New, York

New York führt Transparenzpflicht für KI-Schauspieler ein

15.01.2026 - 21:54:13

New York schreibt als erster US-Staat die Kennzeichnung von KI-generierten Darstellern in Werbung vor. Das Gesetz soll Verbrauchertäuschung verhindern und Künstlerrechte schützen.

Albany – Der Bundesstaat New York geht mit einem neuen Gesetz gegen undurchsichtige KI-Nutzung in der Werbebranche vor. Seit Dezember 2025 ist es rechtskräftig: Werbung, die künstlich erzeugte „synthetische Darsteller“ zeigt, muss dies klar kenntlich machen. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete die Vorlage, die als eine der weitreichendsten Maßnahmen zur KI-Transparenz in den USA gilt. Die Regelung tritt Mitte 2026 in Kraft und setzt einen Präzedenzfall im Spannungsfeld zwischen technischer Innovation und Verbraucherschutz.

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Das Gesetz mit der Bezeichnung S. 8420-A/A. 8887-B ändert das New Yorker Wirtschaftsrecht. Kern ist die Definition eines synthetischen Darstellers: ein durch KI oder Software erzeugtes digitales Asset, das den Eindruck einer nicht identifizierbaren realen Person erweckt. Bei dessen Einsatz in kommerzieller Werbung – ob in sozialen Medien, Online-Videos oder Display-Kampagnen – ist ein „klarer und auffälliger“ Hinweis verpflichtend.

Von der Pflicht ausgenommen sind reine Audio-Werbung und Promotion für expressive Werke wie Filme oder Videospiele, sofern die KI-Figur dort dieselbe Rolle spielt wie im Werk. Auch reine Sprachübersetzung durch KI fällt nicht unter die Regel. Die Verantwortung liegt bei den Werbetreibenden und Creatives, nicht bei den Verbreitungsplattformen. Bei Verstößen drohen Geldstrafen: 1.000 US-Dollar für die erste, 5.000 für jede weitere Zuwiderhandlung.

Schutz für digitale Persönlichkeitsrechte

Die Transparenzpflicht ist Teil eines größeren Pakets zum Schutz vor KI-Missbrauch. Ein begleitendes Gesetz verschärft die Regelungen zum Postmortem-Persönlichkeitsrecht. Für die kommerzielle Nutzung eines „digitalen Replikats“ verstorbener Personen – etwa in Filmen oder Audioaufnahmen – ist nun die ausdrückliche Zustimmung der Erben oder des Nachlassverwalters erforderlich.

Gewerkschaften wie SAG-AFTRA hatten massiv für diese Neuregelungen lobbyiert. Sie sehen darin eine entscheidende Verteidigungslinie gegen den unerlaubten Einsatz von Stimmen und Gesichtern ihrer Mitglieder. Die Befürchtung: Schauspieler könnten ohne ihr Wissen durch digitale Klone ersetzt oder ihre Likenesses nach dem Tod kommerziell ausgebeutet werden. Der Erfolg in New York gilt vielen Kreativen als Blaupause für künftige Gesetze auf Bundesebene.

Föderaler Gegenwind und nationale Signalwirkung

New Yorks Vorstoß ist der erste seiner Art in den USA und setzt andere Bundesstaaten unter Druck, nachzuziehen. Doch der staatliche Alleingang könnte auf Konfliktkurs mit der Bundesregierung geraten. Eine Executive Order des Weißen Hauses vom Dezember 2025 zielt darauf ab, einen nationalen KI-Rahmen zu schaffen und übermäßige Regulierung zu vermeiden. Eine eigens eingesetzte Taskforce soll prüfen, ob Landesgesetze wie das aus New York bundesstaatlichen Politikzielen widersprechen.

Trotz dieser Unsicherheit plant die New Yorker Regierung bereits weitere Schritte. Gouverneurin Hochul hat zusätzliche Beschränkungen für KI-generierte Inhalte in der politischen Werbung ins Gespräch gebracht. Die Debatte um die richtige Balance zwischen Innovation und Schutz ist damit in vollem Gange.

Was jetzt auf Unternehmen zukommt

Für Werbetreibende, die im wichtigen New Yorker Markt aktiv sind, beginnt nun eine Phase der Anpassung. Bis zum Inkrafttreten am 9. Juni 2026 müssen kreative Prozesse und bestehende Kampagnen überprüft werden. Rechtsberater raten zu internen Compliance-Richtlinien. National agierende Konzerne stehen vor der Frage: Passt man alle Kampagnen an den New Yorker Standard an, um Risiken zu minimieren?

Die Entwicklung wird in der gesamten Kreativbranche genau beobachtet. Sie könnte ähnlich wie die DSGVO in Europa eine Signalwirkung über die Grenzen des Bundesstaates hinaus entfalten. Die Prinzipien von Transparenz und Einwilligung, die New York jetzt gesetzlich verankert, dürften zum Kern künftiger Debatten werden – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und Deutschland. Die Frage, wie sich künstliche Intelligenz ethisch und rechtssicher in Werbung und Medien einsetzen lässt, ist damit endgültig auf der politischen Agenda angekommen.

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