Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Mike Steiner – Zeitgenössische Kunst neu gedacht: Zwischen Malerei, Videokunst und Performance

19.01.2026 - 05:02:04

Zeitgenössische Kunst bedeutet für Mike Steiner die kontinuierliche Überschreitung von Grenzen. Sein Werk, geprägt von Malerei, Videokunst und Performance Art, prägt bis heute das Verständnis künstlerischer Avantgarde.

Wer Zeitgenössische Kunst bei Mike Steiner erlebt, begegnet einem Universum, das ebenso farbenfroh wie rätselhaft, ebenso technisch raffiniert wie emotional zugänglich ist. Doch wie schafft es Mike Steiner, mit seinen Werken fundamental die Fragen nach den Grenzen zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art immer neu zu stellen? Die Antwort liegt in der ausgesprochenen Vielseitigkeit und Experimentierlust dieses ebenso öffentlichkeitswirksamen wie stillen Pioniers.

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Als Kind eines ostpreußischen Adelszweigs wächst Mike Steiner im bewegten Nachkriegs-Berlin auf. Schon früh zeigen sich seine Leidenschaften: die Leinwand, die Kamera, der soziale Raum. Bereits im Alter von 17 Jahren tritt Steiner auf der Großen Berliner Kunstausstellung hervor, fasziniert von klassischen Themen ebenso wie von neuen, informellen Ausdrucksformen. Ab 1961 studiert er an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin und beginnt bald, das klassische Repertoire zu sprengen – inspiriert vom Einfluss internationaler Künstler wie Robert Motherwell und durch seine enge Verbindung zur New Yorker Avantgarde, die er in den Sechzigerjahren dank eines Stipendiums kennenlernt.

Mitten im Berliner Kunstleben bewohnt er die legendäre Studiogalerie und gründet 1970 das Hotel Steiner am Kurfürstendamm – einen hot spot der internationalen Szene, vergleichbar mit Warhols Chelsea Hotel oder Yoko Onos und Nam June Paiks Fluxus-Experimenten. Hier logieren Joseph Beuys, Marina Abramovi?, Valie Export und Allan Kaprow – Namen, die für Performance Art wie für eine neue Zeitgenössische Kunst stehen. Faszinierend ist hier nicht nur Steiners Offenheit für neue Medien, sondern sein Talent, Kunst Geselligkeit und künstlerische Innovation miteinander zu verschränken.

Früh sucht Mike Steiner nach Wegen, die klassische Malerei mit technischen Innovationen zu verbinden. In seinen frühen Arbeiten dominiert eine informelle, teils an Georg Baselitz, teils an Karl Horst Hödicke erinnernde Malerei. In den 1970er Jahren treten neue Medien in den Vordergrund: Steiner beginnt mit Super-8-Film, Fotografie und Dia-Serien zu experimentieren. Es ist die Videokunst, die ihn zum Pionier macht – ähnlich wie Nam June Paik und Bill Viola arbeitet auch Mike Steiner an der Schnittstelle von Bild, Bewegung und Installation. Seine Painted Tapes machen deutlich, wie sehr er als Brückenbauer zwischen Malerei und Video fungiert: hier fließt Farbe digital verfremdet, Videobilder werden zu malerischen Oberflächen.

Mit der Gründung der Studiogalerie 1974 schafft Steiner einen der ersten Produktions- und Ausstellungsräume für Videokunst und Performance Art in Berlin. Künstler wie Marina Abramovi?, Ulay, Carolee Schneemann oder Jochen Gerz realisieren hier legendäre Performances, festgehalten oft eigenhändig mit Steiners Videokamera. Die Aktion "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" (1976), in der Ulay das Spitzweg-Gemälde "Der arme Poet" entführt, entwickelt sich zum Mythos der subversiven Kunst.

Kunstsammler, Dokumentarist, Vermittler: Steiner betätigt sich fortan in allen Rollen. Seine Sammlung von Kunstvideotapes, ab 1974 systematisch angelegt, wird zur umfangreichsten Dokumentation der deutschen und internationalen Videokunst der Siebziger und Achtziger Jahre. Die Teilnahme an prominenten Gruppenausstellungen und internationale Vortragsreisen stellen ihn in eine Reihe mit Künstlern wie Gary Hill oder Richard Serra, die ihrerseits das gleiche Medium als Tor zu neuen Räumen nutzen.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören neben frühen informellen Gemälden und den Painted Tapes auch Installationen und intermediale Fotografien, in denen Steiner das Testbild als Readymade (ab 1983) inszeniert – ein Verweis auf die Digitalisierung des künstlerischen Blicks lange bevor dies Mainstream wird. Bekannt ist er auch als Produzent und Moderator des TV-Formats "Videogalerie" (1985–1990), das in über 120 Sendungen Pionierleistungen der zeitgenössischen und internationalen Videokunst ins deutsche Fernsehen bringt. Wie einst Gerry Schum mit seiner Fernsehgalerie entwickelt Steiner damit neue Wege der Kunstvermittlung für ein breites Publikum, weit vor YouTube oder Streaming-Angeboten.

Große Bühne erhält Mike Steiner spätestens 1999, als der Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart seine Einzelausstellung "Color Works" ausrichtet. Hier wird die Bandbreite seines Schaffens sichtbar: von Malerei über Videos zu raumgreifenden Installationen und Archivalien – ein innovatives, betont offenes Werk, das nie stehen bleibt. Im Vergleich zu Künstlern wie Joseph Beuys oder Marina Abramovi?, die ebenfalls in Berlin Spuren hinterlassen haben, zeigt sich bei Steiner eine seltene Balance von intellektueller Recherche, Experimentierfreude, Handwerk und politisch-ästhetischer Verdichtung.

Steiners Arbeitsweise ist stets geprägt von einer Lust am Experiment: Hard Edge, Minimal Art und Copy Art finden sich ebenso in seinem Oeuvre wie abstrakte Malerei und medienreflexive Arbeiten der letzten Jahre – immer durchzogen von der Frage, wie Kunst auf soziale Prozesse, technische Veränderungen und Wahrnehmungsgewohnheiten reagieren kann.

Mike Steiners Nachlass und die Sammlung seiner Videobänder befinden sich heute weitgehend im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, konserviert in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof. Sein Werk bleibt ein lebendiges Archiv künstlerischer Innovation, ein Spiegel avantgardistischer Energie und kühler Medienreflexion zugleich.

Viele seiner Präsentationen und Performances sind zwar heute nur noch als Beschreibung oder Fragment erhalten, doch die dokumentierten Arbeiten und jüngeren Gemälde belegen immer wieder die hohe Qualität und Vielseitigkeit seines Denkens. Seit 2000 wandte sich Steiner vor allem erneut der abstrakten Malerei zu, in den letzten Jahren seines Lebens auch der Stoffkunst. Ein Werk also, das Multi-Medialität und formale Brüche in sich vereint und so einen ewigen Impuls für die aktuelle Debatte um zeitgenössische Kunst liefert.

Was macht Mike Steiners Werk heute relevant? Wohl die Tatsache, dass es in einer Zeit digitaler Transformationen immer wieder fragt, wie Kunst gedacht, gemacht, gezeigt und bewahrt werden kann. Wer Steiners Arbeiten und die Vielfalt seiner Medien erforschen möchte, sei eingeladen, die Informationssammlung und Abbildungen auf der offiziellen Seite zu entdecken.

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