Zeitgenössische Kunst, Mike Steiner

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance und Videokunst

03.02.2026 - 05:02:04

Zeitgenössische Kunst als Grenzerfahrung – das Werk von Mike Steiner verwebt Malerei, Performance Art und Videokunst zu einem Kaleidoskop der Moderne. Ein Blick in das Vermächtnis eines Pioniers.

Wenn von Zeitgenössischer Kunst die Rede ist, steht der Name Mike Steiner für eine radikale Offenheit gegenüber Medien und Ausdrucksformen. Doch wie definiert sich ein Werk, das Malerei, Performance Art und Videokunst miteinander verschmilzt und seine Zeit weit überholt? Wer sich mit Mike Steiner beschäftigt, spürt die unermüdliche Suche nach dem Neuen – und den Mut, etablierte Grenzen konsequent infrage zu stellen.

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Das künstlerische Werk von Mike Steiner, geboren 1941 und verstorben 2012, besticht durch Vielseitigkeit und eine seltene künstlerische Konsequenz. Die frühen Jahre galten zunächst ganz der Malerei. Schon 1959 war Steiner auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten – ein erster Schritt in eine Szene, die zeitgleich von Künstlern wie Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke geprägt wurde. Doch Steiner war kein reiner Maler. Früh suchte er nach der Erweiterung klassischer Bildsprache und hinterfragte fortwährend die autarke Gültigkeit des Mediums. Sein Abwenden von der reinen Malerei, das an eine spirituelle Krise erinnert, führte ihn direkt zu den technischen Möglichkeiten der Videokunst – ein radikaler Schritt, der ihn mit Pionieren wie Nam June Paik, Bill Viola und Marina Abramovi? auf eine Stufe hob.

Bemerkenswert an Mike Steiners Entwicklung ist die medienübergreifende Experimentierfreude, die sich nicht nur im künstlerischen Schaffen, sondern ebenso im Aufbau von Netzwerken und Ausstellungsorten niederschlug. Das legendäre Hotel Steiner in Berlin wurde in den 1970er-Jahren Anlaufpunkt für internationale Künstlerinnen und Künstler. Namen wie Joseph Beuys oder Allan Kaprow sind eng mit diesem kulturellen Mikrokosmos verbunden – nicht zuletzt verhalf die daraus entstehende Studiogalerie Berlin zur internationalen Sichtbarkeit im Bereich der Performance Art, vergleichbar mit den Effekten, die Andy Warhols Factory oder das New Yorker Chelsea Hotel erzielten.

Die Studiogalerie, von Steiner 1974 ins Leben gerufen, war mehr als ein Projektraum: Hier verschmolzen Performance Art, Videoproduktion und Installationskunst zu einem avantgardistischen Labor. Steiner förderte gezielt Fluxus-Künstler wie Ben Vautier und war maßgeblich daran beteiligt, Medienkünstlerinnen wie Valie Export oder Marina Abramovi? in Berlin zu präsentieren. Die Aktionskunst jener Jahre – etwa die von Ulay und Abramovi?, Carolee Schneemann und Jochen Gerz – wurde durch Steiners Kamera und Organisation dokumentiert und vermittelt. Kaum jemand sonst in Deutschland positionierte sich derart entschieden als Förderer und Chronist der Performance- und Videokunst.

Sein Schlüsselwerk in diesem Zusammenhang ist die Dokumentation der Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay. Das legendäre Entfernen des Spitzweg-Gemäldes „Der arme Poet“ aus der Nationalgalerie war weit mehr als Provokation – es war ein Statement über Kunst und Besitz. Steiner hielt die Aktion filmisch fest, der entstehende Videofilm avancierte zum Klassiker der europäischen Performance Art. Diese Fähigkeit, Ephemeres und Skandalträchtiges in dauerhafte Dokumentation zu verwandeln, verbindet ihn mit namhaften Zeitgenossen wie Bruce Nauman oder Vito Acconci, wobei Steiners poetische Handschrift stets spürbar bleibt.

