Nokia, Oyj

Nokia Oyj: Zwischen Value-Falle und Comeback-Chance – was die Aktie jetzt wirklich bietet

26.01.2026 - 22:16:06

Die Nokia-Aktie tritt seit Monaten auf der Stelle, doch Analysten sehen weiteres Kurspotenzial. Ein Blick auf Bewertung, Netzgeschäft und Dividende zeigt, für wen sich das Papier noch lohnt.

Die Aktie von Nokia Oyj sorgt an den Börsen eher für leise Töne als für große Schlagzeilen. Während Technologiewerte aus den USA und Teilen Asiens von einem anhaltenden Hype profitieren, wirkt der finnische Netzwerkausrüster wie ein klassischer Nachzügler. Doch hinter der verhaltenen Kursentwicklung steckt ein Konzern, der sich mitten in einem strategischen Umbau befindet – und ein Markt, der im Schatten von Künstlicher Intelligenz, Cloud und Cybersecurity eine Schlüsselrolle spielt: die globale Telekom-Infrastruktur.

Aktuell notiert die Nokia-Aktie (ISIN FI0009000681) an der Börse Helsinki laut Kursdaten von Yahoo Finance und Reuters bei rund 3,25 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs des Vortags ergibt sich ein leicht positives Vorzeichen, das Tagesplus liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auf Sicht von fünf Handelstagen zeigt sich ein seitwärts gerichteter Verlauf mit leichten Ausschlägen nach unten, ehe zum Wochenende wieder Käufe einsetzen. Das Markt-Sentiment wirkt abwartend, aber nicht panikgetrieben – von einem Ausverkauf kann keine Rede sein.

Über einen Zeitraum von drei Monaten ergibt sich ein gemischtes Bild: Nach einem schwächeren Herbst und erneuten Enttäuschungen im Netzwerkausbau der großen Telekomkonzerne hat die Aktie zunächst nachgegeben, dann aber eine Bodenbildung begonnen. Die Marktteilnehmer scheinen sich mit einem niedrigeren Bewertungsniveau angefreundet zu haben. Die 52-Wochen-Spanne unterstreicht dieses Bild: Zwischen einem Tief von knapp unter 2,70 Euro und einem Hoch im Bereich von gut 4,00 Euro oszilliert die Nokia-Aktie in einer breiten Handelsspanne. Aktuell bewegt sich der Kurs eher im unteren Mittelfeld dieser Range.

Die jüngsten Kursdaten stammen übereinstimmend aus mehreren Quellen (unter anderem Börse Helsinki, Yahoo Finance, Refinitiv/Reuters) und beziehen sich auf den jüngsten verfügbaren Handelsstand am späten europäischen Nachmittag. Sollte der Markt zum Zeitpunkt der Lektüre bereits geschlossen sein, handelt es sich um den letzten offiziellen Schlusskurs. Wichtiger als die tagesaktuellen Ausschläge ist jedoch die mittelfristige Entwicklung – und die fällt ernüchternd aus.

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Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund zwölf Monaten in die Nokia-Aktie eingestiegen ist, braucht derzeit gute Nerven – und Geduld. Der Schlusskurs des Papiers lag damals laut historischen Kursreihen von Yahoo Finance und den Daten der Börse Helsinki im Bereich von etwa 3,75 Euro. Ausgehend vom aktuellen Niveau um 3,25 Euro entspricht dies einem Kursrückgang von rund 13 Prozent. Die einfache Rechnung: Ein minus von etwa 0,50 Euro je Aktie, bezogen auf ein Investment von 3,75 Euro, ergibt einen Verlust von gut 13 Prozent, Dividendenzahlungen noch unberücksichtigt.

Für Anleger, die auf eine nachhaltige Erholung der Netzwerkausrüster gesetzt hatten, ist das ernüchternd. Vergleichsindizes wie der STOXX Europe 600 oder der Nasdaq-Composite haben im selben Zeitraum deutlich besser abgeschnitten, zum Teil mit zweistelligen Zugewinnen. Nokia ist also klarer Underperformer – und das nicht zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte. Gleichwohl relativiert die Dividende die Bilanz ein Stück weit: Nokia schüttet wieder regelmäßig aus, die Dividendenrendite liegt, gemessen am aktuellen Kurs, im attraktiven Bereich von rund 3 bis 4 Prozent. Für langfristig orientierte Einkommensinvestoren reduziert dies den Effekt der Kursverluste, hebt ihn aber nicht vollständig auf.

