Nebenerwerbsgründungen, Freiheiten

Nebenerwerbsgründungen 2026: Neue Freiheiten, schärfere Fallstricke

03.02.2026 - 10:17:11

Ein Gerichtsurteil verschärft die Kontrolle von Scheinarbeitsverhältnissen, während neue Steuergrenzen finanzielle Spielräume eröffnen. Gründer müssen sich auf ein komplexes Regelwerk einstellen.

Die deutsche Gründerszene boomt, doch für Tausende „Hybrid-Unternehmer“ mit Hauptjob wird das Nebengeschäft zur rechtlichen Gratwanderung. Ein aktuelles Gerichtsurteil und neue Steuerregeln zeichnen ein widersprüchliches Bild: mehr finanzieller Spielraum, aber deutlich schärfere Kontrollen.

Gericht stoppt „Scheinarbeitsverhältnisse“ in der eigenen GmbH

Ein Paukenschlag für Gründer kam Ende Januar vom Hessischen Landessozialgericht. Es verweigerte einem GmbH-Geschäftsführer und Mitgesellschafter Kurzarbeitergeld und stufte sein Arbeitsverhältnis im eigenen Unternehmen als „Scheinarbeitsverhältnis“ ein. Das Urteil (Az. L 7 AL 5/23) sendet eine klare Warnung an alle, die sich oder Familienmitglieder in ihrer eigenen Kapitalgesellschaft anstellen.

Die Richter argumentierten, dass trotz formellen Arbeitsvertrags die tatsächliche Arbeitsrealität die nötige Abhängigkeit eines normalen Angestellten vermissen ließ. Juristen deuten das Urteil als Signal für eine härtere Gangart der Sozialgerichte. Künftig müssen „interne“ Anstellungsverhältnisse in GmbH oder UG einem strengen Statusfeststellungsverfahren standhalten. Ein Papiervertrag allein genügt nicht mehr.

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Finanzielle Spielräume weiten sich – aber zu welchem Preis?

Zwar zieht die Justiz die Schrauben an, die finanziellen Rahmenbedingungen für 2026 bieten jedoch neuen Spielraum. Die Minijob-Grenze ist mit dem gestiegenen Mindestlohn auf 603 Euro monatlich geklettert. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro, was Einzelunternehmern mehr steuerfreies Einkommen beschert.

Doch der Teufel steckt im Detail. Der durchschnittliche Krankenkassen-Zusatzbeitrag ist auf 2,9 Prozent gestiegen. Für Nebenerwerbsgründer, die die Versicherungspflichtgrenze überschreiten, bedeutet das spürbar höhere Abzüge. Die versprochene Entlastung wird so zur Milchmädchenrechnung.

Kleinunternehmer-Regelung: Die neue 100.000-Euro-Falle

Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Kleinunternehmerregelung. Die Umsatzgrenze für das laufende Jahr wurde zwar verdoppelt – auf 100.000 Euro. Doch wer sie überschreitet, fällt sofort und rückwirkend aus der Regelung. Die bequeme Übergangsfrist gibt es nicht mehr.

„Das ist eine harte Bremse für unerwartet erfolgreiche Nebengeschäfte“, warnt ein Steuerberater aus Frankfurt. „Früher konnte man das Jahr oft noch umsatzsteuerfrei beenden. Heute beginnt die Pflicht zur Vorsteuerabzug im Moment der Grenzüberschreitung.“ Unvorbereitete Gründer riskieren böse Nachzahlungen.

Bürokratieabbau? Gründer klagen über „Compliance-Minenfeld“

Trotz des Bürokratieentlastungsgesetzes IV mit kürzeren Aufbewahrungsfristen bleibt der administrative Aufwand die größte Klage der Gründer. Die komplexe Gemengelage aus neuer Minijob-Grenze, höheren Krankenkassenbeiträgen und schärferen Status-Regeln für Geschäftsführer schaffe ein undurchdringliches Dickicht.

Hinzu kommt die schleppende Digitalisierung. Zwar müssen seit 2025 alle Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Das Versenden in Papierform ist für Kleinunternehmer aber noch bis Ende 2026 erlaubt. Verbände wie der DIHK raten dennoch zur raschen Umstellung, bevor 2027 die verbindliche Pflicht für alle kommt.

Was kommt 2026 auf Hybrid-Gründer zu?

Experten rechnen mit weiteren richterlichen Klarstellungen. Der Bundesarbeitsgericht könnte noch in diesem Jahr über die Zulässigkeit von Nebentätigkeiten während der Arbeitszeit im Homeoffice entscheiden – ein brisantes Thema im Zeitalter des „Polyworkings“.

Die Empfehlung für alle, die in diesen Wochen starten, ist eindeutig: Verlassen Sie sich nicht auf veraltete Musterverträge oder Steuertipps von vor einem Jahr. Dokumentieren Sie von Anfang an minutiös Ihre unternehmerische Tätigkeit und behalten Sie die Umsatzentwicklung im Auge. Sonst wird aus dem Traum vom Nebenerwerb schnell ein teurer Albtraum.

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