Passwort-Chaos, Nutzer

Passwort-Chaos: 84 Prozent der Nutzer gefährden ihre Sicherheit

16.01.2026 - 05:13:12

Eine neue Untersuchung offenbart, dass die Mehrheit der Nutzer durch wiederverwendete und schwache Passwörter massive Sicherheitslücken schafft. Experten und Behörden warnen eindringlich.

Eine alarmierende Mehrheit der Internetnutzer setzt sich und Unternehmen weiterhin enormen Cyberrisiken aus, weil sie grundlegende Sicherheitsregeln missachten. Eine neue Studie zeigt, dass weltweit verbreitete schlechte Gewohnheiten die Tür für Hackerangriffe weit offen halten.

84 Prozent aller Befragten verwenden nicht für jedes Konto ein einzigartiges Passwort. Das ist das erschreckende Hauptergebnis einer aktuellen Untersuchung von PasswordManager.com vom 13. Januar 2026. Die Studie unter 1.500 US-Erwachsenen offenbart eine gefährliche Lücke zwischen Sicherheitsbewusstsein und tatsächlichem Verhalten. Zwei Drittel (65 %) gestehen, vorhersehbare Muster wie Geburtsdaten oder Namen von Familienmitgliedern zu nutzen. Dennoch halten 63 Prozent ihre eigenen Passwörter für „nicht sehr riskant“ oder „überhaupt nicht riskant“.

Diese Selbstüberschätzung ist brandgefährlich. Kompromittierte Zugangsdaten sind laut Experten an fast der Hälfte aller Datenschutzverletzungen beteiligt. Erst diese Woche meldeten Einrichtungen wie das Jupiter Medical Center Sicherheitsvorfälle bei Drittanbietern – oft die Folge schwacher Credentials.

Leicht zu erraten: Die häufigsten Passwort-Sünden

Die Studie listet die beliebtesten, aber unsichersten Methoden auf: Einfache Zahlen- oder Buchstabenfolgen (26 %), Geburtsjahre (22 %) sowie Namen von Familie oder Haustieren (20 %). Für automatisierte Hacking-Tools sind solche Passwörter ein Kinderspiel.

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Das Hauptproblem ist jedoch die Wiederverwendung von Passwörtern. Viele Nutzer benutzen dieselbe Kombination für mehrere Dienste. Wird ein Konto geknackt, haben Angreifer oft freie Bahn für viele andere. Seit Anfang 2025 wurden weltweit über 16 Milliarden Passwörter gehackt. Trotzdem zögern Nutzer, sie zu ändern: 49 Prozent haben Angst, neue zu vergessen, 40 Prozent empfinden den Aufwand als zu lästig.

„Die Bedrohungslage entwickelt sich weiter, auch durch KI-gestützte Angriffe“, warnt ein IT-Sicherheitsexperte. „81 Prozent der unternehmensbezogenen Hacking-Angriffe gehen auf schwache oder wiederverwendete Passwörter zurück.“

Behörden warnen vor einfach auszunutzen Lücken

Die Gefahr ist den Sicherheitsbehörden wohlbekannt. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA veröffentlichte am 15. Januar gemeinsam mit internationalen Partnern eine dringende Handlungsanweisung. Sie fordert Betreiber kritischer Infrastruktur auf, den Zugang zu sichern und vor allem Standard-Passwörter sofort zu ändern.

Bereits am 13. Januar hatte die CISA eine neue, aktiv ausgenutzte Schwachstelle in ihren Katalog kritischer Lücken aufgenommen. Die Botschaft ist klar: Angreifer suchen permanent nach einfachen Sicherheitslücken. Der Missbrauch von Standardpasswörtern in netzwerkexponierten Systemen bleibt eine der größten Schwachstellen für den Erstzugriff auf Firmennetze.

Zwei-Faktor-Authentifizierung: Die oft ignorierte Rettung

Ein starkes Passwort ist nur der erste Schritt. Die entscheidende zweite Verteidigungslinie ist die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA). Sie kombiniert das Passwort mit einem weiteren Faktor, etwa einem Code aus einer App. Diese Methode blockiert den Großteil automatischer Angriffe.

Doch auch hier hapert es an der Umsetzung. Zwar sehen 67 Prozent der Amerikaner die Zwei-Faktor-Authentifizierung positiv, aber ihr Einsatz ist oft halbherzig. 43 Prozent aktivieren sie nur, wenn sie von einem Dienst vorgeschrieben wird. Ein gleich großer Anteil nutzt sie, sobald sie verfügbar ist. Viele Nutzer sichern ihre Konten also nicht proaktiv, obwohl die Werkzeuge vorhanden wären. In regulierten Branchen wie Finanzen oder Gesundheitswesen wird MFA zunehmend zur Pflicht.

Die Zukunft: Wird das Passwort überflüssig?

Die Schwächen des klassischen Passworts treiben die Tech-Branche in eine passwortlose Zukunft. Biometrie wie Gesichts- oder Fingerabdruck-Erkennung, Hardware-Sicherheitsschlüssel und sogenannte Passkeys gewinnen an Bedeutung. Diese Methoden sollen sicherer und benutzerfreundlicher sein.

Der vollständige Abschied vom Passwort wird jedoch Jahre dauern. Bis dahin bleibt die Devise: Ein einzigartiges, komplexes Passwort pro Konto, verwaltet durch einen Passwort-Manager, und überall MFA aktivieren. Die aktuellen Warnungen sind ein deutlicher Weckruf: Grundlegende digitale Hygiene ist in der heutigen Bedrohungslage keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

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