Nvidia RTX 6000D: So umgeht der Chip-Riese die US-Sanktionen
12.02.2026 - 22:22:12Ein detaillierter Teardown von Nvidias China-exklusiver Grafiklösung RTX 6000D zeigt erstmals, wie der Konzern sein Spitzen-Hardware für den Export drosselt. Die Analyse bestätigt die gewaltigen 84 GB Grafikspeicher und offenbart strategische Leistungsbeschränkungen auf der Platine.
Die Untersuchung des passiv gekühlten Server-GPU durch den Kanal GINNSOD auf BiliBili liefert den handfesten Beweis: Nvidia baut seine Hochleistungschips gezielt zurück, um US-Exportkontrollen zu umgehen. Für Branchenbeobachter ist dies ein Musterbeispiel, wie Tech-Giganten auf geopolitische Spannungen reagieren.
Einblick ins Innere: Speicher-Arrangement und gezielte Lücken
Die größte Enthüllung ist der physische Nachweis der ungewöhnlichen Speicherkonfiguration. Auf der Leiterplatte sind 28 einzelne 3-GB-GDDR7-Chips verbaut, die die beworbenen 84 GB VRAM ergeben. Sie sind im „Clamshell“-Layout angeordnet – sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite der Platine.
Dieses Design ist eine bewusste Abwandlung der uneingeschränkten RTX Pro 6000 „Blackwell“ mit 96 GB. Der Teardown zeigt leere Kontaktstellen, auf denen beim Vollmodell vier weitere Speicherchips sitzen würden. Offenbar nutzt Nvidia ähnliche Platinen für beide Varianten, um die Produktion zu vereinfachen. Die Reduktion führt zu einem schmaleren 448-Bit-Speicherbus und senkt die Bandbreite von etwa 1.790 GB/s auf 1.570 GB/s.
Gezielte Drosselung für den chinesischen Markt
Die RTX 6000D gehört zu einer Produktlinie, die speziell für den chinesischen Markt innerhalb der US-Leistungsgrenzen entwickelt wurde. Das „D“ im Namen steht für eine strategisch entschärfte Version. Neben dem Speicher wurde auch die Rechenleistung beschnitten.
Der Chip verfügt über 19.968 CUDA-Cores – ein deutlicher Rückgang um 17 Prozent gegenüber den 24.064 Cores der globalen Version. Die maximale Boost-Taktfrequenz liegt bei 2.430 MHz und damit leicht unter dem Vergleichsmodell. In der Summe sinkt die Rechenleistung von 126 TFLOPS auf etwa 97 TFLOPS. So bleibt die Karte ein leistungsstarkes Werkzeug für KI und professionelle Visualisierung, bleibt aber legal exportierbar.
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Geopolitik trifft auf Grafik-Hardware
Die Existenz der RTX 6000D ist ein direktes Ergebnis anhaltender Handelskonflikte. US-Exportkontrollen sollen den Zugang zu modernster KI‑Hardware beschränken. Nvidias Strategie, angepasste Versionen zu entwickeln, ist nicht neu. Bereits beim H800 oder der Consumer-Karte RTX 4090D verfolgte der Konzern diesen Ansatz.
Doch der Markt für diese Spezialkarten ist schwierig. Berichte aus dem Jahr 2025 deuteten auf eine verhaltene Nachfrage hin. Gründe sind der Graumarkt mit uneingeschränkter Hardware und der Aufstieg heimischer KI‑Chips aus China. Der Teardown bestätigt den Einsatz in Servern: Der passive Doppel‑Slot‑Kühler ist auf Gehäuselüfter angewiesen.
Was bedeutet das für die Branche?
Diese Analyse macht die praktischen Folgen von Technologie‑Exportbeschränkungen greifbar. Sie zeigt, wie ein Marktführer wie Nvidia Flaggschiff‑Produkte durch weniger Bauteile und Firmware‑Anpassungen für spezifische Märkte abwandert. Das Engineering ist effizient und nutzt vorhandene Designs, um Kosten zu kontrollieren.
Solange die Handelsregeln bestehen, wird es weitere „D“-Varianten geben. Nvidias Herausforderung ist es, diese Karten in einem umkämpften Markt zu positionieren. Sie konkurrieren mit offiziell uneingeschränkter heimischer Hardware und inoffiziell erhältlichen, leistungsstärkeren internationalen Modellen. Chinesische Unternehmen werden das Preis‑Leistungs‑Verhältnis der RTX 6000D genau prüfen, wenn sie ihre KI‑Infrastruktur der nächsten Generation planen.
@ boerse-global.de
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