Frankfurt Schluss: Weitere Gewinnmitnahmen im Dax nach Rekordjagd
16.01.2026 - 18:04:25Der Dax DE0008469008 fiel um 0,22 Prozent auf 25.297,13 Punkte. Seit einer Reihe von Rekorden bis zu einer Bestmarke von 25.507 Zählern am Dienstag stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Auf Wochensicht ist der deutsche Leitindex kaum vom Fleck gekommen. Für den MDax DE0008467416 der mittelgroßen Börsenwerte ging es 0,14 Prozent tiefer mit 31.899,26 Punkten ins Wochenende.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht darin lediglich eine Verschnaufpause: "Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran mussten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen." Die USA drohten dem iranischen Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. US-Präsident Trump zieht außerdem Strafzölle für jene Länder in Erwägung, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen.
Aus Sicht von Marktexperte Marcel Mußler konkurriert derzeit der kurzfristige Abwärtstrend mit dem steilen Rallytrend seit Mitte Dezember. So trieb zuvor vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft die Kurse an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Obendrein nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
Der EuroStoxx 50 EU0009658145 büßte am Freitag 0,19 Prozent auf 6.029,45 Punkte ein. Außerhalb der Euroregion gab der britische FTSE 100 GB0001383545 ebenfalls leicht nach, der Schweizer SMI CH0009980894 fiel sogar fast ein halbes Prozent. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial US2605661048 bewegte sich zum europäischen Handelsschluss kaum. Wegen eines Feiertags am Montag steht in den USA ein langes Wochenende bevor.
Auf Unternehmensseite stand hierzulande zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co DE000KC01000 im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel US9821041012 bietet 11 Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Großaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um 28,2 Prozent auf 11,04 Euro nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil aufwärts gegangen.
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Am Dax-Ende verloren Brenntag DE000A1DAHH0 und BASF DE000BASF111 vier beziehungsweise 3,7 Prozent, im MDax gerieten Evonik DE000EVNK013, Wacker Chemie DE000WCH8881 und Lanxess DE0005470405 unter Druck.
Gefragt waren auf der anderen Seite Papiere von Unternehmen, die von der Energiewende und dem Ausbau von Künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy DE000ENER6Y0 gewannen vorne im Dax 6,3 Prozent, für Versorger RWE DE0007037129 ging es um 1,5 Prozent nach oben. Ihm kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.
Für die Anteilsscheine von K+S ging es dagegen um 4,6 Prozent bergab, womit die Anleger ihre jüngsten Gewinnmitnahmen beim Kalidünger-Konzern ausweiteten. Für Belastung sorgte wohl Konkurrent Mosaic US61945C1036. Das US-Unternehmen berichtete von einer Nachfrageschwäche im vierten Quartal, die deutlicher als saisonal üblich ausgeprägt gewesen sei.
Die Aktien der Norma Group DE000A1H8BV3 litten unter einem skeptischen Analystenkommentar und gaben mit einem Minus von 6,3 Prozent einen Großteil ihre Jahresgewinne wieder ab. Die Anlagestory des Verbindungstechnik-Herstellers stehe auf dem Prüfstand, schrieb Pal Skirta vom Bankhaus Metzler in einer Studie. Er strich seine Kaufempfehlung und stuft die Papiere nun mit "Hold" ein.
Drägerwerk knüpften mit einem Anstieg um 11,7 Prozent an ihren starken Vortag an, an dem der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik mit Eckdaten und einem ersten Ausblick für 2026 überzeugt hatte. Am Freitag stufte Analyst Harald Hof von MWB Research die Aktien bei einem neuen Kursziel von 95 Euro auf "Buy" hoch. Die Prognose des Managements für 2026 deute auf eine stärkere Margendynamik hin als bisher angenommen, so der Experte./niw/nas
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

