EU-Zollcodes, Solar-

Neue EU-Zollcodes für Solar- und Windtechnik treten in Kraft

06.01.2026 - 14:34:12

Seit Januar 2026 gelten präzisere Zollvorschriften für Schlüsselprodukte der Energiewende, um Lieferketten transparenter zu machen und die Abhängigkeit von Importen besser zu überwachen.

Ab sofort gelten in der EU präzisere Zollvorschriften für Schlüsselkomponenten der Energiewende. Die Änderungen sollen die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten transparenter machen.

Seit dem 1. Januar 2026 müssen europäische Unternehmen bei der Ein- und Ausfuhr von Solarmodulen und Windradteilen neue, spezifischere Zollcodes verwenden. Die unter Commission Implementing Regulation (EU) 2025/1926 festgelegten Änderungen an der Kombinierten Nomenklatur (KN) zielen darauf ab, die Lieferströme für kritische grüne Technologien besser zu überwachen. Für Zollerklärungen, die ab dieser Woche eingereicht werden, sind die neuen achtstelligen Codes verbindlich. Verstöße können zu Strafen und Verzögerungen an den Grenzen führen.

Präzisere Erfassung für Solar- und Windbranche

Die Nomenklatur 2026 führt detaillierte Klassifizierungen für Waren ein, die zuvor unter allgemeine “Sonstige”-Kategorien fielen. Diese Präzision soll der EU-Kommission genaue Daten über die Importmengen wichtiger Materialien für die Energiewende liefern.

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Neue Codes für Photovoltaik-Wafer

Für die Solarindustrie ist die wichtigste Änderung in Kapitel 38 zu finden. Dotierte Silizium-Wafer, ein zentrales Ausgangsmaterial für die Solarzellenproduktion, erhalten nun eine eigene Kennung.
* Neuer Code: 3818 00 11
* Beschreibung: Wafer aus dotiertem Silizium mit einer Dicke von höchstens 200 Mikrometern, rechteckig, auch mit geschnittenen oder abgerundeten Ecken.

Bisher wurden diese Artikel oft unter allgemeineren Codes für dotierte chemische Elemente geführt. Das machte es in Handelsstatistiken schwer, Solar-Wafer von anderen Halbleitermaterialien zu unterscheiden.

Klare Zuordnung für Windkraft-Teile

Die Windenergiebranche erhält gezielte Aktualisierungen in Kapitel 73 und 84. Spezifische Turbinenteile werden nun von Kategorien für allgemeinen Maschinenbau und Konstruktionsstahl getrennt.
* Windturmteile: 7308 20 10 (Rohrtürme und Turmsektionen aus Stahl).
* Rotorblätter: 8412 90 60 (Flügel für Windkraftanlagen).

Diese Änderungen schließen eine Lücke: Bislang wurden Windradkomponenten oft mit allgemeinem Baustahl oder generischen Motorteilen zusammengefasst. Das verschleierte das wahre Ausmaß der Importe für erneuerbare Infrastruktur.

Strategischer Hintergrund: Mehr Transparenz für grüne Lieferketten

Die neuen Codes sind nicht nur bürokratischer Natur. Sie stehen im Einklang mit dem Net Zero Industry Act der EU und dem Bestreben nach Energiesouveränität. Indem diese Produkte in den Handelsdaten isoliert werden, können politische Entscheidungsträger nun die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern für kritische Infrastruktur präzise nachverfolgen.

Handelsexperten zufolge behinderte der Mangel an spezifischen Codes bisher die Fähigkeit der EU, gezielte Handelsabwehrmaßnahmen zu ergreifen oder Schwachstellen in Lieferketten effektiv zu analysieren. Die neue Datengranularität wird fundiertere Entscheidungen über Anti-Dumping-Zölle und strategische Partnerschaften ermöglichen.

Neben PV und Wind führt das Update 2026 auch neue Codes für Materialien der Batterie-Lieferkette ein, darunter Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide (2841 90 40) und künstlicher Graphit (3801 10 10).

Das müssen Unternehmen jetzt beachten

Zollspediteure und Logistikmanager sind aufgefordert, ihre ERP-Systeme und Stammdaten umgehend zu aktualisieren. Die Verwendung veralteter Codes aus der Nomenklatur 2025 führt zur Zurückweisung der Zollerklärungen.

Dringende Handlungsschritte:
* Klassifizierung prüfen: Stellen Sie sicher, dass Produkte, die bisher unter generischen “Teile”-Überschriften liefen, die technischen Spezifikationen der neuen Unterpositionen erfüllen (z.B. die 200-Mikrometer-Dickenbegrenzung für PV-Wafer).
* Lieferantenerklärungen aktualisieren: Langfristige Lieferantenerklärungen (LLE) aus dem Jahr 2025 müssen möglicherweise erneuert werden, wenn sich der zugrundeliegende Zollcode geändert hat.
* Zollverbindliche Auskünfte überprüfen: Unternehmen, die über Binding Tariff Information (BTI)-Bescheide verfügen, sollten prüfen, ob diese von den Änderungen betroffen sind.

Erste Daten und mögliche Folgen

Die ersten aussagekräftigen Daten aus der neuen Erfassung werden für das zweite Quartal 2026 erwartet. Marktbeobachter rechnen damit, dass die verbesserte Transparenz noch in diesem Jahr weitere regulatorische Maßnahmen nach sich ziehen könnte. Denkbar sind Anpassungen am Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) oder präzisere Ursprungsregeln für “Made in EU”-Grüntechnologie. Für Unternehmen hat zunächst die reibungslose Umstellung auf die neuen Standards Priorität, um Handelsströme aufrechtzuerhalten.

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