 unterzeichnen. Das Land würde sich als wichtiger Partner und potenzielles Zentrum für alternative Fertigung positionieren.

Für die kommenden Monate planen die Mitgliedstaaten die Koordinierung von Joint Ventures und Flaggschiff-Projekten. Dazu gehören Vorschläge für ein 500-Milliarden-Euro-„Stargate“-Rechenzentrumsprogramm und neue Mineralraffineriekapazitäten außerhalb chinesischer Kontrolle. Die Allianz will auch Exportregeln für sensible Hardware und KI-Modelle der Grenzklasse angleichen, um Technologieabfluss zu verhindern.

Pax Silica entwickelt sich zu einem zentralen Pfeiler internationaler Technologiepolitik. Die Allianz wird die wirtschaftliche und geopolitische Landschaft des 21. Jahrhunderts maßgeblich prägen – mit oder ohne Europa.

Anzeige

PS: Lieferketten und Exportkontrollen entscheiden oft über den Zugang zu Hightech‑Komponenten wie Lithografiemaschinen. Ein praxisorientierter Leitfaden zur Dual‑Use‑Verordnung zeigt, wie Unternehmen prüfen, ob ihre Güter genehmigungspflichtig sind, welche Prüfmethoden anzuwenden sind und wie Sie Dokumentationen so aufsetzen, dass Sanktions‑ und Verzögerungsrisiken minimiert werden. Inklusive Checkliste und Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung. Jetzt Dual‑Use‑Check herunterladen

@ boerse-global.de