Otto Group setzt mit NVIDIA auf KI-gesteuerte Roboter-Koordination
10.01.2026 - 09:44:12Die Otto Group startet eine strategische Partnerschaft mit NVIDIA, um ihre Logistikzentren mit einer KI-gesteuerten Steuerungsebene für Roboter zu modernisieren. Das Projekt soll die Effizienz in 120 Standorten revolutionieren.
Hamburg/New York – Der deutsche Versandhandelsriese Otto Group geht eine strategische Allianz mit dem KI-Chip-Spezialisten NVIDIA ein. Ziel ist der Aufbau einer umfassenden, KI-gesteuerten „Robotic Coordination Layer“ für das gesamte Logistiknetzwerk. Die Partnerschaft, die am Freitag, den 9. Januar, bekannt gegeben wurde, markiert einen bedeutenden Schritt in der Digitalisierung der europäischen Logistik. Mit einem Investitionsvolumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich will das Unternehmen seine Lieferkette fit für die Zukunft machen.
Digitale Zwillinge als Schlüssel zur reibungslosen Koordination
Herzstück der Zusammenarbeit ist eine Steuerungsebene, die auf den NVIDIA-Technologien Omniverse und Isaac Sim basiert. Sie soll eines der größten Probleme moderner Logistikzentren lösen: die reibungslose Zusammenarbeit verschiedener Roboter-Systeme unterschiedlicher Hersteller.
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Die Lösung nutzt physikalisch genaue Simulationen, um Roboter zunächst in einer virtuellen Umgebung zu trainieren und zu testen. Dieser „Digitale Zwilling“ des Lagers erlaubt es, Abläufe zu optimieren, Engpässe zu identifizieren und sicherzustellen, dass autonome Transportfahrzeuge, Sortiersysteme und Roboterarme harmonisch zusammenarbeiten. Für große Logistiker, die auf einen Mix solcher Systeme angewiesen sind, ist diese Interoperabilität entscheidend.
Die benötigte Rechenleistung liefert die KI-Infrastruktur von NVIDIA. Die Lösung ist als fertiges Angebot über den Google Cloud Marketplace verfügbar, was den multi-vendoren Ansatz des Projekts unterstreicht.
Pilot in Löhne soll Blaupause für Europa werden
Die Umsetzung beginnt im Hermes-Fulfillment-Zentrum im nordrhein-westfälischen Löhne. Dieser Standort dient als Pilot und Blaupause für die spätere Netzwerk-Rollout. Für die Erstellung des digitalen Zwillings des Lagers zeichnet der IT-Dienstleister Reply verantwortlich.
Das virtuelle Modell bildet das physische Lager millimetergenau ab. So können Layouts und Roboterbewegungen optimiert werden, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Nach der Pilotphase wird die Weiterentwicklung der Lösung durch „Otto Group One.O“, eine interne Spezialeinheit, gesteuert. Die erste Implementierungsphase ist auf sechs bis neun Monate angesetzt.
Strategischer Fokus auf „Physical AI“
Die Partnerschaft unterstreicht das Engagement der Otto Group für „Physical AI“ – die Anwendung von Künstlicher Intelligenz auf physische Maschinen und Systeme. NVIDIA-Vizepräsidentin Azita Martin betont, dass diese Technologie Lager von statischen Einrichtungen in dynamische, anpassungsfähige Systeme verwandelt.
Für die Otto Group ist dies der nächste logische Schritt in ihrer Automatisierungsstrategie. Bereits im Mai 2023 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem KI-Roboter-Unternehmen Covariant ein, um Roboter für Kommissionieraufgaben einzusetzen. Die neue NVIDIA-Kooperation zielt nun auf die übergeordnete Orchestrierung und Steuerung dieser Roboterflotten ab.
Vorstandsmitglied Kay Schiebur treibt das Projekt voran. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre hätten den eingeschlagenen Kurs in Robotik und KI bestätigt. Die neue Koordinationsebene werde die intelligenten Automatisierungsfähigkeiten auf das nächste Level heben, so Schiebur.
Wettbewerbsvorteil durch Unabhängigkeit und Agilität
Die Logistikbranche befindet sich im rasanten Wandel. „Smart Warehousing“ wird vom Luxus zur Wettbewerbsnotwendigkeit. Mit der eigenen Steuerungsebene macht sich die Otto Group unabhängiger von einzelnen Hardware-Herstellern und agiler in der Technologie-Einführung.
Marktbeobachter sehen im Pilotprojekt von Löhne einen potenziellen neuen Standard für die europäische Retail-Logistik. Die Möglichkeit, Investitionen vorab im digitalen Zwilling zu testen, könnte das Kapitalrisiko großer Automatisierungsprojekte erheblich senken.
Gelingt die Skalierung, könnte die „Robotic Coordination Layer“ bis Ende 2026 oder Anfang 2027 Roboterflotten in mehreren deutschen Standorten steuern. Dies würde die Betriebswirtschaftlichkeit eines der größten Online-Händler Europas neu definieren.
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