Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst neu gedacht – Von Malerei zu Videokunst und Handlung im Raum
24.01.2026 - 05:02:06Wie lässt sich das Gefühl beschreiben, in einen Raum voller Möglichkeiten einzutreten – einen Raum, den Mike Steiner mit seiner Zeitgenössischen Kunst geschaffen hat? Früh steht fest: Sein Werk, sei es Malerei, Performance Art oder Videokunst, entzieht sich einfachen Kategorien. Stattdessen bleibt es ein atemberaubender Balanceakt zwischen Formen, Farben und bewegten Bildern – ein künstlerischer Sog, der Betrachter immer neu fordert.
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Mike Steiner geboren 1941 in Allenstein und verstorben 2012 in Berlin – bleibt als deutscher Maler und Pionier der Videokunst eine zentrale Figur der Gegenwartskunst. Wer seine Vita betrachtet, erkennt rasch: Die Entwicklung seiner künstlerischen Sprache ist selbst eine Narration der Moderne.
Schon mit 17 Jahren tritt Mike Steiner erstmals bei der Großen Berliner Kunstausstellung öffentlich auf, wenig später zieht es ihn – nach Ausbildung und Studium an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Berlin – nach New York. Dort taucht er in das vibrierende Netzwerk um Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow ein. Die Nähe zu Pop Art, Happening und Fluxus prägt Steiners Offenheit für Neues: „Die Legitimationskrise die Malerei betreffend“, wie er selbst notiert, führt ihn zunächst zur Informellen Malerei, dann weiter zu multimedialen Formen.
Es ist diese Unruhe, die seine Werke antreibt. Einst durch Malerei einfühlsam, dann radikal im Denken: Mike Steiner experimentiert 1972 mit ersten Videoarbeiten – inspiriert auch durch den Experimentalfilm von Michael Snow und Andy Warhol. Bald ist klar: Video, Performance, Malerei, Fotografie oder Installationen sind für Steiner keine Gegensätze. Sie sprechen miteinander.
Ein Schlüsselmoment: Die Gründung des Hotel Steiner in Berlin und wenig später der Studiogalerie in der Ludwigkirchstraße (1974). Diese Orte – Heimat internationaler Avantgarden – sind mehr als nur Gastgeber für Künstler wie Joseph Beuys, Valie Export, Jochen Gerz oder Marina Abramovi?. Die Studiogalerie wird zum Schmelztiegel von Videokunst, Happening und Fluxus. Hier wird produziert, performt, archiviert – vor allem aber Vision gelebt.
Die Besonderheit vieler Arbeiten liegt in der dokumentierten Performanz: Mike Steiner hält mit der Videokamera die vergängliche Kraft von Aktionen fest und steigert so die Ausdruckskraft der Performance Art zur bleibenden Erfahrung. Unvergessen bleibt der spektakuläre Kunstraub 1976 („Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“) mit Ulay, dessen Filmbeiträge in das gesammelte Wissen avantgardistischer Kunst eingehen – ein Geniestreich zwischen provokanter Kunstaktion und konzeptueller Medienkritik.
Im Vergleich zu anderen Zeitgenossen wie Nam June Paik, der das Fernsehen als Kunstplattform verstand, oder Joseph Beuys, der die soziale Skulptur prägte, bleibt Mike Steiner immer Grenzgänger: Er verbindet das Malerische mit dem Performativen, das Flüchtige der Performance mit der Dauer der Videodokumentation. Seine Painted Tapes – ein faszinierendes Beispiel für die Fusion von Malerei und elektronischem Bild – belegen wie selbstverständlich Steiners Bewegung zwischen den Medien.
Für Fachleute ist der Wechsel zwischen Medien bei Steiner immer auch ein Statement. Die Einzelausstellung „Color Works“ im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart von 1999, markiert einen Höhepunkt. Dort wird das gattungsübergreifende Denken zum Leitmotiv erhoben – große bildnerische Tableaus, vibrierende Farbflächen, elektronische Malereien treten neben die Zeitzeugenschaft von Performance und Video.
Doch Mike Steiner ist nicht nur Künstler; er wird zum Kurator, Förderer und Sammler. Seine Sammlung von Videokunst-Tapes – erstmals 1994 umfassend gezeigt – beinhaltet Schlüsselwerke von Marina Abramovi?, Ulay, Valie Export und Bill Viola. Die von ihm produzierten TV-Sendungen der „Videogalerie“ (1985–1990) schaffen neue Bühnen für die elektronische Kunst und gehen in die Geschichte der Medienkunst ein. Gleichermaßen haben Künstler wie Andy Warhol, Allan Kaprow oder Gary Hill vergleichbare Impulse in New York oder Paris gesetzt – dennoch ist Steiners Berliner Perspektive unverwechselbar eigenständig.
Ab Mitte der 1980er Jahre findet eine erneute Rückkehr zur Malerei statt. Motive werden abstrakter, Farbtöne leuchten, Bildflächen vibrieren – Malerei bleibt für Steiner immer Experiment, nicht Tradition. Seine Fotoarbeiten, Copy Art-Objekte und späteren Stoffbilder zeugen von unbändiger Lust am Grenzgang.
Faszinierend ist die Integrität, mit der Mike Steiner seine Kunst stets als offenes System begriff: Ein Künstler, Kurator, Mentor – stets auf der Suche nach der erweiterten Erfahrung im Raum. Die großen Stationen seines Lebens – von der Kreuzberger Bohème über New Yorks Fluxus-Szene bis zum Hamburger Bahnhof und seinen letzten Arbeiten im Atelier – sind eng verknüpft mit Fragen nach kollektiven Prozessen, Medienkritik und dem demokratischen Zugang zur Kunst.
Auch nach seinem Schlaganfall 2006 und dem Rückzug aus der Öffentlichkeit bleibt Mike Steiner ein Pionier – seine Werke, Archive und Sammlungen sind heute wichtiger denn je für das Verständnis von Zeitgenössischer Kunst an der Schwelle zwischen analoger und digitaler Ära.
Wer tiefer eintauchen möchte, findet weitere Informationen, Bilder und Hintergründe auf der offiziellen Archivseite www.mike-steiner.de – besuchen Sie das umfassende Werkverzeichnis und das Archiv von Mike Steiner. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich selbst ein Bild von der Vielschichtigkeit und Innovationskraft dieses Ausnahme-Künstlers zu machen.


