National Bank of Greece: Zwischen Kursrally, Dividenden-Comeback und Reformstory
18.01.2026 - 18:22:41Die National Bank of Greece S.A. steht sinnbildlich für den tiefgreifenden Wandel des griechischen Finanzsektors: Vom Krisenfall zum Börsenliebling. Während europäische Bankenwerte insgesamt ein gemischtes Bild abgeben, hat sich die Aktie der größten Privatbank Griechenlands in den vergangenen Monaten deutlich besser entwickelt als viele Wettbewerber. An der Börse spiegelt sich eine Kombination aus sich stabilisierender Wirtschaft, aufgeräumten Bilanzen und wachsendem Anlegervertrauen wider – allerdings nach einem starken Lauf auch mit steigenden Erwartungen und damit einhergehenden Risiken.
Zum jüngsten Handelstag notierte die Aktie der National Bank of Greece (ISIN GRS003003035) nach Daten von Yahoo Finance und der Athener Börse (ATHEX) bei rund 9,90 Euro. Die Angaben beider Quellen liegen eng beieinander; die herangezogenen Kurse beziehen sich auf den jeweils letzten verfügbaren Handelsschluss. Auf Fünf-Tages-Sicht präsentiert sich der Kurs weitgehend seitwärts mit leichten Ausschlägen nach oben und unten – ein Zeichen dafür, dass der Markt nach einer kräftigen Rally der vergangenen Monate eine Verschnaufpause einlegt.
Der mittelfristige Trend bleibt dagegen klar positiv: Über einen Zeitraum von rund drei Monaten weist die Aktie laut Kursdaten von finanzen.net und Yahoo Finance einen kräftigen Zugewinn im zweistelligen Prozentbereich aus. Auch die 52?Wochen-Spanne unterstreicht die Trendwende: Zwischen dem Jahrestief im Bereich um 5 Euro und einem Jahreshoch nahe der aktuellen Region um 10 Euro hat sich der Wert nahezu verdoppelt. Das Sentiment lässt sich trotz kurzfristiger Konsolidierung als überwiegend bullisch beschreiben.
Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario
Wer vor etwa einem Jahr in die Aktie der National Bank of Greece eingestiegen ist, dürfte heute mehr als zufrieden sein. Der Schlusskurs lag damals nach Datenabgleich zwischen der Athener Börse, Yahoo Finance und Investing.com bei rund 5,50 Euro. Gemessen am jüngsten Schlusskurs von etwa 9,90 Euro hat sich das Papier damit um ungefähr 79 Prozent verteuert.
Rechnerisch ergibt sich ein Kursplus von rund 4,40 Euro pro Aktie. Teilt man diesen Zuwachs von 4,40 Euro durch den damaligen Kurs von 5,50 Euro, resultiert eine Performance von rund 80 Prozent – ohne Berücksichtigung etwaiger Dividenden. Für langfristig orientierte Anleger, die nach Jahren der Skepsis wieder Vertrauen in den griechischen Bankensektor gefasst haben, hat sich dieser Mut ausgezahlt. Wer dagegen angesichts der Erinnerungen an die Euro- und Schuldenkrise gezögert hat, blickt heute auf eine verpasste Chance.
Interessant ist zudem, dass sich die überdurchschnittliche Ein-Jahres-Performance nicht nur gegenüber dem Athener Leitindex ASE, sondern auch im Vergleich zu vielen großen Eurozonen-Banken abhebt. Während Institute aus Kernländern der Währungsunion vielfach mit strukturellem Margendruck und stagnierenden Erträgen kämpfen, profitiert die National Bank of Greece von einem Nachholeffekt in einer sich erholenden Volkswirtschaft und einer noch immer vergleichsweise niedrigen Marktbewertung.
Aktuelle Impulse und Nachrichten
In den vergangenen Tagen wurde der Kurs der National Bank of Greece vor allem von zwei Faktoren bewegt: soliden Geschäftszahlen und dem wiederauflebenden Dividendenthema. Finanzportale wie Reuters, Bloomberg und griechische Wirtschaftsmedien berichteten jüngst, dass die Bank ihre Profitabilität im zurückliegenden Quartal weiter steigern konnte. Steigende Zinseinnahmen, sinkende Risikovorsorgeaufwendungen und ein weiterer Rückgang notleidender Kredite (Non Performing Exposures, NPE) sorgten für einen robusten Ergebnisbeitrag. Der Konzern bestätigte dabei, dass die Kapitalquoten deutlich über den aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen liegen und der Abbau der Altlasten aus der Krisenzeit schneller als ursprünglich geplant voranschreitet.
Vor wenigen Tagen stand zudem die Investorenkommunikation im Fokus, nachdem das Management seinen mittelfristigen Geschäftsplan bekräftigt und zugleich die Perspektive auf eine attraktivere Ausschüttungspolitik geschärft hat. Mehrere Medienberichte – darunter Analysen auf finanzen.net und Hinweise in internationalen Agenturmeldungen – hoben hervor, dass die National Bank of Greece nach Jahren der Zurückhaltung beim Thema Dividende wieder zur Normalität zurückkehrt. Für Anleger ist dies ein wichtiges Signal: Es untermauert die Wahrnehmung, dass die Restrukturierungsphase weitgehend abgeschlossen ist und die Bank nun zunehmend in eine Phase nachhaltiger Ertragskraft und Kapitalrückführung eintritt. Kurzfristig sorgt das Dividenden-Comeback für zusätzliches Interesse, mittelfristig erhöht es aber auch den Druck, die angestrebten Renditeziele tatsächlich zu erreichen.
