New, York

New York zwingt Social Media zu Warnhinweisen vor Algorithmen

28.12.2025 - 15:21:12

New York schreibt Social-Media-Plattformen Warnhinweise vor algorithmischen Feeds vor – ein Präzedenzfall mit globaler Signalwirkung, der auch die EU unter Druck setzt.

In einem wegweisenden Schritt hat der US-Bundesstaat New York ein Gesetz verabschiedet, das Social-Media-Konzerne zu deutlichen Warnhinweisen auf ihren algorithmischen Feeds verpflichtet. Die als „SAFE for Kids Act“ bekannte Regelung zielt explizit auf Risiken für die psychische Gesundheit junger Nutzer ab. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete das Gesetz am 26. Dezember. Es positioniert New York an der Spitze einer globalen Regulierungswelle, die die Aufmerksamkeits-Ökonomie fundamental infrage stellt.

Das neue Recht verlangt von Plattformen wie Meta, TikTok oder X, unübersehbare Warnungen anzuzeigen, sobald Nutzer mit als „süchtig machend“ eingestuften Funktionen interagieren. Dazu zählen laut Gesetzestext endloses Scrollen, automatisch abspielende Videos und persistente Algorithmen-Empfehlungen – Design-Entscheidungen, die nach Ansicht des Staates das Nutzer-Engagement auf Kosten des Wohlbefindens maximieren.

Ein Warnhinweis muss erscheinen, wenn ein Nutzer erstmals einen solchen „räuberischen“ Mechanismus nutzt. Bei längerer Nutzung soll die Warnung periodisch wieder auftauchen. Die genaue Formulierung wird vom Gesundheitskommissar des Staates überwacht und soll direkte Parallelen zu psychischen Folgen wie Angststörungen, Depressionen und Körperbildproblemen ziehen.

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Staatliche Vertreter vergleichen die digitalen Unterbrechungen mit den grafischen Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen. Das Büro von Gouverneurin Hochul betonte, das Gesetz stelle die Sicherheit junger New Yorker über Plattform-Engagement-Kennzahlen. Transparenz über mentale Gesundheitsrisiken sei nun eine gesetzliche Voraussetzung für den Betrieb im Staat.

Branche unter Druck: Fragmentierte Regulierung in den USA

Das Gesetz setzt Technologiegiganten unmittelbar unter Zugzwang. Sie müssen ihre Nutzeroberflächen umbauen, um die verpflichtenden Unterbrechungen einzubauen. Bei Verstößen drohen zivilrechtliche Strafen von bis zu 5.000 US-Dollar pro Vergehen – eine Summe, die bei Millionen Nutzern schnell eskalieren kann.

Für die Branche entsteht ein komplexes „Compliance-Flickwerk“ in den USA. New Yorks Fokus auf Warnhinweise folgt kurz auf ein kalifornisches Gesetz (Assembly Bill 56) vom Oktober 2025, das ähnliche Offenlegungen vorschreibt, aber andere Intervalle verlangt. Dort muss nach drei Stunden Nutzung stündlich gewarnt werden.

Der Branchenverband TechNet lehnt solche Maßnahmen ab und argumentiert mit Eingriffen in die Meinungsfreiheit und unzumutbaren operativen Hürden. Rechtsexperten rechnen mit Klagen vor Bundesgerichten, ähnlich den Verfahren gegen die kalifornischen Regeln.

Globale Signalwirkung: EU beobachtet US-Experimente

Die Entwicklung in New York ist Teil eines internationalen Trends. Australien verbot diesen Monat Kindern unter 16 den Zugang zu Social Media – die derzeit restriktivste Regelung in einer Demokratie. EU-Regulierer beobachten die US-Staatsexperimente aufmerksam, während sie die nächste Phase der Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) erwägen.

Die globale Regulierungswende zielt zunehmend auf die Engagement-Mechanismen selbst – die Algorithmen, die Inhalte kuratieren – und nicht nur auf die Inhalte. Indem New York den algorithmischen Feed als potenziell schädliches Produkt kennzeichnet, greift es das Kern-Geschäftsmodell der Aufmerksamkeits-Ökonomie an.

Ausblick 2026: Das Ende des nahtlosen Scrollens?

Die Branche bereitet sich auf erhebliche Veränderungen der Nutzererfahrung vor. Ab frühem 2026 werden Social-Media-Oberflächen in New York – und möglicherweise bundesweit, wenn Konzerne einen einheitlichen Standard wählen – mit deutlichen „Geschwindigkeitshügeln“ ausgestattet sein. Diese Unterbrechungen sollen den „Flow-Zustand“ des endlosen Scrollens durchbrechen und zu einer bewussten Entscheidung zwingen.

Marktbeobachter erwarten einen messbaren Rückgang der „Verweildauer in der App“, einer Schlüsselkennzahl für Werbeeinnahmen. Plattformen könnten daher ihre Diversifizierung in Abo-Modelle oder optionale „chronologische“ Feeds beschleunigen, die keine Warnhinweise auslösen.

Der Zeitplan für die Umsetzung ist ambitioniert. Die staatlichen Aufseher sollen in den kommenden Wochen finale Design-Richtlinien für die Warnhinweise veröffentlichen. Die digitale Industrie steht vor einer neuen Realität: Der algorithmische Feed kommt jetzt mit einem sichtbaren, staatlich verordneten Gesundheitshinweis.

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