Ottobock revolutioniert Exoskelette mit menschlicher Biomechanik
06.01.2026 - 21:25:12Auf der Tech-Messe CES 2026 in Las Vegas zeigt das deutsche Unternehmen Ottobock eine neue Generation von Exoskeletten, die menschliche Bewegungen nahtlos vorausahnen. Die Neuentwicklung könnte Arbeitsunfälle in der Logistik drastisch reduzieren und stellt einen strategischen Wechsel von passiver zu aktiver Unterstützung dar.
Biomimetik: Wenn der Roboter denkt wie der Mensch
Der Kern der Innovation liegt in der biomimetischen Technik – das System imitiert den menschlichen Bewegungsapparat. Servomotoren und Echtzeit-Algorithmen arbeiten so präzise zusammen, dass das Exoskelett nicht mehr auf Bewegungen reagiert, sondern sie antizipiert. „Es wird zur natürlichen Verlängerung der Muskulatur, nicht zum störenden Werkzeug“, erklären Techniker am Stand im German Pavilion.
Dieser Ansatz löst ein Hauptproblem früherer Modelle: die mangelnde Akzeptanz. Indem der Träger nicht mehr „gegen“ das Gerät arbeiten muss, steigt die Bereitschaft, es im Arbeitsalltag einzusetzen. Besonders in Logistik und Produktion, wo Wendigkeit ebenso wichtig ist wie Kraft, könnte das den Durchbruch bedeuten.
IX BACK VOLTON: Der aktive Helfer für den Rücken
Im Mittelpunkt steht das IX BACK VOLTON, das Ende 2025 eingeführt wurde. Es markiert Ottobocks Übergang von passiven, federunterstützten Systemen zu aktiver, motorisierter Hilfe. Die Einheit wiegt inklusive Batterie nur etwa 5,7 Kilogramm, kann aber pro Hebebewegung bis zu 17 Kilogramm Last vom Rücken nehmen.
Rückenschmerzen und muskuloskelettale Erkrankungen verursachen hohe Ausfallzeiten – zugleich zeigen Studien, dass technische Hilfen die Belastung deutlich reduzieren. Wer Exoskelette oder andere Hebehilfen im Betrieb einführt, muss Gefährdungen dokumentieren und nachweisen, dass Maßnahmen wirken. Kostenloser Download mit praxisfertigen Gefährdungsbeurteilungs‑Vorlagen, Checklisten und einem Leitfaden für Arbeitsschutz‑Verantwortliche. Kostenlose GBU‑Vorlagen & Checklisten herunterladen
Die Intelligenz des Systems erkennt Arbeitsphasen wie Heben, Tragen oder Gehen und schaltet automatisch in den passenden Modus. Anders als rein mechanische Systeme passt es die Unterstützung präzise an das jeweilige Gewicht an – eine Schlüsselfunktion für Lagerarbeiter mit wechselnden Lasten.
Prävention statt Reparatur: Milliarden-Ersparnis möglich
Die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen sind enorm. Muskuloskelettale Erkrankungen sind in Europa und Nordamerika die häufigste Ursache für Arbeitsausfälle. In Deutschland verursachen krankheitsbedingte Ausfälle in der Logistik jährlich Produktionsverluste in Milliardenhöhe.
„Unser Ziel ist nicht, Menschen zu ersetzen, sondern ihre Gesundheit über eine lange Berufslaufbahn zu erhalten“, betont Martin Böhm, Chief Experience Officer bei Ottobock. Die Technik reduziert die Druckbelastung auf die Lendenwirbelsäule um bis zu 60 Prozent. Sie ist damit ebenso ein Präventionsinstrument wie ein Produktivitätswerkzeug.
Zudem liefern die KI-gestützten Datenanalysen des Systems anonymisierte Bewegungsmuster. Sicherheitsverantwortliche können so Risikobereiche identifizieren, in denen ungünstige Haltungen oder Überlastungen häufig vorkommen.
Marktreife: Vom Pilotprojekt zum Standard
Die Präsenz von SUITX by Ottobock auf der CES unterstreicht den erfolgreichen Integrationskurs. Der deutsche Orthopädie-Konzern hatte das US-Startup SUITX 2021 übernommen und verbindet seitdem eigene Expertise mit agiler Robotik-Entwicklung.
Der Exoskelett-Markt reift sichtbar: Aus Pilotprojekten werden flächendeckende Einsätze. Große Automobilhersteller und Logistiker wie Toyota North America und DB Schenker setzen die Lösungen bereits ein. Die aktiven „smarten“ Exoskelette werden zunehmend Teil des Industriellen Internet der Dinge.
Während andere CES-Neuheiten wie die Mobilitätshilfen von RoboCT auf Verbraucher abzielen, bleibt Ottobock dem Industriesektor treu. Doch die Technologien aus medizinischer Rehabilitation und industrieller Unterstützung nähern sich an – Sensoren und Aktuatoren werden universeller einsetzbar.
Ausblick: Der Exoskelett-Alltag rückt näher
Experten rechnen damit, dass die Kategorie der smarten Exoskelette 2026 rapide wachsen wird. Die heute gezeigte Technologie weist in eine Zukunft, in der tragbare Robotik so alltäglich sein könnte wie Sicherheitsschuhe.
Die nächste Gerätegeneration könnte noch enger mit Lagerverwaltungssystemen verzahnt sein – und Arbeiter per haptischem Feedback zu Paketen lotsen, während sie gleichzeitig ihren Rücken schützt. Mit besserer Batteriedichte und effizienteren Motoren dürften aktive Systeme passive Modelle bei Schwerstarbeit ablösen. Ottobock setzt auf der CES 2026 einen neuen Maßstab: Der effektivste Roboter ist der, der sich bewegt wie ein Mensch.
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