Zeitgenössische Kunst, Videokunst

Mike Steiner – Zeitgenössische Kunst als Grenzgänger zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst

21.01.2026 - 05:02:05

Zeitgenössische Kunst neu gedacht: Mike Steiner verschmolz Malerei, Performance Art und Videokunst zu einer einzigartigen Ausdrucksform und hinterließ ein farbiges, experimentelles und bewegendes Werk.

Was geschieht, wenn Zeitgenössische Kunst die Grenzen zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst nicht nur berührt, sondern radikal verwischt? Mike Steiner, eine herausragende Figur berlinerischer Avantgarde und Pionier neuer Medien, hat mit seinem künstlerischen OEuvre stets Neugierde entfacht – und bis heute zieht sein Vermächtnis Kunstinteressierte wie Fachleute in den Bann der überschäumenden Kreativität.

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Steiners Werk weckt mit flirrenden Farben, performativen Momenten und einer beständigen Verschiebung der traditionellen Grenzen der Bildkünste sofort Aufmerksamkeit. Der Künstler, 1941 in Allenstein geboren und 2012 in Berlin gestorben, lebte für die Kunst – und das immer auf mehreren Ebenen. Auf den ersten Blick springt die medienübergreifende Experimentierlust ins Auge, die sein Werk wie ein roter Faden durchzieht: Von den frühen informellen Gemälden, über abgründige Schwarzweiß-Fotografien, hin zu den vielschichtigen Videos und den berühmten "Painted Tapes", die Malerei und elektronische Bildwelten neu verbanden.

Sein Lebensweg liest sich wie das Protokoll einer künstlerischen Zeitenwende. Kaum siebzehnjährig debütierte Mike Steiner bei der Großen Berliner Kunstausstellung. Wenige Jahre später führte sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin zu prägenden Begegnungen mit Hans Jaenisch und Hans Kuhn, und auch international sammelte Steiner Inspirationen: Ein Stipendium brachte ihn nach New York, ins Epizentrum von Fluxus, Pop Art und Happening. Hier lernte er Persönlichkeiten wie Allan Kaprow und Lil Picard kennen, wurde ins Atelier von Robert Motherwell eingeführt und erfahr damit hautnah, wie Malerei und Konzept-Kunst weltweit neu definiert wurden. Diese Zeit prägte Steiners später legendären Hang zu Grenzgängen – ein Ansatz, der auch bei Zeitgenossen wie Nam June Paik oder Marina Abramovi? zu finden war.

Zurück in Berlin stellte Mike Steiner 1970 mit dem Hotel Steiner einen Hotspot für internationale Künstler auf die Beine – ein Treffpunkt, den viele als das deutsche Chelsea Hotel verstanden. Hier kreuzten Größen wie Joseph Beuys und der Fluxus-Künstler Al Hansen seinen Weg. Bald konzentrierte er sich auf die damals revolutionäre Videokunst: Inspiriert von Experimentalfilm und elektronischen Medien, begann Steiner, Performances auf Video zu dokumentieren und selbst zu gestalten. Werke wie "Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst" mit Ulay, die den spektakulären Kunstraub des Spitzweg-Gemäldes "Der arme Poet" dokumentiert, sind bis heute vielschichtige Referenzen auf gesellschaftliche und mediale Grenzerfahrungen.

Seine berühmte Studiogalerie in Berlin, gegründet 1974, wurde zum Schmelztiegel der internationalen Performance- und Videokunst. Hier wirkten und experimentierten inzwischen legendäre Künstlerinnen wie Valie Export, Marina Abramovi?, Carolee Schneemann und Jochen Gerz – oft unter Steiners kamerabewaffnetem Blick. Seine Videodokumentationen konservieren einmalige Performances und sichern Steiner einen festen Platz als Chronist und Akteur der siebziger und achtziger Jahre – ähnlich wegweisend wie die Arbeiten der amerikanischen Kollegen Bill Viola oder Gary Hill.

Das Werk Mike Steiners lässt sich kaum in Schubladen fassen. Die "Painted Tapes" verbinden malerischen Gestus und elektronische Bewegtheit in leuchtender Farbe – visuelle Grenzüberschreitungen, die auch Assoziationen zu Gerhard Richters experimenteller Abstraktion wecken. Anfang der 80er-Jahre formten Super-8-Filme, Dia-Serien, Copy Art und Polaroid-Installationen ein ebenso diverses wie präzise komponiertes Mosaik. Auch musikalische Kooperationen, etwa mit der Band Tangerine Dream, führten zu audiovisuellen Werken, die Musik und bewegtes Bild verschmolzen – eine künstlerische Allianz, wie sie wenige Zeitgenossen dieser Intensität realisierten.

Die große Einzelausstellung "Color Works" 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart würdigte sein Schaffen als ein Kaleidoskop zeitgenössischer Kunst: Farbenexplosion und Minimalismus, experimentelle Malerei und Mediencollage. Intrinsisch und doch universell, entspricht Steiners Werk dem Puls der Zeit – stets einen Schritt voraus.

Faszinierend wirkt, wie Mike Steiner immer wieder ins Zentrum künstlerischer Entwicklungen vordringen konnte. Als Sammler und Archivar baute er eine der relevantesten Videosammlungen Deutschlands auf, die Arbeiten von Pionieren wie Richard Serra, George Maciunas und Nam June Paik umfasst und heute dem Hamburger Bahnhof anvertraut ist. Für Steiner war Kunst stets Vermittlung, Dialog, Experiment und Erlebnis – sein konsequent intermediales Schaffen wirkt bis heute inspirierend für junge Künstler, die im Spannungsfeld von Technik, Politik und Poesie nach Ausdruck suchen.

Betrachtet man die Entwicklung der Zeitgenössischen Kunst, so wird deutlich: Mike Steiner war kein Einzelgänger im Elfenbeinturm, sondern Impulsgeber, Vernetzer und Chronist einer aufbrechenden, suchenden Kunstgeneration. Seine Werke, ob Medientape, abstrakte Leinwand oder Performance, schaffen bis heute offene Räume für Reflexion, Berührung und Irritation.

Was bleibt, ist eine künstlerische Handschrift, die Zeit, Raum und Medium spielerisch überschreitet – und so der Zeitgenössischen Kunst ihr changierendes, stets aktuelles Gesicht verleiht. Wer Mike Steiners Bilder, Videos und Installationen selbst erleben will, findet auf seiner offiziellen Künstlerseite ein lebendiges Archiv dieses außergewöhnlichen OEuvres.

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