Mindestlohn-Erhöhung soll Gender-Pay-Gap in Deutschland verringern
22.01.2026 - 18:33:12Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro soll die hartnäckige Lohnlücke zwischen Männern und Frauen spürbar verkleinern. Seit dem Jahreswechsel profitieren Millionen Beschäftigte, vor allem Frauen im Niedriglohnsektor, von der konkreten Gehaltsverbesserung. Experten sehen darin einen entscheidenden Hebel im Kampf für mehr Lohngerechtigkeit.
Gezielter Angriff auf den Niedriglohnsektor
Die Anhebung auf 13,90 Euro brutto pro Stunde ist mehr als nur eine Inflationsanpassung. Sie zielt direkt auf den Kern des Problems: den Niedriglohnsektor, in dem Frauen überproportional vertreten sind. In Branchen wie Gastgewerbe, Einzelhandel oder Pflege arbeiten besonders viele Frauen – oft zu geringen Stundenlöhnen.
Die Bundesregierung geht davon aus, dass rund 20 Prozent der weiblichen Beschäftigten von der Erhöhung profitieren, bei Männern sind es etwa 14 Prozent. Für mehr als sechs Millionen Menschen bedeutet das seit dem 1. Januar mehr Geld in der Tasche. Parallel wurde die Verdienstgrenze für Minijobs angepasst, um negative Nebeneffekte zu vermeiden.
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Deutschland mit einer der größten Lohnlücken Europas
Die Ausgangslage ist bekanntlich schlecht. Deutschland verzeichnet mit einem unbereinigten Gender-Pay-Gap von 16 Prozent eine der höchsten Lohnlücken in der EU. Frauen verdienten 2025 im Schnitt 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer.
Ein Großteil dieser Differenz ist strukturell bedingt. Frauen arbeiten häufiger in systemrelevanten, aber schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und öfter in Teilzeit. Beides bremst Karrierechancen und Stundenlöhne. Der gesetzliche Mindestlohn setzt hier eine absolute Untergrenze, die nicht unterschritten werden darf.
Wissenschaft belegt die Wirkung
Die Hoffnung auf eine verringerte Lohnlücke ist nicht bloß Wunschdenken. Sie wird durch wissenschaftliche Evidenz gestützt. Studien zur Mindestlohneinführung 2015 und ersten Erhöhungen zeigen: In Regionen mit vielen Geringverdienern ging der Gender-Pay-Gap signifikant stärker zurück als anderswo.
Eine Analyse aus dem Jahr 2023 belegte zudem, dass der Effekt auf die Monatsverdienste sogar stärker war als auf die reinen Stundenlöhne. Das deutet auf komplexe Wechselwirkungen mit der Arbeitszeit hin. Die historischen Daten machen Mut für die aktuelle Erhöhung.
Mindestlohn allein reicht nicht aus
Experten betonen jedoch: Der Mindestlohn ist ein wirksames, aber kein Allheilmittel. Gewerkschaften wie Ver.di fordern parallel eine Stärkung der Tarifbindung. Erst am 19. Januar 2026 betonten sie die Pflicht der Bundesregierung, hier entscheidend nachzubessern.
Tarifverträge legen oft höhere, branchenspezifische Lohnuntergrenzen fest und verbessern Arbeitsbedingungen. Die Kombination aus robustem Mindestlohn und hoher Tarifbindung gilt als Königsweg für nachhaltige Lohngerechtigkeit. Auch europäische Vorgaben drängen in diese Richtung.
Nächster Schritt bereits beschlossen
Der Weg ist vorgezeichnet. Zum 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn erneut – auf dann 14,60 Euro pro Stunde. Diese schrittweise Anpassung soll Unternehmen Planbarkeit geben und die Einkommen kontinuierlich stärken.
Die genauen statistischen Auswirkungen der aktuellen Erhöhung werden erst mit Verzögerung sichtbar. Doch der politische Impuls ist klar: Deutschland geht die strukturellen Ursachen der Lohnlücke aktiv an. Die Wertschätzung für Arbeit im unteren Einkommensbereich soll steigen. Ob der Effekt stark genug ist, um den hartnäckigen Gap von 16 Prozent nachhaltig zu drücken, werden die kommenden Erhebungen zeigen.
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