Handelsabkommen, Indien

Österreich setzt auf neue Handelsabkommen mit Indien und Mercosur

30.01.2026 - 07:34:12

Österreich setzt mit neuen EU-Handelsabkommen auf Indien und Mercosur, um Exporte zu stärken. Während der Indien-Deal auf breite Zustimmung stößt, ist das Mercosur-Abkommen umstritten.

Österreich treibt strategische Partnerschaften außerhalb Europas voran. Diese Woche stehen zwei große Abkommen im Fokus: Das neue EU-Freihandelsabkommen mit Indien und das umstrittene Mercosur-Abkommen mit Südamerika. Die Bundesregierung will so die Exportwirtschaft stärken und neue Märkte erschließen.

Industriestrategie 2035: Der Weg führt nach Übersee

Die neue „Industriestrategie 2035“ der Regierung macht den Abschluss von Freihandelsabkommen zum zentralen Ziel. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte diese Woche die Notwendigkeit, neue Märkte zu erschließen – und nannte neben Indien auch die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) unterstützt diesen Kurs. Die Zahlen geben ihnen recht: Der Anteil der österreichischen Überseeexporte stieg bereits von 15 Prozent im Jahr 2000 auf 22 Prozent im Jahr 2024. Die Abhängigkeit vom europäischen Binnenmarkt soll weiter sinken.

Indien-Deal: Ein Wachstumsmotor für heimische Betriebe

Der Verhandlungsdurchbruch mit Indien am 27. Januar ist ein Meilenstein. Für Österreichs Exporteure öffnet sich ein Zukunftsmarkt mit enormem Potenzial. Eine aktuelle Analyse prognostiziert massive Vorteile:

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Das Mercosur-Ringen macht klar: Handelsabkommen bringen nicht nur Marktchancen, sondern oft auch neue Umweltpflichten für Unternehmen. Die EU-Entwaldungsverordnung verpflichtet Firmen zur Sorgfalt bei Rohstoffen aus risikobehafteten Regionen – wer die Pflichten übersieht, riskiert Sanktionen und Lieferkettenprobleme. Das kostenlose E-Book erklärt praxisnah, wie Sie prüfen, ob Ihr Unternehmen betroffen ist, und liefert eine sofort anwendbare Checkliste zur Risikobewertung. Jetzt kostenlosen Entwaldungsverordnungs-Check herunterladen

  • Die heimische Wertschöpfung aus dem Indien-Geschäft könnte sich mittelfristig verdoppeln.
  • Es wird eine zusätzliche jährliche Wertschöpfung von rund 650 Millionen Euro erwartet.
  • Bis zu 5.000 neue Industriearbeitsplätze könnten in Österreich entstehen.
  • Der Wegfall von Zöllen entlastet die Wirtschaft um 160 Millionen Euro pro Jahr.

Besonders profitieren sollen technologieintensive Branchen wie der Maschinenbau, die Elektronik- und die Fahrzeugindustrie. Die Asien-Pazifik-Region ist für Österreich bereits der zweitwichtigste Handelspartner.

Mercosur: Der Deal mit dem Beigeschmack

Während der Indien-Pakt auf breite Zustimmung stößt, ist das Abkommen mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Bolivien) hochumstritten. Nach über 25 Jahren Verhandlungszeit gilt es seit Mitte Januar als beschlossene Sache – obwohl Österreich 2019 im Nationalrat dagegen gestimmt hatte.

Eine juristische Trennung des Vertrags in einen politischen und einen wirtschaftlichen Teil umging das österreichische Veto. Die Debatte tobt weiter. Erst am 29. Januar wurden im Parlament Anträge von Grünen und FPÖ diskutiert, die massive Bedenken zu Umwelt- und Sozialstandards äußern.

Gewerkschaften warnen vor einem hohen sozialen und ökologischen Preis. Sie befürchten, dass in Österreich bis zu 1.200 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen könnten.

Globaler Wettlauf: Warum die EU jetzt handelt

Österreichs Strategie spiegelt einen größeren EU-Trend wider. Im globalen Wettbewerb, vor allem mit China, muss die Europäische Union aufholen. Analysen zeigen, dass China seine Handelsbeziehungen in Asien und Afrika in den letzten zehn Jahren deutlich besser ausgebaut hat.

Für eine exportstarke Volkswirtschaft wie Österreich ist der Zugang zu Auslandsmärkten überlebenswichtig. Der Außenhandel macht mehr als die Hälfte der heimischen Wirtschaftsleistung aus. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind solche Abkommen ein Game-Changer, weil sie Bürokratie und Zölle abbauen.

Was kommt als nächstes?

Jetzt beginnt der Ratifizierungsprozess für das Indien-Abkommen. Die Texte werden geprüft, übersetzt und müssen noch vom Rat der Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament gebilligt werden. Ein Inkrafttreten wird in den kommenden Monaten erwartet.

Auch das Mercosur-Abkommen bewegt sich trotz aller Kontroversen auf eine Umsetzung zu. Eines ist klar: Die österreichische Wirtschaftspolitik setzt verstärkt auf die globale Karte.

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