PALPABLE, EU-Projekt

PALPABLE: EU-Projekt will Chirurgen den Tastsinn zurückgeben

25.01.2026 - 23:04:12

Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt entwickelt weiche Roboterfingerspitzen, die Chirurgen bei minimal-invasiven Eingriffen haptisches Feedback liefern sollen. Die Innovation könnte die Präzision in Operationssälen weltweit revolutionieren.

Ein EU-finanziertes Forschungsprojekt entwickelt weiche Roboterfingerspitzen, die Chirurgen bei minimal-invasiven Eingriffen haptisches Feedback liefern sollen. Die Innovation könnte die Präzision in Operationssälen weltweit revolutionieren.

Brüssel. Der moderne Operationssaal ist hochtechnisiert, doch Chirurgen fehlt ein entscheidender Sinn: der Tastsinn. Das EU-Forschungsprojekt PALPABLE will das ändern. Es entwickelt robotische Fingerspitzen, die es Medizinern ermöglichen, während minimal-invasiver Eingriffe Gewebe zu „ertasten“. Das Ziel ist klar: bessere Patientenergebnisse durch präzisere Chirurgie.

Der Wechsel von großen Schnitten zu Schlüsselloch-Operationen war ein medizinischer Fortschritt. Patienten erholen sich schneller. Doch für Chirurgen hatte er einen hohen Preis. Sie verloren die Fähigkeit, Organe direkt zu ertasten – eine fundamentale diagnostische Methode, um etwa Tumore zu lokalisieren. PALPABLE will diese sensorische Lücke schließen.

Die Technik: Sehen, was man fühlt

Im Kern des Projekts steckt eine Sonde, die den menschlichen Tastsinn nachahmt. Drei Technologien kombiniert sie: optische Sensoren, Soft Robotics und Künstliche Intelligenz (KI). Die Roboterfingerspitze kann so sanft Organe abtasten und Daten über die Steifigkeit und Konsistenz des Gewebes sammeln.

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Eine KI-Algorithmus verarbeitet diese Daten in Echtzeit und erstellt daraus eine visuelle Karte der Gewebefestigkeit. Diese Karte sieht der Operateur auf einem Bildschirm. Sie übersetzt den Tastsinn in ein intuitives Bild. Chirurgen können so fundiertere Entscheidungen treffen und krankes von gesundem Gewebe besser unterscheiden. Ein großer Schritt gegenüber heutigen Robotersystemen, die fast ausschließlich auf visuelles Feedback setzen.

Ein drei Jahrzehnte altes Problem

Seit der Einführung der Schlüsselloch-Chirurgie vor über 30 Jahren ist der Verlust des Tastsinns ein bekanntes Problem. Roboterplattformen wie das da Vinci-System verbessern zwar die Geschicklichkeit und bieten eine 3D-Vergrößerung. Doch die fehlende Haptik bleibt eine Schwachstelle. Die genauen Grenzen eines Tumors oder die Lage einer Arterie zu ertasten, ist ohne Gefühl für die Gewebedichte schwieriger.

Das PALPABLE-System soll nahtlos in den Ablauf robotergestützter Operationen integriert werden. Besonders transformativ könnte es in der Krebschirurgie sein, wo die vollständige Entfernung des Tumors überlebenswichtig ist. „Die Branche geht davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der Operationen irgendwann robotergestützt sein wird“, sagt Professor Alberto Arezzo von der Universität Turin, der am Projekt beteiligt ist. Innovationen, die diese Technologie perfektionieren, seien daher entscheidend.

Wettlauf um das bessere Feedback

Die Entwicklung von Haptic-Feedback-Systemen ist ein zentrales Wettrennen im hart umkämpften Markt für chirurgische Robotik. Marktführer haben in neuesten Modellen bereits Kraftrückmeldungen eingeführt. Der Ansatz von PALPABLE, eine detaillierte Gewebe-Steifigkeitskarte zu erstellen, geht jedoch weiter. Die Nachbildung des nuancenreichen Ertastens könnte einen neuen Standard setzen.

Die Innovation verbessert nicht nur die chirurgischen Fähigkeiten. Sie löst auch ergonomische Probleme. Sie kann die Ermüdung der Chirurgen verringern und so die Leistung bei langen, komplexen Eingriffen stabil halten. Das ist ein Schlüssel für die weitere Verbreitung der Roboterchirurgie.

Der Weg in den OP

Das PALPABLE-Projekt läuft bis Ende 2026. Das nächste große Etappenziel steht bereits im März 2026 an: Dann soll der erste Prototyp der Roboterfingerspitze fertig sein und von Chirurgen getestet werden.

Danach folgen intensive Tests, Verfeinerungen und schließlich klinische Studien, um Sicherheit und Wirksamkeit zu belegen. Der Weg zur Marktreife führt zwingend durch die strengen Zulassungsverfahren der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Gelingt dies, könnten diese Fingerspitzen zum Standard in Operationsrobotern der nächsten Generation werden – und eine neue Ära der Präzisionschirurgie einläuten.

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