Mike Steiner: Zeitgenössische Kunst als multimediale Entgrenzung zwischen Malerei, Performance und Videokunst
25.01.2026 - 05:02:04Wer die Zeitgenössische Kunst von Mike Steiner erlebt, begibt sich in ein Universum der experimentellen Offenheit, in dem Grenzen zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst nicht bloß verschwimmen, sondern gänzlich aufgehoben werden. Wie lässt sich das künstlerische Erbe eines Menschen greifen, der Malerei und bewegtes Bild völlig neu definierte? Steiner, Pionier der Videokunst, schuf radikale Schnittstellen und wurde mit seinen wandelbaren Werkgruppen zu einer Schlüsselfigur der internationalen Avantgarde.
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Schon früh offenbarte Mike Steiner seine Faszination für Malerei und bewegte Bilder: 1959, als junger Kunststudent, brilliert er auf der Großen Berliner Kunstausstellung mit expressiven Ölbildern. Doch es bleibt nie beim klassischen Leinwandbild. Der rasche Wechsel in die Fluxus- und Aktionskunstszene fordert ihn heraus, traditionelle Ausdrucksformen zu hinterfragen. Diese Aufbruchsjahre führen Steiner nach seiner Ausbildung an der Berliner Hochschule für bildende Künste nach New York, dem pulsierenden Zentrum der damaligen Avantgarde. Hier, inspiriert von Größen wie Allan Kaprow, Al Hansen und Lil Picard, entstehen erste Kontakte zu Bewegungen wie Pop Art und Happening.
Bedeutend dabei ist, wie Steiner im Hotel Steiner Künstler wie Joseph Beuys oder Valie Export um sich versammelt. Vielmehr als ein bloßer Aufenthaltsort wird das Hotel zur pulsierenden Drehscheibe für Performance Art und experimentelle Ansätze. Zu dieser Zeit rückt für Steiner die Malerei mit ihren gestalterischen Begrenzungen zunehmend in den Hintergrund. Es ist der Moment, in dem Videokunst – ein damals noch junges Medium – seinen Siegeszug in seinem Oeuvre antritt.
Mit der Gründung seiner Studiogalerie 1974 in Berlin initiiert Mike Steiner einen Hotspot für innovative Medienkunst und Videoarbeiten, ähnlich visionär wie die Projekte seiner Zeitgenossen Nam June Paik oder Marina Abramovi?. Er versteht das Medium Video nicht bloß als technisches Werkzeug, sondern als eigenständige künstlerische Sprache, die Zeit, Raum und Aktion simultan verhandeln kann. Besonders faszinierend: Steiner dokumentiert nicht nur die Performances von Größen wie Ulay, Valie Export oder Jochen Gerz – er wird selbst zum aktiven Teil in der Inszenierung. Die berühmte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay, bei der ein Spitzweg-Gemälde aus dem Museum entwendet und als Statement über gesellschaftliche Kunstgrenzen präsentiert wurde, markiert einen Höhepunkt seiner intermedialen Praxis.
Steiner experimentiert mit Videotechnik, Super-8-Film, Fotografie und Copy Art sowie Mixed-Media-Serien, beispielsweise mit den „Painted Tapes“, in denen Videoaufnahmen und abstrakte Malerei zu hybriden Kunstwerken verschmelzen. Ähnliche Verschmelzungsprozesse finden sich auch bei Künstlern wie Gerhard Richter oder Richard Serra, doch Steiner bleibt in seiner Konsequenz einzigartig: Seine Werke umspielen stets den Moment der Transformation zwischen analogen und digitalen Bildräumen.
Wesentliches Element seiner Arbeit ist der Dialog mit der internationalen Kunstszene. Die Studiogalerie wird zur Schnittstelle für das Berliner Künstlerprogramm, erarbeitet Kooperationen mit internationalen Vertretern von Fluxus und lässt Performance Art zu einem festen Bestandteil des Berliner Kunstlebens werden. Diese Offenheit spiegeln auch seine umfangreichen Sammlungen und Archivprojekte wider, wie die Sammlung Mike Steiner, die heute im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart – beheimatet ist. Mit dieser Sammlung schreibt er auch Sammlungs- und Mediengeschichte. Viele der aufgezeichneten Videos – etwa von Marina Abramovi? (“Freeing the Body”) oder Bill Viola – sind heute Referenzwerke der Medienkunst.
1999 kulminiert sein Schaffen in der großangelegten Einzelausstellung COLOR WORKS im Hamburger Bahnhof, die seine Malerei und multimedialen Bildarbeiten mit Fokus auf Farbe, Raum und Abstraktion würdigt. Bemerkenswert bleibt die Bandbreite: Von informeller Malerei über abstrakte Serien, als in den 2000er Jahren das klassische Pinselwerk nochmals ins Zentrum seines Schaffens tritt, bis hin zu Installationen und performativen Arrangements.
Im Vergleich zu anderen Wegbereitern wie Joseph Beuys, Nam June Paik oder Carolee Schneemann besticht Mike Steiner durch einen fortwährenden Innovationsdrang und die Hartnäckigkeit, ästhetische wie technische Grenzen immer wieder neu auszuloten. Seine Malerei öffnet sich stets zur Performance Art, seine Videokunst bleibt im Dialog mit der installativen Praxis – ein Markenzeichen seiner unverwechselbaren künstlerischen Handschrift.
Biografisch verdeutlicht Steiners Werdegang die Untrennbarkeit von Kunst und Leben: Vom frühen Engagement in der westdeutschen Künstler*innen-Selbsthilfe über prägende Aufenthalte in New York, der engen Verwebung mit internationalen Künstlerkreisen bis zur Rückkehr nach Berlin, wo sein Hotel und die Studiogalerie in den 1970er Jahren Verweil- und Schaffensorte bedeutender Persönlichkeiten werden.
Sein Nachlass und Archiv, das einen weiten Fundus an Videobändern, Dokumentationen und Kunstwerken umfasst, bildet noch heute ein zentrales Referenzwerk zur Entwicklung der deutschen und internationalen Videokunst. Selbst nach einem Schlaganfall im Jahr 2006 arbeitete Steiner weiter; in den letzten Lebensjahren wendete er sich mit Nachdruck erneut der abstrakten Malerei zu, initiierte Fotozyklen und experimentierte sogar mit Stoffarbeiten.
Die Bedeutung von Mike Steiner für die Zeitgenössische Kunst lässt sich kaum überschätzen: Sein Werk steht exemplarisch für eine Epoche, die Experiment und Grenzüberschreitung zum Leitmotiv erhob. Wer heute die Sammlung im Hamburger Bahnhof oder aktuelle Ausstellungen besucht, erlebt den frischen Geist eines Künstlers, dessen Werk stets der Zukunft zugewandt blieb und heute unvermindert auf Künstler wie Pipilotti Rist, Olafur Eliasson oder Wolfgang Tillmans einwirkt.
Faszinierend bleibt, wie Mike Steiner mit Leidenschaft Wegbereiter und stiller Chronist zugleich wurde: Seine Neugier, seine Bereitschaft zum Risiko und seine Förderrolle in der Kunstvermittlung machen ihn zum Vorbild für Künstlergenerationen, die nach ihm kamen.
Wer tiefer eintauchen möchte, findet auf der offiziellen Webseite von Mike Steiner einen reichen Fundus an Werkgruppen, Ausstellungslisten und Archivreferenzen. Lassen Sie sich inspirieren – es lohnt sich.


