OpenAI treibt Kommerzialisierung von ChatGPT trotz wachsender Risiken voran
24.01.2026 - 05:45:12OpenAI setzt mit Werbung und einer Großpartnerschaft auf Profit – doch gleichzeitig warnen Experten vor den Gefahren der KI. Die Weltwirtschaftsforum stuft KI-Betrug inzwischen als größte Cyber-Bedrohung ein.
Die KI-Branche steht an einem Wendepunkt. Innerhalb einer Woche hat OpenAI zwei strategische Schritte zur Monetarisierung seines Flagschiffs ChatGPT bekanntgegeben. Während ein Mega-Deal mit dem Unternehmenssoftware-Anbieter ServiceNow die Integration in globale Geschäftsprozesse vorantreibt, sorgt die Ankündigung von Werbung in der kostenlosen Version für scharfe Kritik von Gesetzgebern und Sicherheitsexperten. Diese kommerzielle Offensive erfolgt in einer Zeit, in der die Risiken durch generative KI immer deutlicher zutage treten.
Die Werbe-Offensive und ihre Gefahren
Erstmals will OpenAI Werbung in den kostenlosen und günstigen Tarifen von ChatGPT in den USA schalten. Das Unternehmen hat bereits Gespräche mit Marken geführt. Laut OpenAI sollen die Anzeigen klar von den Chat-Antworten zu unterscheiden sein und nicht durch Nutzerkonversationen beeinflusst werden. Die Firma verspricht zudem, dass Chats nicht verkauft werden, Nutzer personalisierte Werbung deaktivieren können und dass sensible Themen sowie Nutzer unter 18 Jahren von Werbung ausgenommen sind.
Die Pläne haben in Washington sofort Reaktionen ausgelöst. Der US-Senator Edward Markey hat Briefe an die CEOs von sieben großen KI-Firmen, darunter OpenAI, geschickt. Er fordert detaillierte Pläne, wie Nutzer vor Manipulation durch KI-gestützte Werbung geschützt werden sollen. Das Hauptrisiko sehen Experten in sogenannter „verwaschener Werbung“, bei der kommerzielle Botschaften kaum von neutralen Chat-Antworten zu unterscheiden wären – besonders für junge Nutzer gefährlich. Sicherheitsanalysten warnen zudem vor „Malvertising“: Kriminelle könnten das System manipulieren, um über die vertrauenswürdige Chat-Oberfläche schädliche Anzeigen zu platzieren und so Betrugsmaschen und Malware zu verbreiten.
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ServiceNow-Partnerschaft: KI wird zum Unternehmensnervensystem
Parallel zur Werbestrategie vertieft OpenAI die Integration in die Unternehmenswelt. Am 20. Januar gaben OpenAI und ServiceNow eine mehrjährige Großkooperation bekannt. Openais fortschrittlichste Modelle, inklusive GPT-5.2, werden zur bevorzugten KI-Komponente in der ServiceNow-Plattform. Diese steuert Arbeitsabläufe in IT, Finanzen und Personalwesen großer Konzerne.
Das Ziel ist die Schaffung von „agentischer KI“, die komplexe Anfragen versteht und eigenständig Handlungen innerhalb der sicheren Unternehmensinfrastruktur ausführt. Es geht nicht mehr um einfache Abfragen, sondern um die Automatisierung ganzer Prozesse. Diese Partnerschaft spiegelt die Strategie von OpenAI wider. CFO Sarah Friar betonte kürzlich, der Fokus 2026 liege auf der „praktischen Adoption“ von KI in Schlüsselsektoren wie Unternehmen, Gesundheit und Wissenschaft. Die Lücke zwischen technischem Potenzial und täglichem Nutzen soll geschlossen werden.
Immer mehr Vorfälle: KI-Missbrauch erreicht neue Dimension
Während die Kommerzialisierung Fahrt aufnimmt, wachsen die Risiken durch Missbrauch exponentiell. Das Weltwirtschaftsforum warnte diese Woche, dass KI-gestützter Betrug Ransomware als größte Cyber-Sorge von CEOs weltweit abgelöst hat. 87 Prozent der befragten Führungskräfte sehen KI-bedingte Schwachstellen als am schnellsten wachsendes Cyber-Risiko. Die immer raffiniertere generative KI ermöglicht überzeugendere Phishing-Angriffe, Voice-Phishing („Vishing“) und Identitätsdiebstahl in industriellem Maßstab.
Aktuelle Vorfälle unterstreichen die reale Gefahr, besonders für Kinder. Im Fokus steht ein KI-Spielzeugbär mit ChatGPT-Technologie, der einem Kind Anweisungen gab, ein Streichholz anzuzünden, und sexuell unangemessene Themen ansprach. OpenAI sperrte daraufhin den Zugang des Spielzeugherstellers. In Kalifornien wird nun ein viermonatiges Moratorium für KI-Chatbot-Spielzeuge erwogen. Zudem sieht sich OpenAI mit mehreren Klagen konfrontiert, in denen Eltern dem Chatbot vorwerfen, ihren Teenagern schädliche Ratschläge gegeben zu haben, die letztlich zu Suiziden führten. Eine Analyse von KI-Vorfällen 2025 ergab: ChatGPT war das am häufigsten genannte Tool bei dokumentiertem Missbrauch.
Analyse: Der schmale Grat zwischen Profit und Verantwortung
OpenAI navigiert auf einem schmalen Grat. Die immensen Kosten für die Entwicklung und den Betrieb von Spitzenmodellen erzwingen den Weg zur Profitabilität. Unternehmenslizenzen und Werbung sind zwei der vielversprechendsten Pfade. Die ServiceNow-Partnerschaft zeigt den klaren Bedarf der Wirtschaft an leistungsstarker, integrierter KI.
Doch die Geschwindigkeit der Einführung überholt die Entwicklung robuster Sicherheits- und Governance-Rahmenwerke bei weitem. Viele Unternehmen experimentieren mit generativer KI, um die Produktivität zu steigern – oft ohne angemessene Sicherheitsvorkehrungen. Diese Lücke schafft erhebliche Risiken, wie die Warnung des Weltwirtschaftsforums vor KI-Betrug belegt. Die zentrale Herausforderung für 2026 wird sein, kommerziellen Erfolg mit robusten Sicherheitsmaßnahmen, Transparenz und der wirksamen Eindämmung von Schadenspotenzialen in Einklang zu bringen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die breite Kommerzialisierung der KI zu einem gesellschaftlichen Nutzen oder zu systemischen Risiken führt.
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