Notepad, Tabellen

Notepad bekommt Tabellen, Word autonome KI-Agenten

29.11.2025 - 00:59:12

Microsoft dreht an zwei Stellschrauben gleichzeitig: Der 40 Jahre alte Windows-Editor erhält erstmals Tabellenfunktionen – während Word sich zum KI‑gesteuerten Dokumenten‑Assistenten wandelt. Was bedeutet das für die Zukunft der Textverarbeitung?

In dieser Woche vollzieht der Software‑Riese aus Redmond einen bemerkenswerten Spagat. Auf der einen Seite rüstet das Unternehmen seinen minimalistischen Notepad‑Editor mit Features aus, die jahrzehntelang Word vorbehalten waren. Auf der anderen Seite katapultiert es Word selbst in eine neue Ära autonomer Dokumentenerstellung. Zwei gegensätzliche Bewegungen, die dennoch einer klaren Strategie folgen: Vereinfachung am unteren Ende, Automatisierung an der Spitze.

Seit dem 27. November 2025 steht Windows‑Insidern in den Canary‑ und Dev‑Kanälen eine historische Neuerung zur Verfügung: Notepad kann Tabellen erstellen und bearbeiten. Per neuem Button in der Formatierungsleiste oder durch Markdown‑Syntax lassen sich nun Raster einfügen, Zeilen und Spalten hinzufügen oder entfernen.

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Die Implementierung bleibt bewusst schlicht. Während Word mit Zellschattierungen, Rahmenformaten und zusammengeführten Zellen aufwartet, beschränkt sich Notepad auf das Wesentliche: strukturierte Datenerfassung ohne Schnickschnack. Für schnelle To‑do‑Listen, einfache Logs oder Code‑Dokumentation reicht das allemal – und spart den Start einer vollwertigen Office‑Anwendung.

Die Botschaft ist klar: Strukturierte Daten sind kein Luxus mehr, sondern Grundbedürfnis. Microsoft reagiert damit auf leichtgewichtige Konkurrenten wie Notion oder Obsidian, die genau diese Lücke zwischen Texteditor und Textverarbeitung besetzen.

Word wird zum KI-Dirigenten

Während Notepad aufholt, legt Word einen Quantensprung hin. Nach Ankündigungen auf der Microsoft Ignite Anfang November beschleunigt das Unternehmen die Einführung sogenannter Copilot Agents – autonomer KI‑Assistenten, die weit über bisherige Hilfsfunktionen hinausgehen.

Der entscheidende Unterschied zum Standard‑Copilot? Diese Agenten erstellen nicht nur Text, sondern übernehmen die gesamte Dokumentenstrukturierung. Ein Beispiel: Der Befehl „Erstelle einen Projektstatusbericht mit Tabelle für Q4‑Deliverables” genügt – und der Agent generiert Text, fügt passende Spaltenüberschriften ein und formatiert das Layout.

Das Revolutionäre ist die iterative Verfeinerung: Nachträgliche Anweisungen wie „Füge eine Spalte für Verantwortliche hinzu” oder „Markiere überfällige Punkte rot” setzt die KI sofort um. Dokumentenerstellung wird vom manuellen Handwerk zur sprachgesteuerten Orchestrierung.

Für Microsoft‑365‑Copilot‑Abonnenten läuft die Einführung bereits, weitere autonome Fähigkeiten sind für Anfang 2026 angekündigt.

Barrierefreiheit: Weniger Fehlalarme, mehr Komfort

Parallel zur KI‑Offensive hat Microsoft auch technische Detailverbesserungen vorgenommen. Der Accessibility Assistant wurde überarbeitet und erkennt nun korrekt formatierte Tabellenkopfzeilen, ohne sie fälschlicherweise als Barriere zu melden – ein häufiges Ärgernis für Nutzer komplexer Datenstrukturen.

In der Web‑Version von Word lassen sich Tabellenzeilen und ‑spalten jetzt per Drag‑and‑Drop verschieben. Was nach Kleinigkeit klingt, erspart in der Praxis mühsames Ausschneiden und Einfügen – besonders bei umfangreichen Datensammlungen ein spürbarer Gewinn.

Zwei Welten, eine Strategie

Die parallelen Entwicklungen folgen einer durchdachten Logik: Microsoft bedient bewusst unterschiedliche Nutzerbedürfnisse.

Notepad wird zum Schnellzugriffs-Tool für Gelegenheitsnutzer, die Words Funktionsvielfalt als überwältigend empfinden. Das mag einen Teil der Word‑Kundschaft abziehen, stärkt aber das Windows‑Ökosystem insgesamt gegen schlanke Alternativen.

Word hingegen wandert in Richtung Experten‑Werkzeug, bei dem nicht mehr das Beherrschen von Menüs zählt, sondern die Fähigkeit, eine KI präzise zu instruieren. Die Zukunft der Textverarbeitung ist weniger handwerklich, mehr supervisorisch.

Bleibt die Frage: Braucht es mittelfristig überhaupt noch beide Programme? Oder verschmelzen sie am Ende zu einem adaptiven Tool, das sich je nach Aufgabe automatisch vereinfacht oder erweitert? Microsoft dürfte die Antwort kennen – verrät sie aber noch nicht.

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