NIS, US-Genehmigung

NIS: US-Genehmigung rettet serbische Ölversorgung vorerst

02.01.2026 - 08:22:12

Die USA erlauben dem russisch kontrollierten Ölkonzern NIS einen dreiwöchigen Betriebsneustart, um eine Energiekrise in Serbien abzuwenden, und setzen gleichzeitig eine Frist für den Verkauf der russischen Anteile.

Die USA gewähren dem russisch kontrollierten Ölkonzern NIS eine dreiwöchige Sondergenehmigung. Sie soll eine akute Treibstoffkrise in Serbien im Winter abwenden – und Druck für einen Eigentümerwechsel aufbauen.

Belgrad – Ein kurzes Atemholen für die serbische Energieversorgung: Die US-Finanzaufsicht OFAC hat dem angeschlagenen Ölriesen Naftna Industrija Srbije (NIS) eine befristete Betriebserlaubnis erteilt. Sie ermöglicht es der einzigen serbischen Raffinerie im nordserbischen Pančevo, nach einem monatelangen Stillstand wieder Rohöl zu importieren und zu verarbeiten. Die am Donnerstag, 1. Januar 2026, von Belgrad bestätigte Lizenz läuft bis zum 23. Januar und verhindert vorerst einen drohenden Treibstoffengpass im Winter. Langfristig zielt die US-Strategie jedoch auf einen kompletten Rückzug der russischen Mehrheitseigentümer Gazprom Neft und Gazprom ab.

Drei Wochen Frist: Raffinerie kann Produktion hochfahren

Die neue OFAC-Lizenz markiert eine entscheidende Wende für NIS. Das Unternehmen, zu knapp 56 Prozent in russischer Hand, darf nun wieder alle Geschäfte für den „Import, Kauf und die Verarbeitung von Rohöl“ sowie den Verkauf von Petroleumprodukten tätigen. Serbiens Energieministerin Dubravka Đedović Handanović begrüßte die Entscheidung. Die Raffinerie Pančevo könne nach einmonatiger Pause die Produktion wieder aufnehmen.

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Der Stillstand am 2. Dezember 2025 war unvermeidbar geworden: Die Rohölvorräte waren aufgebraucht, und Nachschub war aufgrund verschärfter US-Sanktionen gegen russische Energiekonzerne, die seit Oktober in vollem Umfang greifen, nicht mehr möglich. Die nun gewährte kurzfristige Betriebserlaubnis schafft eine kritische Verschnaufpause. NIS deckt rund 80 Prozent des serbischen Treibstoffmarktes ab. Ohne diese Lizenz stünde das Land vor leeren Tanks.

Lebensader wieder geöffnet: Kroatiens Pipeline liefert

Ein Schlüssel für den Neustart ist die Wiederaufnahme der Lieferungen durch die Adria-Ölpipeline (JANAF). Der kroatische Betreiber Jadranski naftovod bestätigte am 31. Dezember, ebenfalls eine OFAC-Genehmigung erhalten zu haben. Sie erlaubt den Transport von Rohöl vom Terminal Omišalj auf der Insel Krk bis zur Raffinerie Pančevo – ebenfalls nur bis zum 23. Januar.

Die Einstellung der JANAF-Lieferungen Anfang Dezember hatte den Stillstand direkt ausgelöst. Das Binnenland Serbien hat keine Alternative für den Import großer Rohölmengen. Die synchronisierten Lizenzen für NIS und JANAF deuten Analysten zufolge auf eine koordinierte diplomatische Anstrengung hin. Ziel ist es, regionale Energiekrisen zu verhindern, ohne den Druck auf russische Interessen zu lockern.

Eigentumsfrage im Fokus: Verkaufsfrist bis März verlängert

Während die Betriebslizenz Ende Januar ausläuft, gibt es eine zweite, möglicherweise wichtigere Entwicklung: OFAC hat offenbar eine separate Lizenz erteilt, die die Frist für Verhandlungen über den Verkauf der russischen Mehrheitsanteile an NIS verlängert.

Serbische Staatsmedien berichteten am 1. Januar, diese Lizenz erlaube es Aktionären und Interessenten, bis zum 24. März 2026 einen Eigentümerwechsel auszuhandeln. Diese Verlängerung signalisiert, dass Washington den Abzug russischen Kapitals aus dem serbischen Energiesektor priorisiert – und nicht einen dauerhaften Stillstand der Raffinerie.

Gazprom Neft hält etwa 45 Prozent der NIS-Anteile, Gazprom rund 11 Prozent. Die serbische Regierung besitzt knapp 30 Prozent. Als heißer Kandidat für die Übernahme der russischen Anteile gilt der ungarische Energiekonzern MOL. Ein derart komplexer Deal, der EU- und US-Sanktionsregelungen berücksichtigen muss, braucht Zeit. Die März-Frist bietet einen Puffer, auch wenn der Betrieb selbst unter dem Damoklesschwert des 23. Januars steht.

Analyse: Sanktionsdruck versus Versorgungsstabilität

Der Fall NIS zeigt das diplomatische Balancierakt des Westens: Einerseits soll der russische Energiesektor mit Sanktionen belegt werden, andererseits muss die wirtschaftliche Stabilität in Partnerländern wie Serbien gewahrt bleiben.

Ein längerer Ausfall der Raffinerie Pančevo hätte schwere wirtschaftliche Folgen für Serbien und die gesamte Westbalkan-Region gehabt. Mit der kurzfristigen Betriebserlaubnis kauft sich die US-Regierung Zeit für eine strukturelle Lösung – den Verkauf an einen nicht-russischen Eigentümer – ohne den Sanktionsdruck aufzuheben. Die knappe Frist bis zum 23. Januar soll alle Beteiligten antreiben, die Eigentumsübertragung zu beschleunigen.

Entscheidende Wochen für Serbiens Energiezukunft

Die kommenden drei Wochen werden richtungsweisend. Das NIS-Management muss die Raffinerie technisch hochfahren und über die JANAF-Pipeline schnellstmöglich Rohöl beschaffen, um die Produktion in der Gnadenfrist zu maximieren.

Parallel dürften die hochkarätigen diplomatischen und unternehmerischen Verhandlungen an Fahrt aufnehmen. Die serbische Regierung, die historisch enge Beziehungen zu Moskau pflegt, während sie eine EU-Annäherung anstrebt, steht unter enormem Druck, den Ausstieg der Gazprom-Töchter zu ermöglichen.

Ein erfolgreicher Verkauf an einen Partner wie MOL würde die energiepolitische Ausrichtung Serbiens historisch verändern und den russischen Einfluss in der Region zurückdrängen. Scheitern die Verhandlungen oder wird keine Verlängerung erreicht, könnte das Land Ende Januar erneut an den Rand einer Energiekrise geraten.

@ boerse-global.de