Emotional gesehen sitzen frühe Anleger in einem typischen Value-Dilemma: Fundamental erscheint das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich und einer soliden Bilanz nicht überteuert. Dennoch bleibt der große Befreiungsschlag aus. Wer auf einen Turnaround gehofft hat, findet sich in einer zähen Seitwärts- bis Abwärtsspirale wieder, in der jeder Hoffnungsschimmer von verhaltenen Investitionsbudgets der Netzbetreiber oder regulatorischen Unsicherheiten begleitet wird.

Andererseits bietet gerade ein solches Umfeld Chancen für mutige Investoren mit langem Atem: Sollte Nokia seine Margen stabilisieren, im 5G- und künftigen 6G-Zyklus wieder an Dynamik gewinnen und das Geschäft mit Enterprise-Netzwerken und Cloud-nahen Lösungen ausbauen, könnte der aktuelle Kursrückstand eine Einstiegsgelegenheit darstellen. Entscheidend ist, ob die operative Entwicklung den Discount rechtfertigt – oder ob der Markt hier zu pessimistisch ist.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

In den vergangenen Tagen standen bei Nokia mehrere Themen im Fokus der internationalen Finanzpresse. Zum einen haben neue Berichte von Reuters und Bloomberg die anhaltende Zurückhaltung vieler Telekomkonzerne beim Ausbau ihrer 5G-Netze hervorgehoben. Vor allem in Europa werden Investitionsentscheidungen teils verschoben, da die Unternehmen mit hohen Energiekosten, Wettbewerb und Regulierung ringen. Für Ausrüster wie Nokia bedeutet das: Aufträge kommen, aber langsamer und oft mit stärkerem Preisdruck. Dies dämpft die kurzfristigen Wachstumsaussichten und zwingt das Management, weiter konsequent auf Effizienzprogramme und Kostenkontrolle zu setzen.

Zum anderen hat das Unternehmen jüngst seine mittelfristigen Ziele und die strategischen Prioritäten erneut bekräftigt. In Investorenpräsentationen, die auf der offiziellen Investorenseite des Konzerns abrufbar sind, verweist Nokia auf Wachstumspotenzial im Bereich der privaten Netze für Industrieunternehmen, in Cloud-nahen Netzwerkfunktionen und in sicherheitskritischer Infrastruktur. Besonders im Geschäft mit Campus-Netzen, etwa für die vernetzte Fertigung oder Logistik, sieht der Konzern attraktive Margen. Analysten von US-Medien wie Investopedia und Tech-Portalen wie Cnet und Techradar heben hervor, dass sich der Markt für spezialisierte Unternehmensnetze dynamischer entwickelt als der klassische Mobilfunk-Carrier-Bereich.

Vor wenigen Tagen haben zudem verschiedene Branchenmedien auf Fortschritte bei der Standardisierung der nächsten Mobilfunkgeneration 6G verwiesen. Nokia zählt hier – neben Ericsson und einigen asiatischen Wettbewerbern – zu den maßgeblichen Technologiepartnern in internationalen Gremien. Kurzfristig wirkt sich dies noch nicht auf Umsatz und Ergebnis aus, langfristig könnte es jedoch die technologische Position der Finnen gegenüber preisaggressiven Konkurrenten aus China stärken. Einige Kommentatoren sehen darin einen strategischen Trumpf, falls geopolitische Spannungen anhalten und westliche Betreiber weiterhin auf vertrauenswürdige Lieferketten setzen.

