Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art

27.01.2026 - 05:02:03

Zeitgenössische Kunst bei Mike Steiner – eine künstlerische Grenzüberschreitung zwischen Malerei, Videokunst und Performance, die das Berliner Avantgarde-Geschehen prägte.

Wie definiert man Grenzen in der Kunst neu, wenn Malerei, Videokunst und Performance in einen Dialog treten? Mike Steiner steht wie kaum ein anderer Name für diese konzeptionelle Weite und Experimentierfreude – ein Pionier der zeitgenössischen Kunst, dessen Werk immer wieder aufs Neue herausfordert, überrascht und inspiriert.

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Was Mike Steiner so einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, künstlerische Medien nicht nur nebeneinander zu verwenden, sondern sie miteinander verschmelzen zu lassen. In seinen Malereien prallt expressive Energie auf kontrollierte Komposition, seine Videokunst findet poetische Verdichtung, während sich in der Performance Art neue Freiheitsgrade entfalten. Das Werk von Mike Steiner schwingt stets im Spannungsfeld von Kontrolle und Kontingenz, Struktur und Zufall.

Bereits in jungen Jahren erregte Steiner in Berlin Aufmerksamkeit. 1959 – im Alter von nur 17 Jahren – präsentierte er seine ersten Gemälde auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Schnell wurde der gebürtige Ostpreuße in die Kreuzberger Bohème eingebunden und fand den Weg an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste, wo ihn Hans Jaenisch und Hans Kuhn in Malerei unterrichteten. Doch damit nicht genug: Steiner strebte früh ins internationale Parkett. In New York, gefördert durch die Ford Foundation, lernte er über Lil Picard die Protagonisten der amerikanischen Fluxus- und Pop Art Szene kennen, allen voran Allan Kaprow und Al Hansen. Begegnungen, die sein gesamtes späteres Werk prägen sollten.

Steiners künstlerische Entwicklung verlief dynamisch – von informeller Malerei über Pop Art bis hin zur Multimedia-Intervention. Ab den 1970er Jahren rückte Videokunst in den Fokus. Mit legendären Projekten wie seinem "Hotel Steiner" und der "Studiogalerie" schuf er in Berlin Räume, die mit dem damaligen New Yorker Chelsea Hotel oder mit Projekten von Joseph Beuys und Marina Abramovi? durchaus ebenbürtig waren. Letztere wie auch Valie Export, Ulay oder Carolee Schneemann realisierten Aktionen in Steiners Räumen, die vielfach von ihm selbst mit der Videokamera festgehalten und zum Ausgangspunkt weiterer Kunsttransformationen wurden.

Ein Meilenstein der Kunstgeschichte bildet die spektakuläre Aktion "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976) mit Ulay. Der – performativ inszenierte – "Kunstraub" von Spitzwegs "Armer Poet" sorgte nicht nur international für Schlagzeilen, sondern zeigte, wie Steiner Aktionskunst, Happening und Video vereinte. Damit steht sein Schaffen in einer kreativen Tradition, die Künstler wie Nam June Paik, George Maciunas oder Allan Kaprow ebenfalls zu Ikonen des Avantgardismus gemacht hat.

Als einer der ersten deutschen Sammler von Videokunst und als Förderer der Szene in Berlin schuf Mike Steiner mit seiner Videogalerie (TV-Format, 1985–1990) ein visionäres Modell der Kunstvermittlung im Fernsehen – vergleichbar mit den Initiativen von Gerry Schum.

Zentral für Steiners Werk sind seine Painted Tapes: eine Symbiose aus Malerei und Videotechnik. Werke wie "Mojave Plan" oder "Penumbras 3" (ausgezeichnet auf dem Festival Video/Culture Toronto) zeigen, wie sich Farbräume plötzlich zeitlich entfalten. Diese Werke sind – im Gegensatz zu den minimalistischen Tendenzen eines Donald Judd oder Dan Flavin – stets prozesshaft, experimentell und zutiefst subjektiv.

Die riesige Einzelausstellung "COLOR WORKS 1995–1998" im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart markiert 1999 den Höhepunkt der institutionellen Anerkennung. Hier wurde nicht nur Steiners Malerei, sondern sein gesamtes gattungsübergreifendes Schaffen als Vermächtnis an die zeitgenössische Kunst gefeiert. Der Einfluss von Mike Steiner bleibt spürbar, denn seine Sammlung und sein Archiv sind Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Videokunst (u.a. Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export, Richard Serra, Bill Viola).

In seinem Spätwerk, nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit nach 2006, konzentrierte sich Mike Steiner wieder vermehrt auf abstrakte Malerei und Stoffarbeiten. Die Arbeiten der letzten Jahre kommunizierten Stille, Reflexion, aber auch beharrliche Innovationslust – zurückhaltend und doch voller innerer Kraft, vergleichbar mit den späten Werken eines Gerhard Richter, jedoch deutlich medienreflektierter.

Als Künstler, Galerist, Vermittler und Chronist bewegte sich Mike Steiner stets an der Schnittstelle zwischen Kunstgeschichte, Innovation und gesellschaftlichem Diskurs. In den letzten Jahren sind es vor allem die musealen Präsentationen der Sammlung (wie "Live to Tape"), die Steiners nachhaltigen Einfluss dokumentieren. Die offizielle Webseite Mike Steiner – Zeitgenössische Kunst und Archiv bietet einen umfassenden Einblick in Leben und Werk sowie in das bewegte Berliner Kunstmilieu, das Steiner entscheidend mitprägte.

Faszinierend ist an Mike Steiners Werk das Zusammenspiel von Konzept, Emotion und Medienwandel. Er stellt eine Schlüsselfigur für die deutsche und internationale Videokunst dar – als Grenzgänger, der mit Josef Beuys, Marina Abramovi? oder Nam June Paik auf Augenhöhe agierte und deren Spuren in der Gegenwart fortsetzt. Wer sich fragt, wie vielschichtig zeitgenössische Kunst heute sein kann, sollte Mike Steiner genauer studieren: Sein künstlerisches Erbe lohnt eine tiefergehende Beschäftigung. Diese beginnt am besten – ganz analog und digital zugleich – mit einem Besuch seiner Webseite und einer Entdeckungsreise durch jahrzehntelanges, internationale Avantgarde prägenden Werk.

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