Mitbestimmung, Produktivitätstreiber

Mitbestimmung wird zum deutschen Produktivitätstreiber

30.12.2025 - 08:52:11

Die Bundesregierung sieht in stärkerer betrieblicher Mitbestimmung einen Schlüssel gegen den Fachkräftemangel. Studien belegen höhere Produktivität in Unternehmen mit Betriebsräten.

Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen Fachkräftemangel auf mehr Mitbestimmung. Neue Studien belegen: Betriebe mit starken Arbeitnehmervertretungen sind produktiver.

Zum Jahresende 2025 rückt ein altes Thema neu in den wirtschaftspolitischen Fokus: die betriebliche Mitbestimmung. Auslöser sind Äußerungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium von diesem Dienstag. Sie stellen einen direkten Zusammenhang zwischen Teilhabe der Beschäftigten und ihrer Motivation her, länger zu arbeiten. Diese politische Initiative wird durch aktuelle Daten von Wirtschaftsforschungsinstituten gestützt.

Politik: Mehr Teilhabe statt späterer Rente

Das Wirtschaftsministerium argumentiert in der Rentendebatte mit einer neuen These. Eine rein mathematische Anhebung des Renteneintrittsalters reiche nicht aus. Entscheidend sei die Qualität der Arbeit. Wer über seine Arbeitsbedingungen mitentscheiden könne, entwickle eine höhere Bindung an den Job. Diese „psychologische Eigentümerschaft“ schütze vor innerer Kündigung und frühem Ausstieg.

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Der Vorstoß zielt darauf, die festgefahrene Rentendiskussion aufzubrechen. Statt nur über Beitragsjahre zu streiten, lenkt er den Blick auf die Arbeitsplatzgestaltung. In der Regierungskoalition stößt dieser Ansatz auf Zustimmung. Er verbindet wirtschaftliche Notwendigkeiten mit gesellschaftlicher Teilhabe. Kritik kommt dagegen aus Teilen der Arbeitgeberverbände. Sie warnen vor zusätzlicher Regulierung.

Forschung belegt den „Mitbestimmungs-Bonus“

Die politische Forderung wird durch harte Zahlen untermauert. Eine aktuelle Analyse, basierend auf Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), zeigt klare Vorteile. Unternehmen mit Betriebsräten erzielen eine höhere Wertschöpfung pro Kopf als vergleichbare Betriebe ohne Mitbestimmung.

Die Forscher sehen einen kausalen Zusammenhang. Betriebsräte agieren als effektive Kommunikationskanäle. Sie sorgen dafür, dass Informationen aus der Belegschaft schneller beim Management landen. So können Fehlentscheidungen früher korrigiert werden. Besonders in Krisen zahlt sich das aus. Statt pauschalem Personalabbau finden mitbestimmte Unternehmen oft flexiblere Lösungen wie Arbeitszeitkonten.

  • Höhere Produktivität: Die gesteigerte Wertschöpfung überkompensiert die in der Regel höheren Löhne in diesen Betrieben.
  • Besseres Krisenmanagement: Gemeinsame Lösungen erhalten wertvolles Humankapital für den nächsten Aufschwung.
  • Indikator für Investoren: Starke Mitbestimmung gilt zunehmend als Zeichen für nachhaltiges Management und geringeres Risiko.

Die nächste Stufe: Finanzielle Beteiligung

Neben der Mitsprache rückt auch die finanzielle Teilhabe wieder in den Blick. Trotz des Zukunftsfinanzierungsgesetzes von 2024 hinkt Deutschland international hinterher. Vor allem der Mittelstand tut sich schwer, Mitarbeiterkapitalbeteiligung breit umzusetzen.

Dabei ist die Wirkung klar: Die Kombination aus Mitspracherecht und finanzieller Beteiligung erzeugt den stärksten Motivationseffekt. Für 2026 werden neue Initiativen erwartet, um Modelle auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu vereinfachen. Das Ziel ist, die Belegschaft als Mitunternehmer zu begreifen.

Neue Herausforderung Künstliche Intelligenz

Der rasante Einzug von KI in die Arbeitswelt verändert die Mitbestimmung grundlegend. Es geht nicht mehr nur um klassische Themen wie Schichtpläne. Im Fokus stehen jetzt Algorithmen zur Personalplanung oder Leistungsüberwachung.

Die Praxis hinkt hier oft der Gesetzeslage hinterher. Betriebsräte fordern zunehmend eine aktive Gestaltungsrolle bei der Einführung von KI-Systemen. Ihre größte Sorge ist die intransparente Nutzung von Beschäftigtendaten. Unternehmen, die ihre Betriebsräte früh einbinden, berichten von einer höheren Akzeptanz der Technologie in der Belegschaft. Mitbestimmung wirkt als Vertrauensanker.

Ausblick auf 2026: Qualität vor Quantität

Für das kommende Jahr zeichnen sich konkrete Entwicklungen ab. Die Bundesregierung könnte Vorschläge für eine Modernisierung des Betriebsverfassungsgesetzes vorlegen. Schwerpunkte wären Mitbestimmung bei KI und mobiler Arbeit.

Auch die Tarifrunden 2026 werden sich voraussichtlich verändern. Die Gewerkschaften dürften qualitative Forderungen in den Vordergrund stellen: mehr Zeitsouveränität und Mitsprache bei der Arbeitsorganisation statt reinem Lohnplus. Für Unternehmen wird die Botschaft klar: Wer seine Mitarbeiter als Partner begreift, gewinnt im Wettbewerb um Fachkräfte.

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