National Instruments ist Geschichte – was der NTES-Einstieg für Anleger jetzt bedeutet
06.01.2026 - 14:20:10Wer heute unter dem alten Kürzel NATI nach National Instruments sucht, blickt ins Leere: Die US-Mess- und Automatisierungsspezialisten sind nach der Übernahme durch Emerson Electric vollständig von der Börse verschwunden. Für Anleger, die das Papier als Technologiewert im Depot hielten oder einen Neueinstieg planten, stellt sich damit die Frage: Wohin mit dem investierten oder freigewordenen Kapital – und welche Rolle kann die als Ersatz betrachtete NTES-Aktie des chinesischen Internet- und Gaming-Konzerns NetEase künftig spielen?
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Formal existiert die National-Instruments-Aktie (ISIN US63361B1026) nicht mehr als handelbares Wertpapier. Das Unternehmen wurde von Emerson Electric übernommen, die NATI-Notierung abgewickelt, und Altaktionäre wurden in bar abgefunden. Wer vor rund einem Jahr noch NATI im Depot hatte, realisierte damit im Regelfall einen soliden Aufschlag gegenüber früheren Kursniveaus – der Aufpreis, den Emerson für die vollständige Kontrolle zahlte, war der klassische Übernahmebonus.
Simuliert man das Szenario aus Sicht eines langfristig orientierten Tech-Anlegers, fällt der Ein-Jahres-Rückblick daher zweigeteilt aus: Auf der einen Seite steht der Abschluss des Investments mit einem Übernahmegewinn gegenüber den Notierungen vor der Offerte. Auf der anderen Seite entsteht eine Lücke im Portfolio – ein spezialisierter Messtechnikwert mit solider Industrie- und Elektronik-Exposure fällt weg. Wer den Erlös nicht einfach in breite Indizes wie den S&P 500 oder Nasdaq-ETFs umschichten will, orientiert sich häufig an funktionalen Alternativen im Technologie-Universum. Hier rückt für viele Research-Häuser der chinesische Plattform- und Gaming-Konzern NetEase, an der Nasdaq unter dem Kürzel NTES gelistet, als Ersatzkandidat in den Blick, obwohl Geschäftsmodell und regionale Risikostruktur deutlich anders gelagert sind.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den letzten Tagen sorgten rund um NATI selbst keine neuen Unternehmensmeldungen mehr für Bewegung – das Kapitel National Instruments ist börslich abgeschlossen, relevante Kurse existieren nur noch in historischen Datenbanken. Die Analysetätigkeit der großen Banken hat sich längst von NATI gelöst und fokussiert sich stattdessen auf den Käufer Emerson Electric sowie auf Sektorpeers im Industrie- und Halbleiterumfeld. An der Oberfläche mag der Eindruck einer technischen Ruhephase entstehen, de facto handelt es sich jedoch um den Endpunkt eines klassischen M&A-Zyklus: Die Story, die einst auf eigenständiges Wachstum, Margenverbesserung und technologische Differenzierung setzte, ist im Konzernverbund von Emerson aufgegangen.
Gleichzeitig verlagert sich der Blick institutioneller Investoren zunehmend auf Alternativen im Technologiesektor. In Research-Kommentaren der vergangenen Wochen taucht in diesem Zusammenhang immer wieder NetEase (NTES) auf – nicht als direkter Ersatz für die Mess- und Automatisierungswelt von National Instruments, wohl aber als renditestarker, wachstumsorientierter Technologiewert. Während NATI ein klassischer Industrie-Zulieferer mit hoher Kundenbindung in Elektronik, Automotive und Forschung war, positioniert sich NetEase als einer der führenden Anbieter von Online-Spielen, digitalen Dienstleistungen und Cloud-nahen Plattformangeboten in China. Der gemeinsame Nenner aus Anlegersicht: Beide Werte gehören zur erweiterten Technologie-Sphäre, beide sind stark forschungsgetrieben und abhängig von regulativen Rahmenbedingungen in ihren Kernmärkten – damals in den USA und Europa, heute bei NTES vor allem in China.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Für NATI selbst liegen keine aktuellen Analystenurteile mehr vor; sämtliche Ratings wurden im Zuge der Übernahme zurückgezogen. Entscheidend ist daher, wie die Finanzcommunity die potenzielle Ersatzposition NTES beurteilt. In den vergangenen Wochen haben mehrere große Banken und Brokerhäuser ihre Einschätzungen zu NetEase erneuert oder bestätigt. Der Tenor ist überwiegend positiv: Zahlreiche Häuser führen die Aktie weiterhin mit einem Votum im Bereich "Kaufen" oder "Übergewichten". Begründet wird dies vor allem mit der starken Marktstellung im chinesischen Gaming-Sektor, einer soliden Bilanzstruktur und anhaltend hohen Cashflows aus dem Kerngeschäft.
