Ordensspitäler Oberösterreich: Streik nach gescheiterten Gehaltsverhandlungen
15.01.2026 - 17:01:11Das nichtärztliche Personal in Oberösterreichs Ordensspitälern tritt am 22. Januar in den Streik. Eine überwältigende Mehrheit von 93,3 Prozent der Beschäftigten lehnte das letzte Angebot der Arbeitgeber ab und stimmte für massive Arbeitskampfmaßnahmen. Die Fronten zwischen der Gewerkschaft vida und den Spitalsbetreibern sind nach der vierten gescheiterten Verhandlungsrunde verhärtet.
Kernforderungen: Mehr Geld und kürzere Arbeitszeit
Im Zentrum des Konflikts stehen zwei Forderungen der Gewerkschaft:
* Eine Gehaltserhöhung, die mindestens die Inflation ausgleicht.
* Die schrittweise Einführung einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
Die Arbeitgeber legten zuletzt ein Angebot über 3,3 Prozent mehr Lohn ab Juli 2026 vor. Die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung lehnen sie kategorisch ab. Sie verweisen auf untragbare Mehrkosten von rund 80 Millionen Euro und einen benötigten Personalzuwachs von etwa 900 Vollzeitstellen – eine unrealistische Forderung angesichts des Fachkräftemangels.
35-Stunden-Woche als zentraler Knackpunkt
Die geforderte Arbeitszeitreduktion ist der größte Streitpunkt. Die Gewerkschaft vida argumentiert, die Belastung sei massiv gestiegen, die letzte Verkürzung auf 40 Stunden liege bereits ein halbes Jahrhundert zurück. Ihr Stufenplan sehe eine Umsetzung über fünf Jahre vor, was Zeit für den Personalaufbau biete.
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Die Spitalsbetreiber halten dagegen: Eine Umsetzung würde zu weiterer Arbeitsverdichtung und längeren Wartezeiten für Patienten führen. Sie sehen in der Forderung ein unlösbares Personalproblem.
Eskalation nach Ultimatum und Protest
Der Streikbeschluss folgte auf eine Reihe eskalierender Schritte:
* Anfang Dezember stellten Tausende Beschäftigte ein 40-tägiges Ultimatum.
* Nach dessen Ablauf demonstrierten rund 200 Personen vor dem Linzer Landhaus.
* Die vida beantragte nun offiziell die Streikfreigabe beim Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB).
Symptom für ein System unter Druck
Der Konflikt spiegelt die tiefgreifenden Belastungen im gesamten Gesundheitswesen wider. Die acht betroffenen Ordensspitäler versorgen mehr als die Hälfte aller stationären und ambulanten Patienten in Oberösterreich. Studien der Arbeiterkammer belegen seit Jahren eine Überlastung von über 70 Prozent des Personals. Die Pandemie verschärfte die Situation zusätzlich.
Was bedeutet der Streik für Patienten?
Für den 22. Januar ist ein ganztägiger Streik in allen acht Häusern geplant. Die Gewerkschaft hat Gespräche über ein “geordnetes Herunterfahren des Betriebes” angeboten. Ziel ist, die Notfallversorgung aufrechtzuerhalten, während nicht dringende Behandlungen und Operationen voraussichtlich verschoben werden müssen.
Ob die Arbeitgeber ihr Angebot nachbessern, bleibt unklar. Die kommenden Tage entscheiden, ob Oberösterreich die weitreichendste Arbeitsniederlegung im Spitalssektor seit Jahren erlebt.