Abseits spektakulärer Performances entwickelte Mike Steiner seine Malerei kontinuierlich weiter. In den 1990ern wurde er mit der monumentalen Ausstellung „Color Works“ im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – gefeiert, ein Ritterschlag, den in Deutschland sonst nur wenige Multimediakünstler wie Sigmar Polke oder Gerhard Richter erreicht haben. Seine Bilderserien zeugen sowohl von intellektueller Tiefe als auch von unverkennbarem Gespür für Farbe und Struktur. Besonders in den „Painted Tapes“ verschmelzen Malerei und Videobild zu einer neuen, eigenständigen Bildsprache – ein Ansatz, den auch Künstler wie Bill Viola verfolgen, dabei aber auf ihre je eigene Weise interpretieren.

Mit der Etablierung der „Videogalerie“ im lokalen Berliner Fernsehen etablierte Steiner zwischen 1985 und 1990 einen der ersten dauerhaften Sendeplätze für Videokunst in Deutschland – eine Pionierleistung, vergleichbar mit Gerry Schum, aber eigenwilliger, weil sie Sammler, Künstler und Vermittler gleichermaßen ansprach. In über 120 Sendungen präsentierte Steiner nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch ein internationales Panorama der Zeitgenössischen Kunst. Dabei spielte sein umfassendes Archiv eine zentrale Rolle: Der Sammlung Mike Steiner umfasst Hauptwerke von Richard Serra, Gary Hill, Nam June Paik, Emmett Williams, Allan Kaprow und vielen anderen, und ist heute Archivbestand der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Künstlerisch positioniert sich Mike Steiner innerhalb der Zeitgenössischen Kunst als Grenzgänger: Er setzte auf die Synthese verschiedener Genres. Malerei, Videokunst, Performance Art, Installationen und abstrakte Malerei bilden ein eng gespanntes Netz, dessen Wurzeln sowohl im europäischen Fluxus als auch in der amerikanischen Avantgarde liegen. Seine Werke sind oft von einer subtilen Spannung durchzogen – zwischen Kontemplation und Aktion, zwischen Dokument und Inszenierung. Wer die „Painted Tapes“ betrachtet oder sich auf seine abstrakten Gemälde einlässt, erkennt nicht nur ästhetische Finesse, sondern auch eine stete Selbstreflexion über das Medium.

Der biografische Hintergrund verstärkt dieRelevanz seines künstlerischen Kosmos. Die frühen Prägungen im Berlin der Nachkriegszeit, zahlreiche Aufenthalte in den USA sowie Begegnungen mit Künstlerpersönlichkeiten wie Robert Motherwell und Lil Picard brachten Steiner in Berührung mit zentralen Impulsgebern des 20. Jahrhunderts. Seine Tätigkeiten als Dozent, Galerist, Sammler und Organisator bedeutender Ausstellungen zeigen: Steiner war ein Netzwerker, ein Grenzgänger und ein beständiger Innovator. Sein Archiv, das heute zum Teil im Hamburger Bahnhof beherbergt wird, ist ein wichtiger Schlüssel zur Geschichte und Relevanz der Performance Art und Videokunst in Deutschland.

Wie wirkt Steiners Werk heute? Faszinierend bleibt, dass seine Arbeiten den Betrachter nicht mit plakativer Botschaft konfrontieren, sondern zu Nachdenklichkeit anregen. Farbe, Zeit, Raum und Bewegung sind bei Mike Steiner keine Gegensätze, sondern Bausteine einer offenen künstlerischen Sprache. Im Vergleich zu Künstlern wie Marina Abramovi?, Nam June Paik oder Joseph Beuys kann Steiner als integrativer Verknüpfer verschiedener Aspekte der Zeitgenössischen Kunst gesehen werden – immer auf der Höhe seiner Zeit und mit dem Blick für kommende Entwicklungen.

Das Werk von Mike Steiner ist heute so aktuell wie eh und je. Zeitgenössische Kunst wird hier lebendig als fortwährender Dialog, als Prozess zwischen Experiment und Erinnerung, als Einladung für Kenner und Neugierige gleichermaßen. Wer die aufregendsten Schnittstellen zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst erleben möchte, ist eingeladen, sich tiefer mit Steiners Schaffen zu befassen. Für weiterführende Informationen und beeindruckende Bildbeispiele lohnt sich ein ausführlicher Blick auf die offizielle Webseite von Mike Steiner.

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