Zuverdienst, Arbeitslose

Österreich schränkt Zuverdienst für Arbeitslose stark ein

31.01.2026 - 03:25:11

Seit Jahresbeginn 2026 ist der Zuverdienst für Arbeitslose stark eingeschränkt. Die Reform trifft Zehntausende und wird von Sozialverbänden scharf kritisiert.

Seit Jahresbeginn dürfen Arbeitslose kaum noch nebenbei Geld verdienen. Die Regierung hat die Zuverdienstregeln für Arbeitslosengeld und Notstandshilfe massiv verschärft. Für Zehntausende endet damit eine wichtige finanzielle Stütze.

Was sich konkret geändert hat

Bis Ende 2025 war es allgemein möglich, bis zur Geringfügigkeitsgrenze von 551,10 Euro monatlich dazu zu verdienen. Diese Einkünfte wurden nicht auf die Leistungen angerechnet. Seit dem 1. Januar 2026 gilt diese Möglichkeit nur noch in engen Ausnahmefällen.

  • Bestehende geringfügige Jobs müssen bis spätestens 30. Juni 2026 beendet werden, sonst erlischt der Leistungsanspruch.
  • Die Geringfügigkeitsgrenze selbst wurde erstmals seit Jahren nicht an die Inflation angepasst.

Die Regierung begründet den Schritt mit der Bekämpfung einer angeblichen „Inaktivitätsfalle“. Die Kombination aus Sozialleistungen und Zuverdienst mache eine Vollzeitanstellung unattraktiv.

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Wer jetzt noch etwas dazuverdienen darf

Die neuen Ausnahmen sind streng gefasst. Einen Zuverdienst erlauben sie nur noch:

  • Personen, die schon vor der Arbeitslosigkeit mindestens 26 Wochen lang einen Minijob neben einem Hauptjob hatten.
  • Langzeitarbeitslose über 50 Jahre oder mit einer Behinderung ab 50 Prozent.
  • Langzeitarbeitslose oder Reha-Bezieher für eine einmalige, 26-wöchige Übergangsphase.
  • Teilnehmer an bestimmten, langen AMS-Schulungen (mindestens 4 Monate, 25 Wochenstunden).

Für alle anderen ist der Zuverdienst gestrichen.

Kritik: „Trifft die Schwächsten am härtesten“

Sozialverbände und Oppositionsparteien laufen Sturm. Schätzungen zufolge sind rund 30.000 Personen betroffen – etwa 10 Prozent aller Arbeitslosen.

Kritiker wie die Arbeiterkammer und die Grünen warnen: Die Maßnahme treffe besonders Frauen, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung. Der Zuverdienst sei für viele essenziell gewesen, um über die Runden zu kommen. Die Angst: Betroffene nehmen nun schlechter bezahlte Jobs unter ihrer Qualifikation an, nur um die Miete zahlen zu können.

Auch für Kunst- und Kulturschaffende mit projektbasierter Arbeit wird die Lage schwieriger.

Regierung und Wirtschaftskammer sehen Reform als notwendig

Anders sieht es die Wirtschaftskammer (WKO). Sie begrüßt die Reform als wichtigen Schritt gegen den Arbeitskräftemangel. Sie soll Anreize für die Aufnahme einer regulären Beschäftigung schaffen.

Das AMS will Unternehmen nun bei der Umwandlung von geringfügigen in vollversicherte Jobs beraten. Betroffene sollten sich direkt an ihren AMS-Berater wenden.

Während die Regierung auf schnellere Jobvermittlung und Einsparungen hofft, warnen Sozialverbände vor steigender Armutsgefahr. Ob die Reform den Arbeitsmarkt belebt oder soziale Härten verstärkt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

@ boerse-global.de