NFI Group (New Flyer): Busbauer im Comeback-Modus – wie nachhaltig ist die Rallye der Aktie?
18.01.2026 - 17:53:41Die NFI Group, Muttergesellschaft des nordamerikanischen Busherstellers New Flyer, ist vom Krisenfall zum Comeback-Kandidaten avanciert. Nach jahrelangem Druck durch Lieferkettenprobleme, hohe Zinsen und knappe Kassen hat die Aktie an der Börse in Toronto in den vergangenen Monaten deutlich an Dynamik gewonnen. Anleger fragen sich nun, ob das Papier nach der beeindruckenden Kurswende vor einem nachhaltigen Turnaround steht – oder ob die jüngste Rallye bereits das Gros des Potenzials vorweggenommen hat.
Zum jüngsten Handelsschluss notierte die NFI-Group-Aktie (ISIN CA63541B1013) an der Börse Toronto laut Daten von Yahoo Finance und der Börse Toronto bei rund 24,70 CAD. Die Angaben beziehen sich auf den zuletzt verfügbaren Schlusskurs; der Markt war zum Zeitpunkt der Recherche geschlossen. Auf Sicht von fünf Handelstagen zeigt sich ein leicht schwankender, aber insgesamt stabiler Seitwärtstrend. Im 90-Tage-Vergleich steht hingegen ein kräftiges Plus zu Buche – ein klares Indiz dafür, dass sich die Wahrnehmung des Marktes gedreht hat.
Der 52-Wochen-Korridor unterstreicht den Stimmungsumschwung: Zwischen einem Tief von rund 6 CAD und einem Hoch von knapp unter 26 CAD hat sich der Kurs vervielfacht. Das Sentiment ist damit klar konstruktiv bis vorsichtig optimistisch – allerdings nach einer Phase nahezu exponentieller Erholung, die naturgemäß das Rückschlagsrisiko erhöht.
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor etwa einem Jahr in die Aktie der NFI Group eingestiegen ist, wird heute mit einem eindrucksvollen Performancebild belohnt. Der Schlusskurs lag damals nach Daten von Yahoo Finance und weiteren Kursdiensten in der Größenordnung von etwa 8,90 CAD. Verglichen mit dem aktuellen Niveau von rund 24,70 CAD ergibt sich damit ein Kursanstieg von ungefähr 178 Prozent.
In Zahlen ausgedrückt: Aus einem Einsatz von 1.000 CAD wären so in etwa 2.780 CAD geworden – ohne Berücksichtigung von Steuern und Transaktionskosten. Die NFI-Aktie gehört damit im vergangenen Jahr zu den auffälligen Turnaround-Werten im kanadischen Mid-Cap-Segment. Doch diese starke Entwicklung hat eine Vorgeschichte: Viele Investoren waren nach operativen Problemen und hoher Verschuldung zuvor ausgestiegen, der Kursverfall war entsprechend drastisch. Wer damals Mut bewiesen hat, sitzt heute auf satten Buchgewinnen – steht aber zugleich vor der Frage, ob jetzt Kasse gemacht oder auf eine weitere Normalisierung des Geschäfts gesetzt werden soll.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen wurde die NFI Group vor allem von zwei Themenkomplexen bewegt: zum einen neue Auftragsmeldungen im Bereich emissionsarmer und elektrischer Busse, zum anderen die Fortschritte beim Schuldenabbau und der operativen Stabilisierung. Börsen- und Wirtschaftsdienste wie Reuters, Bloomberg und kanadische Branchenmedien berichteten jüngst über mehrere kleinere bis mittelgroße Bestellungen von Verkehrsbetrieben in den USA und Kanada. Besonders im Fokus stehen dabei Elektrobusse und sogenannte Low-Emission-Modelle, mit denen Städte ihre Klimaziele erreichen wollen. Auch wenn es sich jeweils nicht um milliardenschwere Megaaufträge handelt, sendet die Häufung der Meldungen ein wichtiges Signal: Die Nachfrage im Kerngeschäft scheint sich nach den pandemiebedingten Tiefpunkten zu normalisieren.
Parallel dazu bleibt die Finanzstruktur ein zentrales Thema. Vor nicht allzu langer Zeit musste NFI seine Kapitalbasis stärken, Kreditlinien neu verhandeln und eine umfangreiche Restrukturierung einleiten, um die Bilanz tragfähig zu halten. Vor einigen Wochen und Tagen haben Managementaussagen und Analystenkommentare verdeutlicht, dass die operative Erholung allmählich im Zahlenwerk sichtbar wird: Margen verbessern sich, der Auftragsbestand ist solide, und die Liquiditätssituation wirkt weniger angespannt als noch vor einiger Zeit. Gleichwohl machen Analysten darauf aufmerksam, dass der Schuldenberg weiterhin erheblich ist und die Zinslast bei einem länger anhaltenden Hochzinsumfeld eine strukturelle Belastung bleibt.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Die Analystenlandschaft hat ihr Urteil über NFI in den vergangenen Wochen spürbar angepasst. Mehrere Häuser haben ihre Einschätzungen nach der Kursrallye und verbesserten operativen Perspektiven aktualisiert. Nach Auswertung der jüngsten Konsensdaten von Plattformen wie Yahoo Finance, MarketWatch und Reuters Research dominiert derzeit ein Bild zwischen \"Kaufen\" und \"Halten\". Die Zahl expliziter Verkaufsempfehlungen ist gering, was die grundsätzliche Zuversicht hinsichtlich des Turnarounds unterstreicht, auch wenn Bewertung und Risiken mittlerweile kritischer beleuchtet werden.
