Neolix, Roboter-Lieferwagen

Neolix X1: Roboter-Lieferwagen erobert die letzten 100 Meter

07.01.2026 - 14:04:12

Neolix präsentiert auf der CES 2026 den X1, der autonom in Gebäude fährt und Pakete bis an den Schreibtisch liefert. Eine neue Partnerschaft mit Luxmea ebnet den Weg für den europäischen Markt.

Ein chinesischer Hersteller löst das größte Problem der autonomen Logistik: die Zustellung bis zur Haustür. Auf der CES 2026 in Las Vegas hat Neolix den X1 präsentiert – ein kompaktes Fahrzeug, das nicht nur auf der Straße, sondern auch in Gebäuden fährt. Es navigiert durch Lobbys, bedient Aufzüge und liefert Pakete bis direkt an den Schreibtisch. Diese „letzten 100 Meter“ sind bislang der teuerste und aufwendigste Teil jeder Lieferkette.

Vom Bürgersteig in den Aufzug: So funktioniert der X1

Während die bestehenden Modelle X3 und X6 von Neolix bereits Nachbarschaften und Straßen autonom bedienen, attackiert der X1 die „vertikale Herausforderung“ der Stadtlogistik. Das Fahrzeug ist deutlich kleiner und wendiger konstruiert. Es passt in Standardaufzüge und kann Rampen befahren.

Die Schlüsseltechnologie ist das proprietäre „mapless“ Level-4-Autonomiesystem. Es verzichtet auf vorab gescannte HD-Karten. Stattdessen navigiert es in Echtzeit mittels eigener Sensorik. Das ermöglicht es dem Roboter, sich dynamisch an unvorhergesehene Hindernisse in Innenräumen anzupassen – sei es ein voller Empfangsbereich oder eine Baustelle im Flur.

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Experten sehen im X1 das fehlende Puzzleteil für ein vollautomatisches Relais-System. Größere X6-Fahrzeuge könnten als mobile Verteiler-Hubs fungieren. Von dort aus übernehmen dann die kleinen X1-Einheiten die finale Zustellung ins Gebäudeinnere. Dieses „Mutterschiff“-Konzept würde die Parkzeiten der Lieferwagen reduzieren und gleichzeitig den Komfort für den Empfänger maximieren.

Europa-Offensive mit Partner Luxmea

Der Marktstart wird von einer strategischen Europa-Expansion begleitet. Bereits am 4. Januar gab Neolix eine Partnerschaft mit Luxmea bekannt, einem führenden europäischen Anbieter für elektrische Lastenräder und Mobilitätslösungen. Ziel ist der Einsatz der Neolix-Autonomietechnik im bestehenden Luxmea-Netzwerk, das über 550.000 elektrische Cargo-Bikes umfasst.

Neolix liefert die KI-gesteuerte Fahrsoftware, um das urbane Logistikangebot von Luxmea aufzurüsten. Die Allianz zielt gezielt auf den komplexen europäischen Markt. In historischen Innenstädten mit Umweltzonen sind große Lieferwagen oft tabu. Die Kombination aus lokaler Expertise und autonomer Technik soll ein hybrides Ökosystem schaffen, das EU-Nachhaltigkeitsziele und ECE-Vorschriften erfüllt.

Für Neolix ist dies der Schlüssel zur Globalisierung. Statt eine eigene Flotte in Europa aufzubauen, nutzt das Unternehmen die bestehende Infrastruktur von Luxmea. Die Integration könnte die Einführung „smarter“ Stadtlogistik in Metropolen wie Berlin, Amsterdam oder Paris deutlich beschleunigen.

Offene Standards und massive Finanzierung

Parallel zum Produktlaunch trat Neolix der Autoware Foundation als Premium-Mitglied bei. Das Unternehmen bringt seine kommerziellen Erfahrungen und „mapless“-Navigation in die Open-Source-Arbeitsgruppe für Langsamverkehr ein. Dieser Schritt unterstreicht den Willen zur Standardisierung.

Im Rücken hat Neolix einen finanziellen Kraftakt. Im Oktober 2025 sicherte sich das Unternehmen in einer Series-D-Runde über 600 Millionen US-Dollar – die bislang größte private Finanzierung in Chinas autonomer Fahrbranche. Das Kapital fließt in die Entwicklung des X1 und den Ausbau des Werks in Yancheng. Die angestrebte Jahreskapazität liegt bei 30.000 Einheiten.

Die globale Flotte von Neolix umfasst bereits über 15.000 Fahrzeuge in 15 Ländern. Mit dem X1 will der Hersteller nun besonders dicht besiedelte Märkte wie Singapur oder die VAE erobern. In Hochhaus-Gebieten ist die Lieferung bis zur Straße für Verbraucher oft unpraktisch.

Kann der Roboter die Tür öffnen?

Die Einführung des X1 markiert einen Reifegrad in der autonomen Lieferbranche. Es geht nicht mehr um die Neuheit „Roboter auf dem Gehweg“, sondern um die Lösung eines konkreten, kostenintensiven Problems. Der manuelle Aufwand für Parken, Gebäudebetreten und Suche schluckt einen überproportionalen Teil der Zeit und Kosten.

Neolix positioniert sich damit nicht nur als Fahrzeugbauer, sondern als Full-Service-Logistikanbieter. Die nahtlose Übergabe eines Pakets vom X3 auf der Straße an den X1 im Gebäude – ganz ohne menschliches Zutun – könnte die Wirtschaftlichkeit von Essens- und Paketzustellung grundlegend verändern.

Die größte Hürde bleibt jedoch die Interoperabilität mit der Gebäudeinfrastruktur. Automatische Türen, Aufzugsanbindungen und Zugangskontrollen müssen reibungslos mit dem Roboter kommunizieren. Hier stehen noch komplexe Abstimmungen mit Hausverwaltungen und Technikherstellern aus.

Pilotprogramme in ausgewählten „KI-ready“-Stadtvierteln sollen noch in diesem Jahr starten. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, ob die Technologie die Unvorhersehbarkeit des Innenraumverkehrs zuverlässig meistern kann. Gelingt es, könnte der Neolix X1 zum Standard für die Logistik in den vertikalen Städten der Zukunft werden.

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