Das Urteil der Analysten & Kursziele
Die jüngste Bewertungswelle durch Analystenhäuser fällt überwiegend positiv aus. In den vergangenen Wochen haben mehrere internationale Investmentbanken ihre Einschätzungen aktualisiert. Nach öffentlich zugänglichen Konsensdaten von Reuters, Bloomberg und Investing.com liegt die Mehrzahl der Empfehlungen im Bereich "Kaufen" beziehungsweise "Übergewichten". Das durchschnittliche Kursziel bewegt sich im niedrigen zweistelligen Eurobereich und signalisiert aus Sicht der Analysten noch ein moderates Aufwärtspotenzial gegenüber dem jüngsten Börsenkurs.
So haben etwa große Häuser wie JPMorgan, Goldman Sachs und die Deutsche Bank in neuesten Studien den strukturellen Fortschritt der Bank hervorgehoben. Sie verweisen insbesondere auf drei Punkte: erstens die deutliche Bereinigung der Bilanz von Problemkrediten, zweitens die im Branchenvergleich solide Kapitalausstattung und drittens die sich verbessernde Ertragsbasis im Heimatmarkt. Einzelne Analysten sehen die National Bank of Greece daher als Kerninvestment innerhalb des griechischen Bankensektors und betonen, dass der Markt die Qualität der Bilanz und die Ertragsperspektiven noch nicht vollständig einpreist.
Gleichzeitig mahnen einige Research-Abteilungen zur Vorsicht mit Blick auf die starke Kursrally der vergangenen Monate. In aktuellen Kommentaren ist vereinzelt von einem bereits anspruchsvollen Bewertungsniveau im historischen Vergleich die Rede. Während einige Analysten ihre Kursziele leicht angehoben haben, um der verbesserten Fundamentallage Rechnung zu tragen, bleiben andere bei einem eher neutralen Votum ("Halten"), da ein Großteil der Restrukturierungsstory aus ihrer Sicht im Kurs reflektiert ist. Einhellig ist jedoch der Hinweis, dass die weitere Kursentwicklung stark von der Umsetzung der strategischen Ziele und der makroökonomischen Entwicklung in Griechenland abhängen wird.
Ausblick und Strategie
Für die kommenden Monate stehen für die National Bank of Greece mehrere strategische Themen im Mittelpunkt. Auf der operativen Seite will das Management laut jüngsten Präsentationen seine Kostenbasis weiter straffen und gleichzeitig das Wachstum im Firmen- und Privatkundengeschäft forcieren. Digitalisierung, Effizienzprogramme im Filialnetz und der Ausbau gebührenbasierter Dienstleistungen – etwa im Zahlungsverkehr, im Vermögensmanagement und im Firmenkundengeschäft – sollen dazu beitragen, die Ertragsstruktur robuster zu machen und die Abhängigkeit vom Zinsüberschuss zu verringern.
Zentral für die Investmentstory bleibt der weitere Abbau notleidender Kredite. Zwar hat die Bank hier bereits erhebliche Fortschritte erzielt, doch der Kapitalmarkt wird genau verfolgen, ob die NPE-Quote wie angekündigt auf ein Niveau sinkt, das mit westeuropäischen Wettbewerbern vergleichbar ist. Gelingt dies, dürfte sich der Risikoabschlag auf die Aktie weiter verringern – ein wesentlicher Treiber für eine mögliche Neubewertung. Umgekehrt könnte ein Wiederanstieg von Kreditausfällen infolge eines konjunkturellen Rückschlags in Griechenland oder einer Verschlechterung der Zinsumgebung das Vertrauen der Investoren belasten.
Makroökonomisch ist die Bank eng mit der Entwicklung der griechischen Volkswirtschaft verflochten. Eine Fortsetzung der Reformagenda, weitere Fortschritte beim Schuldenabbau des Staates und ein stabiler Zufluss ausländischer Investitionen würden das Umfeld für die Kreditvergabe und die Qualität der Aktiva verbessern. Analysten verweisen zudem auf mögliche positive Impulse durch EU-Fördermittel und Investitionsprogramme, die in den nächsten Jahren in Infrastruktur, Energie und Digitalisierung fließen sollen. Die National Bank of Greece dürfte von dieser Investitionswelle als zentrale Finanzierungsquelle profitieren.
Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob nach der starken Rally noch Einstiegschancen bestehen. Aus Bewertungssicht erscheint die Aktie – gemessen an Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis, wie sie von Finanzportalen ausgewiesen werden – zwar nicht mehr so günstig wie in der tiefsten Krisenphase, liegt aber weiterhin unter dem Niveau vieler großer Eurozonen-Banken. Wer investiert, setzt darauf, dass Griechenland seinen Reformkurs beibehält, die Bank ihre Profitabilitätsziele erreicht und Dividenden sowie mögliche Aktienrückkäufe zu einem attraktiven Gesamtpaket formen.
Vorsichtige Anleger werden darauf achten, Rücksetzer im Zuge allgemeiner Marktvolatilität oder kurzfristiger Gewinnmitnahmen abzuwarten, um Positionen aufzubauen. Kurzfristig könnte die Aktie in eine Phase technischer Konsolidierung eintreten, nachdem sie sich auf Sicht eines Jahres fast verdoppelt hat. Mittel- bis langfristig hängt das weitere Potenzial maßgeblich davon ab, ob die National Bank of Greece ihre Rolle als stabile, gut kapitalisierte Universalbank in einem sich modernisierenden Griechenland festigt. Gelingt dies, könnte die Aktie trotz aller zyklischen Schwankungen ein spannendes Vehikel bleiben, um an der Fortsetzung der griechischen Erholungsstory teilzuhaben.


