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OpenHW Foundation startet europäische RISC-V-Datenbank

26.01.2026 - 20:03:12

Die neue Unified RISC-V IP Access Platform bündelt verifizierte Chip-Komponenten, um Europas digitale Souveränität zu stärken und die Abhängigkeit von proprietärer Technologie zu reduzieren.

Die OpenHW Foundation hat eine zentrale Plattform für RISC-V-Chipdesigns gestartet. Sie soll Europas Abhängigkeit von proprietärer Halbleitertechnologie verringern und die digitale Souveränität stärken.

Die Unified RISC-V IP Access Platform (UAP) ist das erste industriefertige Repository für RISC-V-Komponenten in Europa. Als Teil des TRISTAN-Projekts konsolidiert sie Hardware- und Software-Intellectual Property (IP) auf Basis der quelloffenen RISC-V-Architektur an einem einzigen, verifizierten Ort. Das Ziel: Die Eintrittsbarrieren für europäische Tech-Unternehmen senken und Innovation beschleunigen.

Damit setzt die Initiative die Ziele des European Chips Act von 2023 konkret um. Dieses Gesetzeswerk strebt an, den EU-Marktanteil bei Halbleitern bis 2030 von etwa 10 auf 20 Prozent zu verdoppeln – in einem globalen Markt, der über 700 Milliarden Euro umfasst.

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Ein Hub für Start-ups und Forschung

Die Plattform adressiert ein Kernproblem für europäische Start-ups, KMU und Forschungseinrichtungen: den bislang fragmentierten und oft kostspieligen Zugang zu hochwertiger Prozessor-IP. Die UAP bündelt nun eine breite Palette von RISC-V-Bausteinen – von Prozessorkernen bis zu Peripherie-Controllern.

„Erstmals haben Entwickler eine umfassende Sammlung verifizierter europäischer RISC-V-Artefakte zur Hand“, erklärt Florian Wohlrab, Leiter der OpenHW Foundation. Für jede Komponente sind Reifegrad, Nutzungsbedingungen, Lizenzmodelle und Integrations-Workflows transparent einsehbar. Diese Klarheit soll das Entwicklungsrisiko minimieren und die Time-to-Market für neue Produkte deutlich verkürzen.

Offene Standards für strategische Autonomie

Die strategische Entscheidung für RISC-V ist zentral für Europas Weg zur Technologiesouveränität. Im Gegensatz zu proprietären Architekturen, die teure Lizenzen erfordern, ist RISC-V ein offener, lizenzkostenfreier Standard. Jede Organisation – vom Uni-Labor bis zum Konzern – kann damit eigene Prozessoren entwickeln, ohne sich in restriktive Lizenzverträge zu begeben.

„Diese Offenheit ist essenziell für eine widerstandsfähigere und wettbewerbsfähigere Halbleiter-Lieferkette“, so Wohlrab. Vor dem Hintergrund globaler Lieferketten-Instabilitäten gewinnt dieses Ziel zusätzliche Dringlichkeit. Die EU setzt darauf, mit einem heimischen Ökosystem rund um einen offenen Standard die Autonomie in Schlüsseltechnologien zu sichern.

Aufbau auf europäischer Spitzenforschung

Der Start der UAP ist kein isoliertes Ereignis, sondern kulminiert aus Jahren strategischer Investitionen. Die Plattform baut auf EU-geförderten Programmen wie der European Processor Initiative (EPI) und EuroHPC auf, die eine weltklassefähige, eigene Prozessor-Landschaft etablieren sollen.

Großprojekte wie DARE unterstreichen das langfristige Engagement. Die Kooperation von 38 Partnern, koordiniert vom Barcelona Supercomputing Center, entwickelt RISC-V-basierte Prozessoren für Exascale-Supercomputer. Die UAP wird als zentrales Repository für die IP aus diesen und anderen Forschungsvorhaben dienen und so sicherstellen, dass Fortschritte im EU-Ökosystem geteilt und kommerzialisiert werden.

Impuls für den europäischen Technologiestandort

Die Plattform dürfte die europäische Technologielandschaft nachhaltig verändern. Indem sie den Zugang zu verifizierter IP vereinfacht, senkt sie die finanziellen und technischen Hürden für den Markteintritt im Chipdesign erheblich. Analysten erwarten einen Schub für Halbleiter-Start-ups und eine schnellere Innovationsgeschwindigkeit etablierter Unternehmen.

Der Fokus auf „industriefertige“ Komponenten signalisiert einen wichtigen Wandel: von der rein akademischen Forschung hin zu marktfähigen Lösungen. Dieser pragmatische Ansatz ist entscheidend für die Ziele des Chips Act. Die kollaborative Struktur der OpenHW Foundation, die Industrie und Forschung verbindet, soll sicherstellen, dass die UAP stets an Marktbedürfnisse und technologische Fortschritte angepasst bleibt.

Roadmap bis 2030

Mit dem Start der Plattform liegt der Fokus nun darauf, das Portfolio mit IP führender europäischer Partner zu füllen und einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Langfristig soll die UAP zu einer dynamischen, community-getriebenen Ressource werden, die nicht nur IP hostet, sondern auch die Zusammenarbeit ihrer Nutzer fördert.

Der Erfolg der Plattform wird ein zentraler Indikator für Europas Fortschritte auf dem Weg zu den digitalen Souveränitätszielen 2030 sein. Sie bietet das fundamentale Werkzeug, um die nächste Prozessorgeneration für Schlüsselbereiche wie Automotive, industrielles IoT, KI und Hochleistungsrechnen zu entwickeln. Europa baut damit nicht nur Chips – es errichtet das technologische Fundament für seine künftige wirtschaftliche Sicherheit und strategische Unabhängigkeit.

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@ boerse-global.de