Mindestlohn-Debatte, Arbeitgeber

Mindestlohn-Debatte: Arbeitgeber wehren sich gegen 15 Euro

17.01.2026 - 08:02:12

Arbeitgeberverbände lehnen Forderungen nach einer schnellen Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro ab und warnen vor massivem Stellenabbau. Eine Unternehmensbefragung zeigt konkrete Kürzungspläne.

Die Diskussion um den gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland eskaliert. Kurz nach der jüngsten Anhebung auf 13,90 Euro stellen sich Arbeitgeberverbände im Bundestag vehement gegen Forderungen nach einer schnellen Erhöhung auf 15 Euro. Ihre Warnung ist deutlich: Weitere Steigerungen könnten in der angespannten Wirtschaftslage zu massivem Stellenabbau führen.

Harte Fronten im Bundestag

In einer öffentlichen Anhörung des Arbeitsausschusses erteilten Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und des Deutschen Handwerks (ZDH) Forderungen der Grünen und Linken eine klare Absage. Diese wollen den Mindestlohn nicht nur auf 15 Euro anheben, sondern auch dauerhaft an 60 Prozent des Medianlohns koppeln.

Für die Wirtschaftsverbände ist das ein untragbares Risiko. Sie argumentieren, dass zusätzliche Lohnkosten die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen in schwierigen Zeiten gefährden würden. Die Debatte bleibt damit ein zentraler wirtschaftspolitischer Konflikt – trotz der bereits beschlossenen Erhöhungen.

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Droht eine Welle von Job-Kürzungen?

Die seit 1. Januar geltende Erhöhung stellt viele Betriebe vor massive Herausforderungen. Eine ifo-Umfrage vom Dezember 2025 zeichnete ein düsteres Bild: Mehr als jedes fünfte betroffene Unternehmen (22 Prozent) plante als direkte Reaktion, Stellen zu streichen.

Diese Absicht fiel deutlich schärfer aus als bei der großen Mindestlohnerhöhung 2022. Besonders betroffen sind personalintensive Branchen wie Gastgewerbe und Einzelhandel. Neben Jobabbau nannten Unternehmen auch Investitionskürzungen und Preiserhöhungen als wahrscheinliche Folgen.

Deutsche Skepsis trotz europäischem Optimismus

Die hitzige Debatte findet vor einem gedämpften Konjunkturklima statt. Während eine aktuelle EU-Umfrage ergab, dass 71 Prozent der Führungskräfte mit mehr Neueinstellungen rechnen, ist die Stimmung in Deutschland pessimistisch.

Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im Dezember auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Nahezu alle Industriezweige planen demnach, den Stellenabbau fortzusetzen. Diese Diskrepanz unterstreicht die besonderen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft – und heizt die Diskussion um zusätzliche Lohnkosten weiter an.

Regierung setzt auf Kaufkraft, Arbeitgeber warnen

Seit 2015 ist der Mindestlohn ein zentrales, aber umstrittenes Instrument. Bundesregierung und Gewerkschaften sehen in der Erhöhung eine notwendige Stärkung der Binnennachfrage. Höhere Löhne für rund 6,6 Millionen Beschäftigte sollen direkt in den Konsum fließen und die Wirtschaft stabilisieren.

Die Gegenseite warnt vor einer Überforderung der Betriebe. Die Mindestlohnsteigerung liege weit über der allgemeinen Tarifentwicklung, argumentieren Arbeitgeber und einige Ökonomen. Die Folge könne ein Abbau von Arbeitsplätzen oder Stunden sein, um die gestiegenen Kosten zu kompensieren.

Was kommt nach 14,60 Euro?

Die Weichen sind gestellt: Zum 1. Januar 2027 soll der Mindestlohn auf 14,60 Euro steigen. Doch die jüngste Anhörung zeigt, dass die Diskussion damit nicht endet. Während politische Kräfte auf schnellere Erhöhungen drängen, sehen Wirtschaftsverbände die aktuellen Anpassungen bereits als kritisch an.

Für Unternehmen bedeutet das anhaltende Planungsunsicherheit. Ob die befürchteten Job-Kürzungen im prognostizierten Ausmaß eintreten, werden die Arbeitsmarktstatistiken der nächsten Quartale zeigen. Eines ist sicher: Die Debatte um die richtige Höhe der Lohnuntergrenze wird weiter intensivieren.

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