OpenAI muss 20 Millionen ChatGPT-Logs an Medien herausgeben
07.01.2026 - 16:52:12Ein US-Bundesrichter hat OpenAI zur Herausgabe von 20 Millionen anonymisierten ChatGPT-Konversationen an Medien und Autoren verpflichtet. Das wegweisende Urteil könnte den juristischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz grundlegend verändern.
Rückschlag für OpenAIs Datenschutz-Argumentation
Die Anordnung vom Montag durch Richter Sidney H. Stein markiert eine schwere Niederlage für das KI-Unternehmen. OpenAI hatte die Herausgabe mit Verweis auf den Nutzerdatenschutz vehement abgelehnt. Das Urteil fiel im Rahmen der Sammelklage In re OpenAI, Inc. Copyright Infringement Litigation, in der unter anderem die New York Times und die Authors Guild klagen.
Die Kläger beschuldigen OpenAI, urheberrechtlich geschütztes Material unrechtmäßig zum Training seiner Sprachmodelle genutzt zu haben. Richter Stein wies OpenAIs Berufung gegen eine frühere Anordnung zurück. Das Unternehmen argumentierte, die Übergabe von etwa 0,5 Prozent seiner gespeicherten Daten stelle ein unverhältnismäßiges Datenschutzrisiko dar.
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Der Richter ließ diese Argumentation nicht gelten. Im Gegensatz zu abgehörten Telefongesprächen würden ChatGPT-Nutzer ihre Anfragen freiwillig an die Plattform senden, so Stein. Die Eigentumsrechte an diesen Logs seien unbestritten.
Einblick in die “Black Box” der KI
Der Streit begann bereits im Juli 2025, als die Kläger ursprünglich Zugang zu 120 Millionen Konversationsprotokollen forderten. Ihre Anwälte argumentierten, dass nur Rohdaten beweisen könnten, ob ChatGPT urheberrechtlich geschütztes Material tatsächlich “ausspuckt” – und nicht nur in konstruierten Testszenarien.
Nach monatelangen Verhandlungen hatte OpenAI schließlich zugestimmt, eine Stichprobe von 20 Millionen Logs herauszugeben. Später versuchte das Unternehmen jedoch, diese Übergabe einzuschränken. OpenAI schlug vor, stattdessen nur nach bestimmten urheberrechtlich geschützten Begriffen zu suchen.
Richter Stein wies auch dieses Argument zurück. Die Relevanz der Beweise für die Urheberrechtsklagen wiege schwerer als die Datenschutzrisiken, urteilte er. Diese Risiken ließen sich durch strikte Anonymisierung und Schutzanordnungen minimieren.
Paradigmenwechsel für die KI-Branche
Rechtsexperten sehen in dem Urteil einen Wendepunkt für die sogenannte “Discovery Economics” der KI-Branche. Bislang pflegten KI-Unternehmen einen “Black-Box”-Ansatz für ihre Trainingsdaten und Modellausgaben. Diese Barriere gegen externe Prüfungen ist nun durchbrochen.
“Die juristische Festung um große Sprachmodelle wurde erstürmt”, kommentieren Branchenbeobachter. Das Gericht signalisiert deutlich: KI-Unternehmen können den Nutzerdatenschutz nicht als pauschalen Schutzschild gegen Urheberrechtsermittlungen nutzen.
Die Entscheidung verlagert die Beweislast und könnte Entwickler zu detaillierten Analysen zwingen. Die Spannung zwischen KI-Nutzung und Datenhaftung wächst. Wenn die Logs zeigen, dass das Modell häufig urheberrechtlich geschützte Texte ohne Quellenangabe ausgibt, könnte dies die Fair-Use-Argumentation der Kläger erheblich stärken.
Nächste Runde: Gelöschte Daten im Fokus
Während OpenAI sich auf die Herausgabe der 20 Millionen Logs vorbereitet, weitet sich der Rechtsstreit bereits aus. Medienberichten zufolge fordern die Kläger nun Zugang zu gelöschten Konversationsprotokollen. Sie argumentieren, OpenAIs routinemäßiges Datenlöschen könnte Beweise für Urheberrechtsverletzungen vernichtet haben.
Diese neue Forderung wirft komplexe technische Fragen zur Datenwiederherstellung in Cloud-Systemen auf. Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, würde dies OpenAI vor noch größere technische und rechtliche Herausforderungen stellen.
Die Analyse der 20 Millionen Logs wird voraussichtlich unter strengen Schutzvorkehrungen erfolgen. Ihre Ergebnisse werden den weiteren Verlauf des Verfahrens bestimmen – möglicherweise hin zu einem Vergleich oder einer Grundsatzentscheidung über die Legalität von KI-Trainingspraktiken. Die Tech-Branche beobachtet den Fall genau, denn die hier gesetzten Standards werden die Entwicklungsgrenzen für Künstliche Intelligenz auf Jahre hinaus definieren.
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