Mindestlohn, Aktivrente

Mindestlohn und Aktivrente: Die Compliance-Falle 2026 zuschnappen

11.01.2026 - 10:13:12

Der neue Mindestlohn, verschärfte Zeiterfassungspflichten und die Aktivrente erhöhen das persönliche Haftungsrisiko für Unternehmenslenker massiv. Einfache Fehler können zu hohen Bußgeldern führen.

Deutsche Unternehmen steuern auf eine perfekte rechtliche Sturmfront zu. Der neue Mindestlohn von 13,90 Euro, verschärfte Dokumentationspflichten und die Einführung der Aktivrente erhöhen das Haftungsrisiko für Geschäftsführer massiv. Ein simpler Fehler in der Zeiterfassung kann nun persönliche Konsequenzen haben.

Die unterschätzte Gefahr der 13,90 Euro

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Viele Firmen unterschätzen jedoch die indirekten Folgen. Durch die Erhöhung rücken mehr Beschäftigte in Branchen wie Logistik, Gastronomie oder Bau an die Grenze, ab der eine lückenlose Arbeitszeiterfassung Pflicht wird.

Das Problem: Wird die vertragliche Arbeitszeit nicht an den neuen Stundensatz angepasst, entsteht schnell „Phantom-Überstunden“. Die tatsächlich geleisteten Stunden, geteilt durch das Gehalt, fallen dann unter das gesetzliche Minimum. Die Konsequenzen sind drastisch. Neben Nachzahlungsansprüchen drohen Bußgelder von bis zu 500.000 Euro für Mindestlohnverstöße und bis zu 30.000 Euro für mangelhafte Dokumentation.

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Besonders heikel ist die Lage bei Minijobbern. Deren Verdienstgrenze stieg 2026 auf 603 Euro monatlich. Die maximal erlaubte Arbeitszeit hat sich damit verschoben. Wer hier nicht penibel die Zeiten dokumentiert, handelt sich schnell Ärger mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ein.

Persönliche Haftung: Das Damoklesschwert der Organhaftung

Die größte Neuerung für Geschäftsführer und Vorstände ist die verschärfte persönliche Haftung. Bei Verstößen gegen die Zeiterfassungspflicht können sie nun persönlich für nicht abgeführte Sozialversicherungsbeiträge haftbar gemacht werden.

Rechtsexperten warnen: Die Gnadenfrist für die Einführung elektronischer Zeiterfassungssysteme ist vorbei. Handschriftliche Listen oder Excel-Tabellen gelten in größeren Betrieben längst als Warnsignal für Prüfer. Selbst die „Vertrauensarbeitszeit“ ist keine Ausrede mehr. Nach Grundsatzurteilen des Bundesarbeitsgerichts ist Unwissenheit über die konkreten Arbeitszeiten keine Verteidigung. Die Systeme müssen „objektiv, verlässlich und zugänglich“ sein.

Kündigung von Azubis: Ein teures Risiko

Auch im Ausbildungsrecht werden die Hürden höher. Die Mindestausbildungsvergütung liegt im ersten Lehrjahr nun bei 724 Euro monatlich. Gleichzeitig bleibt eine Kündigung nach der Probezeit extrem schwierig. Sie ist nur aus „wichtigem Grund“ möglich, etwa bei schwerwiegendem Fehlverhalten.

Arbeitsgerichte verlangen einen strengen Abmahnprozess und den Nachweis, dass das Ausbildungsziel nicht mehr erreicht werden kann. Scheitert eine Kündigung vor Gericht, muss der Betrieb die Vergütung für die gesamte Dauer des Rechtsstreits zahlen – bei den neuen, höheren Sätzen ein enormes finanzielles Risiko.

Die Aktivrente: Neue Chancen, neue Fallstricke

Die große Neuerung im Januar 2026 ist die Aktivrente. Sie soll erfahrene Fachkräfte im Rentenalter im Job halten. Rentner können nun zusätzlich zu ihrer Rente bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen.

Für die Personalabteilungen bedeutet das jedoch erheblichen Mehraufwand. Die Einnahmen müssen monatsgenau erfasst werden, um die Steuerfreiheit korrekt anzuwenden. Wird die Grenze überschritten, greifen sofort die regulären Sozialversicherungspflichten. Ein Fehler im Lohnbüro kann hier teure Nachforderungen auslösen.

Was auf die Wirtschaft noch zukommt

Der Druck auf die Unternehmen wird 2026 voraussichtlich weiter stecken. Die mögliche Einführung eines Bundestariftreuegesetzes könnte öffentliche Aufträge an Tariftreue binden. Zudem steht die vollständige Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie an, die umfangreiche Offenlegungspflichten für Gehaltsstrukturen vorschreibt.

Die Botschaft der Rechtsanwälte an die Wirtschaft ist klar: Prüfen Sie jetzt Ihre Zeiterfassung und Arbeitsverträge. Was früher ein formaler Fehler war, ist heute ein existenzielles Geschäftsrisiko mit persönlicher Haftung für die Verantwortlichen. Die perfekte Compliance-Sturmfront ist da.

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