Kapitalmarktseitig gab es zuletzt keine spektakulären Gewinnwarnungen oder positiven Überraschungen. Die jüngsten Quartalszahlen fielen gemischt aus: Während Umsatz und Auftragseingang im Kerngeschäft teilweise unter den Erwartungen lagen, konnte Nokia durch Kostensenkungen und Portfoliofokussierung die Profitabilität zumindest stabil halten. Operative Margen, Cashflow und Bilanzqualität werden von vielen Analysten als solide, wenn auch nicht herausragend beschrieben. Die Aktie reagierte auf die jüngsten Zahlen mit moderaten Ausschlägen, setzte ihren Seitwärtstrend aber im Wesentlichen fort.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Die große Frage für Anleger lautet: Hält die professionelle Analystengemeinde Nokia für einen Kauf, eine Halteposition oder eher für ein Risiko, das man meiden sollte? Ein Blick auf die in den vergangenen Wochen aktualisierten Einschätzungen großer Häuser zeichnet ein differenziertes Bild – mit leicht positivem Unterton.

Laut den Konsensdaten von Refinitiv/Reuters, die Einschätzungen zahlreicher Banken und Broker bündeln, überwiegen aktuell die Empfehlungen zum Halten und moderaten Kaufen. Rund ein Drittel der beobachtenden Institute stuft die Aktie als „Kaufen“ oder „Übergewichten“ ein, etwa die Hälfte rät zum „Halten“, während eine Minderheit weiterhin auf „Untergewichten“ oder „Verkaufen“ setzt. Das durchschnittliche Kursziel bewegt sich im Bereich von etwa 4,00 bis 4,20 Euro und liegt damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Dies impliziert ein theoretisches Aufwärtspotenzial im mittleren zweistelligen Prozentbereich.

Besonders interessant sind die jüngsten Stimmen großer Adressen. Die Deutsche Bank hat ihre Einschätzung zuletzt neutral bis leicht positiv ausgestaltet und verweist auf die attraktive Bewertung im Vergleich zu Wettbewerbern sowie die solide Bilanzstruktur. Allerdings sehen die Analysten weiterhin Risiken durch den schleppenden 5G-Roll-out in Europa und das anhaltend harte Wettbewerbsumfeld. Das Kursziel der Deutschen Bank liegt moderat über dem aktuellen Kurs, signalisiert also Chancen, aber keinen Kursverdoppler.

US-Häuser wie JPMorgan und Goldman Sachs verfolgen eine ähnliche Linie. Während Goldman Nokia länger kritisch betrachtete, haben sich die Töne in jüngeren Kommentaren etwas aufgehellt: Das Papier sei für Value-orientierte Investoren auf dem derzeitigen Niveau „interessant“, sofern man bereit sei, kurzfristige Schwankungen auszuhalten. JPMorgan betont in einer frischen Studie das Potenzial der Enterprise-Sparte und der Software- und Cloud-nahen Lösungen. Allerdings mahnen beide Institute, dass Nokia die selbst gesteckten Margen- und Cashflow-Ziele in den kommenden Quartalen unter Beweis stellen müsse, um am Markt nachhaltig Vertrauen zurückzugewinnen.

Skandinavische und andere europäische Häuser, etwa Nordea oder BNP Paribas Exane, zeigen sich teils etwas optimistischer. Hier wird die konsequente Bereinigung des Portfolios, die Fokussierung auf profitable Segmente und die wieder eingeführte Dividendenpolitik positiv hervorgehoben. Mehrere dieser Institute haben ihre Kursziele im Umfeld von 4 Euro bestätigt oder leicht angehoben, ohne die Einstufung deutlich zu verändern. Insgesamt entsteht so ein Bild: Kein breiter Analystenjubel, aber auch keine Kapitulation – eher eine nüchterne Einschätzung, dass Nokia auf dem aktuellen Niveau mehr Chancen als Risiken im Verhältnis bietet, sofern der Markt insgesamt nicht deutlich einbricht.

Ausblick und Strategie

Wie geht es weiter mit dem Traditionskonzern aus Espoo – und was bedeutet das für die Aktie? Strategisch hat Nokia in den vergangenen Jahren einen tiefgreifenden Wandel vollzogen: Weg vom breit aufgestellten Telekom-Konglomerat, hin zu einem fokussierten Anbieter von Netzwerktechnik, Software und Lösungen für kritische Infrastrukturen. Die Integration früherer Zukäufe, etwa im Bereich optischer Netze, ist weitgehend abgeschlossen, die Bilanz wurde bereinigt, Schulden wurden abgebaut. Damit hat sich das Unternehmen finanziell besser aufgestellt als in früheren Krisenphasen.

