Mindestlohn, Grenzen

Mindestlohn 2026: Neue Grenzen, alte Konflikte

15.01.2026 - 18:13:11

Die Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro zieht automatisch die Verdienstgrenze für Minijobs auf 603 Euro nach oben und erhöht den Druck auf Tarifverträge, den Lohnabstand zu wahren.

Der Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro – und zieht die Grenzen für Minijobs automatisch nach oben. Während Millionen Beschäftigte mehr verdienen, droht der Abstand zu höheren Tariflöhnen zu schrumpfen. Ein aktueller Arbeitskampf zeigt die Sprengkraft dieser Entwicklung.

Minijob-Grenze klettert auf 603 Euro

Ein zentraler Mechanismus wirkt automatisch: Mit dem neuen Mindestlohn von 13,90 Euro erhöht sich auch die monatliche Verdienstgrenze für geringfügige Beschäftigungen. Sie liegt jetzt bei 603 Euro, berechnet aus zehn Wochenstunden zum Mindestlohn. Arbeitgeber müssen Verträge prüfen, um diese Grenze nicht ungewollt zu überschreiten.

Gleichzeitig verschiebt sich die Untergrenze für Midijobs auf 603,01 Euro. In diesem Übergangsbereich bis 2.000 Euro gelten reduzierte Sozialbeiträge. Doch die automatische Anpassung ist umstritten. Kritiker sehen darin eine Verfestigung prekärer Jobs. Sie warnen vor einer „Armutsfalle“, besonders für Frauen, da Minijobs kaum Rentenansprüche aufbauen und reguläre Teilzeitstellen verdrängen könnten.

Anzeige

Viele Arbeitgeber sind wegen der neuen Pflicht zur Arbeitszeiterfassung überfordert und riskieren empfindliche Bußgelder. Unser kostenloses E‑Book erklärt verständlich, welche Pflichten aus der BAG‑Entscheidung und EU‑Vorgaben ab 2025 auf Sie zukommen. Mit sofort einsetzbaren Stundenzettel‑Vorlagen, Checklisten und Praxistipps zeigt es, wie Sie die Pflicht rechtssicher umsetzen – ideal für Personalverantwortliche, die jetzt handeln müssen. Arbeitszeiterfassung-Vorlagen jetzt herunterladen

Warnstreiks für den Lohnabstand

Die Erhöhung stellt Tarifparteien vor ein fundamentales Problem: das Lohnabstandsgebot. Es soll sicherstellen, dass qualifizierte Arbeit deutlich besser bezahlt wird als die gesetzliche Untergrenze. Doch durch die wiederholten Mindestlohn-Sprünge schmilzt dieser Abstand in vielen unteren Lohngruppen dahin.

Diese Brisanz entlädt sich gerade im Arbeitskampf. Die Gewerkschaft NGG rief zu Warnstreiks bei der Deutsche See Fischmanufaktur auf. Sie begründet ihre Forderung nach zwölf Prozent mehr Lohn explizit mit der Notwendigkeit, den Abstand zum neuen Mindestlohn zu wahren. Solche Konflikte zeigen: Die Anhebung der Untergrenze setzt die gesamte Lohnarchitektur unter Druck und zwingt Unternehmen zur Neubewertung ihrer Gehaltsstrukturen.

Die große Kontroverse: Wie hoch ist gerecht?

Die beschlossene Erhöhung auf 13,90 Euro – und die geplante auf 14,60 Euro ab 2027 – geht vielen nicht weit genug. Gewerkschaften fordern 15 Euro pro Stunde. Nur dieser Betrag sei armutsfest und erfülle die EU-Richtlinie, die 60 Prozent des nationalen Medianlohns anstrebt. Ein Vollzeitjob müsse sicher vor Armut schützen, lautet die Kernforderung.

Arbeitgeberverbände kontern mit Warnungen vor der Wettbewerbsfähigkeit. Sie pochen auf die Unabhängigkeit der Mindestlohnkommission und einen an der Tarifentwicklung orientierten Prozess. Zu starke, politisch motivierte Sprünge könnten in personalintensiven Branchen wie Gastronomie oder Einzelhandel Jobs kosten. Zudem kritisieren sie den bürokratischen Aufwand durch die verschärfte Arbeitszeiterfassung.

Strukturelle Schwächen im Fokus

Die Debatte offenbart grundlegende Probleme des deutschen Arbeitsmarktes. Die hohe Zahl an Minijobbern und die schwache Tarifbindung in vielen Dienstleistungsbranchen machen den gesetzlichen Mindestlohn zum essenziellen sozialen Korrektiv. Die große Herausforderung bleibt: Wie schafft man einen Lohn, der ein existenzsicherndes Leben ermöglicht, ohne die Tarifautonomie zu untergraben oder Anreize für reguläre Jobs zu mindern?

Die Weichen sind bis 2027 gestellt. Die nächste Entscheidung der Mindestlohnkommission steht bis Juni 2027 an. Sie wird sich an Wirtschaftslage, Inflation und der Umsetzung der EU-Richtlinie orientieren. Eines ist schon jetzt klar: Die Entwicklung der Lohnuntergrenze ist untrennbar mit der Stabilität des gesamten deutschen Lohngefüges verbunden.

Anzeige

Übrigens: Die verschärfte Arbeitszeiterfassung erhöht den Dokumentationsaufwand in vielen Betrieben. Dieser Gratis‑Guide fasst kompakt zusammen, wie Sie Arbeitszeiten korrekt erfassen, Pausen und Ruhezeiten abbilden und sich gegen Prüfungen absichern. Mit Praxisbeispielen, Formularen und Checklisten reduziert er Ihr Haftungsrisiko und bietet sofort nutzbare Vorlagen für die Personalpraxis. Jetzt Arbeitszeiterfassung-Guide sichern

@ boerse-global.de