Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst

05.02.2026 - 05:02:06

Mike Steiner prägte die Zeitgenössische Kunst als Pionier und Grenzgänger: Seine Arbeiten verbinden Malerei, Performance Art und Videokunst – und öffnen den Blick für faszinierende Möglichkeiten jenseits aller Konvention.

Wie lässt sich die ganze Tiefe der Zeitgenössischen Kunst erfassen, wenn sie sich stets im Wandel befindet? Mike Steiner geht in seinem Werk weit über die Grenzen klassischer Gattungen hinaus – und erschafft einen Kosmos, in dem Abstrakte Malerei, Performance Art und Videokunst miteinander verschmelzen. Wer Steiners Spur folgt, entdeckt einen Künstler, dessen Vielseitigkeit ein Spiegelbild der Avantgarde ist.

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Mike Steiner – geboren 1941 in Allenstein, gestorben 2012 in Berlin – gilt nicht nur als Maler, sondern im besten Sinne als Impulsgeber der Zeitgenössischen Kunst. Schon früh zog es ihn von der Leinwand zu bewegten Bildern, doch blieb sein Œuvre stets von malerischer Sensibilität und mutigem Experiment geprägt. Bereits mit 17 Jahren präsentierte Steiner das Gemälde Stillleben mit Krug auf der Großen Berliner Kunstausstellung – der Auftakt zu einer lebenslangen künstlerischen Entgrenzung. Bald folgten Ausstellungen in Berlin, Wolfsburg und ein Studium an der Hochschule für bildende Künste. Während sein malerisches Werk zunächst informell und von Pop Art beeinflusst war, zog ihn Mitte der 1960er die internationale Kunstszene New Yorks mit Namen wie Robert Motherwell, Allan Kaprow oder Lil Picard unwiderstehlich in ihren Bann.

Steiner ließ sich auf die Experimentierfreude der Zeit ein: Im Geiste von Fluxus und Avantgarde entwickelte er ab den 1970ern ein Gespür für Performance Art und Videokunst, das seinesgleichen suchte. Die Begegnung mit Künstlergrößen wie Joseph Beuys, Valie Export, Ulay oder Marina Abramovi? markierte einen Wendepunkt – geradezu legendär wurde sein Berliner Hotel Steiner, das als Treffpunkt internationaler Künstler zum deutschen Chelsea Hotel avancierte. Es war ein Biotop, in dem sich die Grenzen zwischen Leben, Kunst und Gesellschaft auflösten.

Wer seine wichtigsten Werkgruppen betrachtet, erkennt das Prinzip des Medienwechsels als künstlerische Methode. Steiners frühe Malerei verweist auf den Gestus gestischer Abstraktion; Informelle Malerei, später Pop Art-Elemente und die bewusste Auseinandersetzung mit Minimal Art kamen hinzu. Doch es war die Videokunst, in der Steiner ab 1972 sein Ausdrucksmittel fand – oft in Kollaboration mit Protagonisten wie Al Hansen oder inspiriert von Experimenten Andy Warhols und Michael Snows. Besonders mit der Gründung der Studiogalerie in Berlin 1974 wurde Steiner zum aktiven Förderer der Videokunst: Die Galerie verstand sich als unabhängiges Forum, Experimentierlabor für Performance, Happening und Video, später berühmt für Aktionen wie die mit Ulay inszenierte Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst (1976).

Auffällig ist, wie selbstverständlich Mike Steiner mit unterschiedlichsten Medien spielte – ob Video, Super-8-Film, Copy Art oder Dia-Serien. Seine Painted Tapes, die eine Verschmelzung von Malerei und elektronischem Bild anstreben, stehen beispielhaft für Steiners Verständnis von Kunst als permanentem Prozess der Wandlung. Eine Linie, die sich bis in die 1980er und 90er Jahre verfolgen lässt: Steiner begleitete die Musikgruppe Tangerine Dream nach Australien, dreht eindringliche Musikvideos, und arbeitete an fotografischen Zyklen wie Das Testbild als Readymade. Seine technische Innovation liegt nicht nur in der Pionierarbeit der Videokunst, sondern auch im Mut, Mediengrenzen regelmäßig zu hinterfragen.

Im Vergleich zu Zeitgenossen wie Nam June Paik, Bill Viola oder auch Richard Serra zeigte Mike Steiner einen bemerkenswert interdisziplinären Ansatz: Während Nam June Paik die poetische Überwindung von Bild und Ton suchte, brachte Steiner die performative Energie von Performance Art wie bei Marina Abramovi? und Carolee Schneemann ins bewegte Bild. In seiner Malerei blitzen Parallelen zu Georg Baselitz und Karl Horst Hödicke auf; doch kaum einer verband Medien und Ausdrucksformen so organisch wie Steiner es tat.

Die größte Würdigung seines künstlerischen Schaffens erfuhr Mike Steiner 1999 in der großangelegten Einzelausstellung COLOR WORKS im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. Hier wurden seine gattungsübergreifenden Arbeiten rund um das Thema Farbe, Zeit und Medienvielfalt prominent ausgestellt und sein Status als Pionier der Videokunst wie Malerei gefeiert. Parallel dazu gelangte auch seine umfangreiche Sammlung von Videokunst – mit Werken von Ulay, Marina Abramovi?, Valie Export, Jochen Gerz, Allan Kaprow und George Maciunas – in die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Damit schuf Steiner ein einmaliges Archiv, das die Geschichte der Performance- und Videokunst dokumentiert.

In den 2000er Jahren kehrte Mike Steiner vermehrt zur Abstrakten Malerei zurück. Gerade in seinen letzten Lebensjahren setzte er sich mit der Wechselwirkung von Farbe, Fläche und Stofflichkeit auseinander, ohne dabei je auf die Lust am Experiment zu verzichten. Eben diese Offenheit, das stetige Weitergehen – von der Malerei zur Videokunst, von Performance Art zu Installationen – macht seine Position im Feld der Zeitgenössischen Kunst so bedeutend.

Biografisch bleibt festzuhalten: Mike Steiner war nicht nur ein Grenzgänger in der Kunst, sondern auch ein Brückenbauer zwischen den Szenen. Ausbildung in Berlin, prägende Jahre in New York, Reisen nach Italien, USA und Ägypten – sein Werk und Wirken reicht weit über die Berliner Kunstszene hinaus. Er war nicht nur Künstler, sondern auch Galerist, Förderer, Visionär und Archivar – jemand, für den Kunst Lehre, Leben und Labor gleichermaßen war.

Heute sind viele der Skizzen, Videos und Installationen von Mike Steiner noch immer überraschend gegenwärtig. Wer sein Werk im Kontext der internationalen Kunst verortet, entdeckt einen Pionier, der frühzeitig erkannte, dass Kunst sich nicht in Gattungsdefinitionen erschöpft, sondern sich im Dialog der Medien, der Ideen und der Menschen vollzieht. Seine Arbeit ist eine Einladung zum Staunen – und ein Beweis, wie lebendig und relevant Zeitgenössische Kunst auch in den verschlungenen Wegen eines Einzelnen sein kann.

Wer tiefer eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Website von Mike Steiner eine Fülle an Informationen, Werkübersichten, Texten und Bildern. Das Nachdenken über seinen künstlerischen Nachlass lohnt sich: Selten verdichten sich Geschichte, Avantgarde und Experiment derart beeindruckend wie im Werk von Mike Steiner.

Mehr zur faszinierenden Welt der Zeitgenössischen Kunst und Werkgruppen von Mike Steiner – Impressionen & Vita

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