Auf der operativen Seite stehen drei Stoßrichtungen im Fokus. Erstens: die Verteidigung und punktuelle Ausweitung der Marktanteile im klassischen Mobilfunknetzgeschäft. Hier konkurriert Nokia direkt mit Ericsson und einer Reihe chinesischer Anbieter. Qualitativ hat der Konzern nach früheren Rückständen aufgeholt, besonders im 5G-Bereich. Doch Preis- und Margendruck bleiben hoch, und jeder Investitionsaufschub der Carrier macht sich unmittelbar in den Zahlen bemerkbar.

Zweitens setzt Nokia auf das Wachstumsgeschäft mit privaten Netzen für Industrie, Logistik, Energieversorger und den öffentlichen Sektor. Diese Campus- und Spezialnetze sind besser planbar, weniger reguliert und versprechen höhere Margen. Gelingt es dem Konzern, in diesem Segment als bevorzugter Technologiepartner für Unternehmen aufzutreten, könnte dies die Zyklik des traditionellen Carrier-Geschäfts teilweise abfedern. Erste Referenzen, etwa bei großen Industrieunternehmen und in Häfen oder Flughäfen, zeigen, dass der Ansatz funktioniert – die Frage ist nun, ob sich das Geschäft auf breiter Front skalieren lässt.

Drittens will Nokia stärker von der zunehmenden Softwareisierung und Virtualisierung der Netze profitieren. Funktionen, die früher fest in Hardware verankert waren, wandern in die Cloud und werden programmierbar. Hier konkurrieren klassische Netzwerkausrüster zunehmend mit IT-Konzernen und Cloud-Giganten. Nokia versucht, sich als Brückenbauer zwischen beiden Welten zu positionieren: mit offenen Schnittstellen, Softwarelösungen und Kooperationen mit Hyperscalern. Gelingt dieser Spagat, winken wiederkehrende Erlöse mit weniger Hardwareabhängigkeit – scheitert er, droht die Gefahr, auf die Rolle des reinen Zulieferers reduziert zu werden.

Für Anleger bedeutet dies: Die nächsten Quartale werden entscheidend sein, um zu erkennen, ob die Strategie in der Breite trägt. Kurzfristig dürfte die Aktie stark von makroökonomischen Faktoren abhängen – insbesondere von den Investitionsentscheidungen der großen Telekomkonzerne in Europa, Nordamerika und ausgewählten Schwellenländern. Jede Andeutung steigender Capex-Budgets in Richtung 5G- und Glasfaserausbau könnte als Kurstreiber fungieren, während anhaltende Zurückhaltung oder zusätzliche regulatorische Eingriffe auf der Stimmung lasten würden.

Langfristig hängt das Schicksal von Nokia aber nicht allein an der Höhe der Carrier-Investitionen. Wenn es dem Konzern gelingt, sich als unverzichtbarer Partner für sichere, leistungsfähige Netze in einer digitalisierten Industriegesellschaft zu etablieren, könnte die derzeitige Bewertung attraktiv erscheinen. Der demografische Druck, der Trend zur Automatisierung, das Wachstum von Datenverkehr und Cloud-Anwendungen sprechen grundsätzlich für steigende Anforderungen an die Netzinfrastruktur.

Für konservative Anleger mit Fokus auf stabile Bilanzen und Dividenden bietet die Nokia-Aktie in ihrer aktuellen Form ein solides, wenn auch nicht spektakuläres Profil: moderates Wachstum, zyklische Risiken, dafür eine sichtbare Ausschüttungspolitik. Für wachstumsorientierte Investoren bleibt der Titel dagegen nur dann attraktiv, wenn man an einen nachhaltigen Turnaround des Sektors und an eine erfolgreiche Positionierung Nokias in neuen Geschäftsfeldern glaubt.

Zwischen Value-Falle und Comeback-Story ist bei Nokia derzeit noch alles möglich. Die Bewertung spiegelt Skepsis wider, aber keine Kapitulation. Wer jetzt einsteigt oder engagiert bleibt, setzt darauf, dass die stille Infrastruktur hinter der großen Digitalisierungswelle an der Börse wieder stärker in den Fokus rückt – und dass Nokia mehr ist als ein Relikt vergangener Mobilfunkgenerationen.

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