Mindestlohn steigt, ISO 9001 wird reformiert: Was 2026 für HR und Management bringt
03.01.2026 - 06:52:12Für Personaler und Qualitätsmanager beginnt das Jahr 2026 mit einer Mischung aus sofortigen Pflichten und strategischen Weichenstellungen. Während gesetzliche Änderungen bei Lohn und Zuständigkeiten direkt umgesetzt werden müssen, gewährt der Gesetzgeber bei der Digitalisierung eine Atempause. Doch im Hintergrund ticken die Uhren für eine überarbeitete ISO 9001 und neue KI-Regeln.
Personalabteilungen müssen Lohnsysteme anpassen
Die spürbarste Änderung trifft die Gehaltsabrechnung. Seit dem 1. Januar gilt ein neuer gesetzlicher Mindestlohn von 13,90 Euro. Diese Erhöhung zieht automatisch die Minijob-Grenze auf 603 Euro monatlich nach oben. Unternehmen müssen jetzt prüfen, ob bestehende Verträge und Arbeitszeiterfassungen den neuen Vorgaben entsprechen. Andernfalls droht eine ungewollte Sozialversicherungspflicht.
Gleichzeitig soll die neue Aktivrente dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Arbeitnehmer über der Regelaltersgrenze können nun bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Für Unternehmen wird es so attraktiver, erfahrene Mitarbeiter länger zu halten.
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Eine weitere Neuerung betrifft die Gerichtsbarkeit. Die Zuständigkeitsgrenze der Amtsgerichte wurde von 5.000 auf 10.000 Euro angehoben. Mehr zivilrechtliche Streitigkeiten – etwa um Lieferverträge – können nun dort verhandelt werden, wo kein Anwaltszwang herrscht. Das verspricht schnellere und kostengünstigere Verfahren.
Digitalisierung: Eine Gnadenfrist für die Steuerkommunikation
Kurz vor Jahresende korrigierte der Gesetzgeber seinen Kurs. Die geplante automatische digitale Zustellung von Steuerbescheiden („Digital First“) wurde verschoben. Statt 2026 greift die Widerspruchslösung erst ab dem 1. Januar 2027. Unternehmen gewinnen so ein Jahr Zeit, ihre digitalen Postfächer und Prozesse vorzubereiten.
Doch die Ruhe ist trügerisch. Der Fokus verschiebt sich auf die IT-Sicherheit. Die Umsetzung der europäischen NIS-2-Richtlinie steht bevor. Sie verpflichtet viele Unternehmen zu deutlich strengeren Sicherheitsmaßnahmen, auch in der Lieferkette. IT- und Einkaufsleiter müssen prüfen, ob ihre Partner die neuen Standards erfüllen.
Qualitätsmanagement steht vor größter Reform seit Jahren
Für Qualitätsverantwortliche beginnt 2026 die heiße Phase. Die Revision der ISO 9001 steht an, die voraussichtlich im Herbst als ISO 9001:2026 erscheint. Der Entwurf liegt bereits vor.
Die Neufassung bedeutet keine Revolution, aber wichtige strategische Anpassungen. Kern ist die „Harmonized Structure”, die eine bessere Verzahnung mit anderen Managementsystemen wie der ISO 27001 für Informationssicherheit ermöglicht. Neu ist auch die feste Verankerung des Themas Klimawandel. Unternehmen müssen künftig bewerten, ob sich Klimarisiken auf ihre Qualitätsziele auswirken.
Experten raten, im ersten Quartal eine erste Gap-Analyse auf Basis des Entwurfs durchzuführen. Bestehende Zertifikate nach der Norm von 2015 behalten zwar ihre Gültigkeit, doch die Vorbereitung sollte jetzt starten.
Einkauf und KI: Agenten verhandeln, Gesetze regulieren
In der Materialwirtschaft zeichnet sich ein Technologiesprung ab. Sogenannte Agentic AI – autonome KI-Agenten – könnten künftig eigenständig Verhandlungen führen oder Bestellungen optimieren. Parallel dazu müssen sich Unternehmen auf den EU AI Act vorbereiten. Ab August 2026 gelten strenge Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme. Wer KI etwa im Recruiting oder der Lieferantenbewertung einsetzt, muss bis dahin Compliance-Strukturen schaffen.
Auch beim Lieferkettengesetz (LkSG) gibt es Bewegung. Eine geplante Novelle soll die Berichtspflichten vereinfachen, bevor 2028 die europäische CSDDD-Richtlinie kommt. Einkaufsleiter sollten die Entwürfe genau verfolgen, um Doppelarbeit zu vermeiden.
PS: Einkauf und IT stehen vor neuen Vorgaben durch die EU‑KI‑Regelungen. Wer Agentic AI im Einkauf, Recruiting oder bei der Lieferantenbewertung einsetzt, muss Kennzeichnungs-, Dokumentations- und Compliance‑Pflichten erfüllen. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zur KI‑Verordnung erklärt praxisnah Risikoklassen, Pflichten und Übergangsfristen – damit Ihre KI‑Projekte rechtssicher bleiben und Sie teure Nachbesserungen vermeiden. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen


