Österreich startet umfassende Energiemarktreform
04.01.2026 - 16:30:12Ab heute gilt in Österreich eine neue Preisgarantie für Stromkunden. Die Regierung setzt damit die erste Phase einer der größten Energiemarktreformen der letzten Jahrzehnte um.
Nach einem politischen Tauwetter kurz vor Weihnachten verabschiedete der Nationalrat das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) mit der nötigen Zweidrittelmehrheit. Das Gesetz löst das veraltete ElWOG von 2010 ab und soll den Markt für die Ära der Erneuerbaren fit machen. Möglich wurde der Beschluss erst durch Zugeständnisse an die Grünen.
Die regierende Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS war auf Stimmen aus der Opposition angewiesen. Die Grünen gaben nach einem Verhandlungsmarathon im Dezember schließlich grünes Licht – aber nur gegen Anpassungen bei den Regeln für private Photovoltaik.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) nennt den Beschluss einen „Meilenstein für den Wirtschaftsstandort“. Sein Ministerium argumentiert, der alte Rechtsrahmen habe die dezentrale Stromproduktion durch hunderttausende PV-Anlagen nicht mehr abbilden können.
So funktioniert die „Preis-Runter-Garantie“
Das Kernstück der Reform ist die ab sofort geltende Garantie. Sie verpflichtet Energieversorger gesetzlich, sinkende Großhandelspreise an den Strombörsen zeitnah an die Kunden weiterzugeben.
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Der Mechanismus ist klar: Sinken die Beschaffungskosten der Versorger, müssen diese Vorteile innerhalb von sechs Monaten in den Haushaltstarifen ankommen. Die Regulierungsbehörde E-Control erhält schärfere Aufsichtsrechte, um das zu überwachen. Ziel ist es, den sogenannten „Raketen-und-Federn-Effekt“ zu stoppen – also schnelle Preiserhöhungen, aber nur langsames Absinken.
Verbraucherschützer begrüßen den Schritt, mahnen aber zu Geduld. Da viele Anbieter langfristig einkaufen, könnten die Effekte erst mit Verzögerung spürbar werden.
Sozialtarif für 290.000 Haushalte ab April
Ein weiterer Pfeiler des Pakets ist der neue Sozialtarif, der auch von Teilen der FPÖ mitgetragen wurde. Er wird voraussichtlich ab April 2026 wirksam.
Anspruch haben rund 290.000 Haushalte, die auch von der ORF-Gebühr befreit sind. Für sie wird der Strompreis für ein Grundkontingent von 2.900 Kilowattstunden pro Jahr auf maximal sechs Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Die geschätzten Kosten von 60 Millionen Euro pro Jahr trägt die Energiewirtschaft.
Kompromiss bei Photovoltaik-Regeln
Der umstrittenste Verhandlungspunkt betraf private Stromerzeuger. Die ursprünglichen Pläne für strengere Netzentgelte wurden entschärft.
- Befreiung für Kleinanlagen: Der neue Versorgungs-Infrastruktur-Beitrag (VIB) entfällt für PV-Anlagen bis 20 Kilowatt Leistung. Das war eine Kernforderung der Grünen.
- Spitzenkappung für Netzsicherheit: Netzbetreiber dürfen bei neuen Anlagen die Einspeiseleistung künftig auf 70 Prozent der Modulleistung begrenzen. Für den Eigenverbrauch hat das keine Folgen.
Ein Systemwechsel mit Verspätung
Die Reform beendet eine jahrelange Hängepartie. Das alte Gesetz stammte aus einer Zeit zentraler Großkraftwerke. Heute speisen Hunderttausende dezentral ein.
Wirtschaftsanalysten sehen einen notwendigen Modernisierungsschub. Ab Oktober 2026 sollen neue Regeln für Energiegemeinschaften kommen. Dann können Nachbarn einfacher Strom untereinander handeln.
Was 2026 noch kommt
Die Umsetzung erfolgt schrittweise. Nach der jetzt startenden Preisaufsicht und dem Sozialtarif im April folgt im Herbst die größte technische Neuerung: Ab Oktober 2026 werden die Regeln für Peer-to-Peer-Stromhandel zwischen Privatpersonen operativ.
Für die Netzbetreiber beginnt nun die Arbeit an der technischen Umsetzung der neuen Tarifstrukturen. Für die Kunden bleibt die Frage: Wird die Stromrechnung am Ende des Jahres wirklich spürbar niedriger?
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