Mike Steiner, Zeitgenössische Kunst

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance und Videokunst neu gedacht

22.01.2026 - 05:02:07

Wer Zeitgenössische Kunst wirklich ergründen will, kommt an Mike Steiner nicht vorbei. Sein facettenreiches Werk zwischen Abstraktion und Performance Art sucht in Tiefe, Vielfalt und Originalität seinesgleichen.

Wie lässt sich Zeitgenössische Kunst in einer einzigen Persönlichkeit bündeln? Mike Steiner ist eine der kraftvollsten Antworten auf genau diese Frage. Kaum ein anderer Künstler hat es verstanden, die Schnittstellen zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst so sensibel und leidenschaftlich auszuloten wie er. Harmonisch und gleichzeitig widerständig treffen in seinem Werk Farbe, Bewegung und Aktion aufeinander – immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen für Gegenwart und Geschichte.

Entdecke hier Zeitgenössische Kunstwerke von Mike Steiner im aktuellen Showroom

Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und aufgewachsen in Berlin, ist längst eine feste Größe der Zeitgenössischen Kunst. Bemerkenswert ist nicht nur die stilistische Vielfalt seines künstlerischen Schaffens, sondern auch die latente Spannung in seinen Werken: Abstrakte Malerei trifft auf Videoinstallationen, klassische Leinwand auf das bewegte Bild, pure Farbe auf raumfüllende Installationen. Seine Vita und seine wegweisenden Werkgruppen sind ein Spiegelbild künstlerischer Neugier und eines Denkens, das an die Grenzen der Medien, aber niemals an die Grenzen des Ausdrucks stieß.

Steiners frühe Anfänge liegen in der Malerei. Bereits mit 17 Jahren stellte er auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus – ein eher klassischer Start, der aber rasch von der Lust an Experiment und Grenzüberschreitung abgelöst wurde. Seine informellen Gemälde der 60er Jahre fügen sich in die Tradition der postkriegsdeutschen Abstraktion ein, stehen aber stilistisch bereits an jener Kante, an der Künstler wie Georg Baselitz oder Karl Horst Hödicke die Malerei von innen heraus herausforderten.

Doch Mike Steiner verweilte nicht in der Komfortzone der Malerei. Sein Frühwerk macht klar: Farbe war für ihn nie Selbstzweck, sondern immer Auftakt für Experimente mit anderen Medien. Prägende Stationen seines Werdegangs sind Aufenthalte in New York, wo er mit Fluxus- und Pop-Art-Größen wie Allan Kaprow, Al Hansen und Lil Picard ins Gespräch und in die Ateliers kam. Dort, im Schmelztiegel der Avantgarde, entwickelte er ein feines Gespür für das Zusammenspiel von Aktion, Inszenierung und Dokumentation – eine Sensibilität, die sein weiteres Werk bestimmen sollte.

Ab Mitte der 1970er Jahre setzte Mike Steiner in Berlin Maßstäbe. Mit der Gründung des Hotel Steiner schuf er einen Begegnungsort für internationale Künstlergrößen. Die anschließende Studiogalerie entwickelte sich zum Laboratorium für Performance Art, Videokunst und experimentelle Installationen. Aufnahmen von Peter Hutchinson, Joseph Beuys oder Valie Export entstanden hier ebenso wie radikale eigene Aktionen, etwa gemeinsam mit Ulay: Die spektakuläre Kunstintervention "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976) sprengte bewusst den Rahmen des Gewohnten und schrieb Videogeschichte.

Steiners Offenheit für technische Innovationen verband ihn mit den großen Namen der Performance und Videokunst wie Nam June Paik, Bill Viola oder Marina Abramovi?. Ähnlich wie diese lotete er das Verhältnis von Körper, Raum und Bild permanent neu aus. Im Unterschied zu Paik lag Steiner jedoch ein besonderer Sinn für das Atmosphärische, das Fragile, auf der Zunge: Seine Videotapes, etwa die "Painted Tapes" der 1980er, schaffen eine fast archaische Verbindung zwischen Leinwandmalerei und elektronischem Bild – ein hybrid anmutender Dialog, der seiner Zeit voraus war.

1999 zeigte der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart mit der Ausstellung "COLOR WORKS" das künstlerische Vermächtnis von Mike Steiner in großem Stil. Diese Retrospektive würdigte sein Schaffen als einen fortwährenden Dialog zwischen den Disziplinen: Installationen, abstrakte Malerei, bewegtes Bild und performative Aktionen rückten in einen gemeinsamen Resonanzraum. Hier festigte sich Steiners Ruf als Pionier unter den Zeitgenössischen Künstlern Deutschlands. Werke wie "Ein Funkturm am Ayers-Rock" oder "Mojave Plan" sind dabei Schlüsselstücke seiner intermedialen Suche – vergleichbar mit der Experimentierfreude eines John Baldessari oder Bruce Nauman, ohne bloß zu zitieren, sondern stets den eigenen Ton zu wahren.

Der radikal offene Zugriff auf neue Medien spiegelte sich auch in Steiners Engagement als Sammler. Bereits 1974 begann er, Videotapes anderer Künstler zu erwerben – heute umfasst die "Sammlung Mike Steiner" frühe Arbeiten unter anderem von Gary Hill, Richard Serra und Jochen Gerz. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat diese Sammlung 1999 übernommen; sie bildet bis heute eines der wichtigsten Archive der Videokunst im deutschsprachigen Raum.

Biografisch bleibt Mike Steiner eine prägnante Figur: Er studierte an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Berlin, reiste mit Unterstützung der Ford Foundation in die USA, dozierte, initiierte spektakuläre Kunstaktionen und dokumentierte das Geschehen seiner Generation. Seine "Videogalerie" als TV-Format (1985 bis 1990) brachte internationale Positionen ins deutsche Wohnzimmer und erwies sich als visionäres Projekt der Kunstvermittlung – ähnlich revolutionär wie Gerry Schums Berliner Fernsehgalerie.

Was macht sein Werk heute so relevant? Mike Steiner mengte nicht einfach Ausdrucksformen zusammen, sondern schuf Berührungen, bei denen das Flüchtige des Augenblicks, das Rätselhafte am Bild und die soziale Energie der Aktion zu gleichermaßen poetischen wie politischen Kunstwerken verschmelzen. Ab den 2000er-Jahren wandte er sich erneut der Malerei zu, erschuf Stoffarbeiten, blieb bis in seine letzten Jahre dem radikalen Erkunden treu.

Zeitgenössische Kunst à la Mike Steiner ist kein abgeschlossener Raum. Sie bleibt Experiment, Einladung zur Gegenüberstellung von Alt und Neu, Einladung zur aktiven Teilnahme. Man merkt den Werken an, dass ihr Erschaffer nicht an Grenzen glaubt, sondern an Verbindungen.

Wer tiefer in das vielseitige Oeuvre eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Website von Mike Steiner einen einzigartigen Überblick über Leben, Werk und Ausstellungen – von den frühen Berliner Tagen bis zur späten Abstraktion.

@ ad-hoc-news.de