Beim Blick auf die Kursziele fällt auf: Verschiedene nordamerikanische Banken und Brokerhäuser haben in den vergangenen Wochen ihre Zielmarken zum Teil deutlich nach oben gesetzt, nachdem der Markt lange Zeit das Insolvenzrisiko in den Vordergrund gestellt hatte. Einige Institute bewegen sich mit ihren Zwölf-Monats-Zielen in einer Spanne von etwa 22 bis 30 CAD. Während konservativere Häuser das Papier nach dem steilen Kursanstieg in den Bereich einer fairen Bewertung rücken und ein neutrales Votum (etwa \"Hold\" bzw. \"Neutral\") aussprechen, verweisen optimistischere Analysten auf das anhaltende Wachstumspotenzial im Segment elektrischer und hybrider Busse sowie auf die Möglichkeit weiterer operativer Hebel, sollten Lieferketten und Beschaffungskosten sich weiter normalisieren.
Auffällig ist, dass mehrere Analysten auf die hohe Zyklik des Geschäfts und die Abhängigkeit von öffentlichen Budgets hinweisen. Auftragsvergaben im ÖPNV-Bereich folgen politisch geprägten Zyklen, Förderprogramme können beschleunigend oder bremsend wirken. Dementsprechend fließt in die Kursziele nicht nur die aktuelle Auftragslage, sondern auch eine Einschätzung künftiger Infrastrukturpakete in den USA und Kanada ein. Die Spannbreite der Kursziele und Einschätzungen spiegelt daher nicht zuletzt die Unsicherheit darüber wider, wie nachhaltig die derzeitige Investitionswelle in klimafreundliche Verkehrslösungen ausfallen wird.
Ausblick und Strategie
Für die kommenden Monate steht NFI an einem sensiblen Punkt des Turnarounds. Operativ geht es darum, den hohen Auftragsbestand in rentable Umsätze zu verwandeln. Dazu müssen Produktion und Lieferketten stabil laufen, Kostensteigerungen beherrschbar bleiben und die Effizienzprogramme des Managements greifen. Der Markt wird genau darauf schauen, ob die Bruttomargen weiter anziehen und ob es dem Unternehmen gelingt, den freien Cashflow nachhaltig ins Positive zu drehen. Jede neue Quartalsbilanz wird so zum Stimmungstest für die Glaubwürdigkeit des eingeschlagenen Sanierungspfades.
Strategisch setzt NFI weiterhin auf drei Säulen: erstens die Stärkung der Position als führender Hersteller von Stadt- und Überlandbussen in Nordamerika, zweitens den Ausbau des Angebots an emissionsarmen und vollelektrischen Fahrzeugen, drittens Service- und Ersatzteilgeschäft als wiederkehrende Ertragsquelle. Gerade die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs eröffnet dem Unternehmen theoretisch beträchtliche Wachstumschancen. Zahlreiche Verkehrsverbünde haben langfristige Dekarbonisierungsziele formuliert, und Elektrobusse gelten als zentrales Instrument, um diese Vorgaben zu erreichen. NFI dürfte von diesem strukturellen Trend profitieren, sofern es gelingt, technologisch mithalten zu können und wettbewerbsfähige Preise zu bieten.
Auf der Risikoseite bleibt die Bilanz ein Dauerbrenner. Trotz eingeleiteter Maßnahmen ist der Verschuldungsgrad hoch. Steigende oder länger erhöhte Zinsen verteuern die Refinanzierung und können Spielräume für Investitionen einengen. Zudem ist das Geschäftsmodell stark von öffentlichen und halböffentlichen Auftraggebern abhängig. Verzögerungen bei Haushaltsbeschlüssen, politische Kurswechsel oder Kürzungen von Förderprogrammen könnten sich unmittelbar in der Auftragslage niederschlagen. Hinzu kommt der internationale Wettbewerb: Europäische und asiatische Anbieter drängen verstärkt auf den nordamerikanischen Markt, teils mit aggressiver Preissetzung und staatlicher Unterstützung im Rücken.
Für Anleger ergibt sich damit ein ambivalentes Bild. Kurzfristig hat die Aktie nach der starken Rallye ein erhöhtes Korrekturpotenzial, insbesondere, falls es zu Gewinnmitnahmen oder enttäuschenden Quartalszahlen kommt. Mittel- bis langfristig bleibt NFI jedoch ein spannender Hebel auf die Transformation des öffentlichen Verkehrs hin zu mehr Nachhaltigkeit. Wer bereits früh eingestiegen ist, sollte die weitere Entwicklung des Verschuldungsprofils und der Margen aufmerksam verfolgen und ein klares Risikomanagement definieren. Neueinsteiger wiederum müssen sich bewusst sein, dass sie in eine Aktie investieren, die zwar den operativen Wendepunkt erreicht haben könnte, aber noch immer von makroökonomischen und politischen Rahmenbedingungen stark beeinflusst wird.
Unter dem Strich erscheint die NFI-Group-Aktie derzeit als spekulatives, aber nicht mehr existenziell gefährdetes Turnaround-Papier. Die Analystenlandschaft honoriert die Fortschritte, mahnt jedoch zur Vorsicht, was Bewertung und Bilanzrisiken angeht. Sollte es dem Management gelingen, die operative Erholung zu verstetigen, die Verschuldung weiter zurückzuführen und zugleich vom anhaltenden Trend zu emissionsarmen Verkehrslösungen zu profitieren, könnte die jüngste Erholungsrallye erst der Auftakt zu einer längerfristigen Neubewertung sein. Bis dahin bleibt NFI jedoch ein Wertpapier für Anleger mit robusten Nerven und einem langen Atem.