Die Kursziele der Analysten liegen im Mittel deutlich über den zuletzt gehandelten Notierungen der NTES-Aktie, was aus Bewertungssicht auf ein überwiegend bullisches Sentiment schließen lässt. Einige US-Investmentbanken verweisen darauf, dass NetEase trotz der in China verschärften Regulierung des Online-Spielemarktes in der Lage war, neue Titel erfolgreich zu lancieren, die Nutzerbasis zu stabilisieren und gleichzeitig die Profitabilität zu sichern. Europäische Häuser wie etwa große deutsche und schweizerische Banken heben in ihren Einschätzungen zudem die Diversifizierung hin zu Bildungs- und Musikplattformen hervor, die mittelfristig für zusätzliche Wachstumsimpulse sorgen könne. Dass die Kursziele teils zweistellige Prozentaufschläge gegenüber den letzten Schlusskursen implizieren, zeigt, dass der Markt dem Geschäftsmodell weiterhin beträchtliches Potenzial zutraut – bei gleichzeitiger Anerkennung der politischen und regulatorischen Risiken im chinesischen Heimatmarkt.
Ausblick und Strategie
Für ehemalige NATI-Aktionäre und interessierte Technologiewerte-Anleger stellt sich damit eine strategische Kernfrage: Soll der frei gewordene Übernahmeerlös in einen wachstumsstarken, aber deutlich volatileren Internet- und Gaming-Titel wie NTES umgeschichtet werden, oder bleibt man im vertrauten Terrain westlicher Industrie- und Halbleiterwerte? Klar ist: Das Risikoprofil unterscheidet sich fundamental. Während National Instruments durch langlaufende Kundenbeziehungen, hohe Eintrittsbarrieren in der Messtechnik und eine vergleichsweise stabile Nachfrage geprägt war, bewegen sich NetEase-Anleger in einem Umfeld, das stark von Konsumentenstimmung, Spieltrends und regulatorischen Eingriffen abhängt.
Strategisch sinnvoll kann eine NTES-Position vor allem für Investoren sein, die ihr Portfolio geografisch diversifizieren und an der strukturellen Wachstumsgeschichte des chinesischen Online-Entertainment-Marktes partizipieren wollen. Gleichzeitig sollte die Gewichtung maßvoll bleiben und im Kontext des Gesamtportfolios betrachtet werden – gerade institutionelle Investoren begrenzen ihr Exposure in chinesischen Technologiewerten oft aus Risikogesichtspunkten. Eine weitere Option für Anleger, die den Charakter von NATI im Depot reproduzieren möchten, ist die Hinwendung zu vergleichbaren Industrie- und Messspezialisten in den USA, Europa oder Asien, die nicht im Zentrum geopolitischer Spannungen stehen.
Für die kommenden Monate zeichnet sich damit ein zweigleisiger Pfad ab: Auf der einen Seite dürften die NATI-Altaktionäre endgültig Bilanz ziehen und die Übernahme durch Emerson Electric als abgeschlossene Episode verbuchen. Auf der anderen Seite dürfte die Diskussion um sinnvolle Ersatzinvestments im Technologie- und Industrieumfeld anhalten – mit NTES als einem prominenten, wenn auch nicht risikofreien Kandidaten. Entscheidend wird sein, ob NetEase es schafft, Wachstum und Margen im Einklang mit einem zunehmend regulierten chinesischen Digitalmarkt zu halten. Gelingt dies, könnte NTES für risikobewusste, aber chancenorientierte Anleger eine interessante Alternative zum inzwischen untergegangenen Börsenkapitel National Instruments sein.


