Agrarminister, Fleisch

Österreichs Agrarminister fordert Fleisch als Grundnahrungsmittel

21.01.2026 - 04:46:12

Landwirtschaftsminister Totschnig will Fleisch steuerlich begünstigen, um Bauern zu unterstützen. Die Pläne lösen Konflikte zwischen Landwirtschaft, Klimazielen und Verbraucherinteressen aus.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig will Fleisch zum Grundnahrungsmittel erklären. Mit dem Vorstoß reagiert er auf den Druck durch internationale Handelsabkommen, hohe Produktionskosten und strenge EU-Vorgaben. Ziel ist es, die heimischen Bauern zu stärken und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Debatte entzündet sich genau jetzt, weil die Regierung die Mehrwertsteuer auf bestimmte Grundnahrungsmittel halbieren will. Die Frage ist: Soll Fleisch in diesen begünstigten Warenkorb aufgenommen werden? Für die Landwirtschaft wäre das ein starkes Signal – für Kritiker ein Schritt in die falsche Richtung.

Warum die Bauern unter Druck stehen

Die Forderung ist eine direkte Antwort auf massive Belastungen:
* Steigende Kosten für Energie und Betriebsmittel bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen.
* Internationaler Wettbewerb durch Abkommen wie Mercosur, die Importe aus Ländern mit niedrigeren Umweltstandards erleichtern.
* Hoher bürokratischer Aufwand durch EU-Vorschriften.

Totschnig betont die Notwendigkeit fairer Wettbewerbsbedingungen. Er fordert eine transparente, EU-weite Herkunftskennzeichnung, damit Verbraucher bewusst österreichische Qualität wählen können.

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Vertreter der Landwirtschaftskammer argumentieren, eine starke heimische Tierhaltung sei systemrelevant. Die EU ist mit einem Selbstversorgungsgrad von 112 Prozent ein wichtiger Fleischexporteur. Zwei weitere Argumente sind:
1. Die Erhaltung der Kulturlandschaft, da fast die Hälfte der Nutzfläche Wiesen und Weiden sind, die ohne Beweidung verwalden würden.
2. Die Sicherung der Lebensmittelproduktion in Krisenzeiten.

Der steuerliche Hebel: Die Mehrwertsteuer-Debatte

Die Diskussion trifft den Nerv der Zeit. Die Regierung plant, die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von 10 auf knapp 5 Prozent zu senken. Ob Fleisch dazu zählt, wird noch verhandelt.

Eine steuerliche Begünstigung könnte die heimische Produktion gegenüber Importen wettbewerbsfähiger machen. Wirtschaftsvertreter sehen darin eine Chance, die Kaufkraft zu stärfen. Sie warnen aber vor einem „Gießkannenprinzip“. Die Bundeswettbewerbsbehörde soll sicherstellen, dass die Entlastung tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt.

Die Gegenfinanzierung der geschätzten 400 Millionen Euro Steuerausfall soll durch eine Abgabe auf nicht recycelbares Plastik und eine Gebühr für Pakete aus Drittstaaten erfolgen.

Kritik: Falsches Signal für Klima und Gesundheit

Umwelt- und Verbraucherschützer laufen Sturm gegen die Pläne. Ihre Hauptargumente:
* Klimabelastung: Die Fleischproduktion ist laut WWF für 43 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen in Österreich verantwortlich.
* Flächenverbrauch: Global beansprucht die Tierhaltung 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche und treibt die Abholzung von Regenwäldern für Futtermittel wie Soja voran.
* Gesundheit: Der durchschnittliche Konsum von 60-65 kg Fleisch pro Kopf und Jahr liegt deutlich über den empfohlenen maximal drei Portionen pro Woche.

Aus ihrer Sicht subventioniert eine Steuerbegünstigung einen nicht nachhaltigen Konsum. Sie fordern stattdessen politische Maßnahmen, die pflanzliche Alternativen fördern und den Fleischkonsum reduzieren.

Ein europäischer Konflikt mit Weichenstellung

Die Debatte ist Teil der größeren Auseinandersetzung um die Zukunft der EU-Agrarpolitik (GAP). Minister Totschnig fordert für die Finanzperiode 2028-2034 stabile Budgets und lehnt „revolutionäre Umbrüche“ ab. Die Sicherung der Direktzahlungen an Bauern, die im Dezember 2025 bei 1,34 Milliarden Euro lagen, bleibt für ihn zentral.

Die Entscheidung über den Mehrwertsteuer-Warenkorb wird zum Lackmustest. Sie zeigt, welchen Kurs Österreich in der Spannung zwischen bäuerlichen Interessen, Klimazielen und Verbraucherpreisen einschlagen wird.

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